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Bad Doberan „Ein Sensationsfund“ nahe Neubukow
Mecklenburg Bad Doberan „Ein Sensationsfund“ nahe Neubukow
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00:00 13.06.2017
„Das ist der schönste Fund meines Lebens“, freut sich der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Jürgen Krakor (2. v. l) neben Alexander Schacht (l.) vom Landkreis und dem Bodendenkmalpfleger Volker Häußler (2. v. r.) über den Wikinger-Schmuck auf seiner Hand. Dr. Lars Saalow (r.) vom Landesamt für Denkmalpflege zeigt dazu einen Fund aus der Nähe von Pasewalk, der am gleichen Tag gemacht worden war. Er spricht von einer Sensation. FOTOS (2): THOMAS HOPPE
Neubukow/Rerik

„Das ist der schönste Fund meines Lebens“, sagt an diesem Montagvormittag – immer noch etwas ergriffen – der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Jürgen Krakor aus Rerik.

Schmuck-Anhänger im Jelling-Stil. Damit wäre er etwa in den Jahren 950 bis 985 hergestellt worden.

Er hatte am 25. Mai auf einem Acker bei Neubukow in etwa zehn Zentimetern Tiefe einen einst vergoldeten, bronzenen Schmuckanhänger mit einem Tierkopf aus der Zeit der Wikinger entdeckt.

„Das ist eindeutig Jelling-Stil und der gehört in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts – also in die Zeit von 950 bis zum Jahr 985“, ist der Entdecker sicher und zieht sich zur Präsentation des Fundes weiße Baumwollhandschuhe an.

Einen „Sensationsfund“ nennt dieses kleine Teil Dr. Lars Saalow. Der Dezernent für urgeschichtliche Siedlungen im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege zeigt ein fast identisches Schmuckstück vor (siehe Foto). Es stammt aus der Nähe von Pasewalk, wo es vom Bodendenkmalpfleger Sylvio Barkow entdeckt worden war: „Das sind in Mecklenburg-Vorpommern die ersten beiden derartigen Stücke. Wir kennen solche Sachen hier sonst gar nicht. Das macht es umso spannender, dass am gleichen Tag diese Stücke mit identischen Motiven gefunden wurden“, sagt Dr. Saalow.

„Da hat Thor die Finger im Spiel gehabt!“, wirft augenzwinkernd der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Volker Häußler aus Kühlungsborn ein. Durch ihn war Jürgen Krakor vor sechs Jahren zur Hobbyarchäologie gekommen, wie der Reriker berichtet.

Zu seinem Schmuckfund ergänzt er noch, dass das dünnere Teil in Vorpommern „ein oder zwei Stunden später“ entdeckt worden sei. Das hatte ihm Sylvio Barkow im internen Internetforum für Bodendenkmalpfleger mitgeteilt: „Drei Tage nachdem ich meinen Fund dort reingestellt hatte, meldete sich Sylvio und meinte, dass das ja jetzt ,ein bisschen unheimlich’ sei, weil er so ein Stück am selben Tag bei Pasewalk gefunden hätte.“

Wie Jürgen Krakor weiter berichtet, habe ihm am 11. Mai eine alte Pinzette, die er auf der Fläche nahe der Schliemannstadt mit seinem Metalldetektor aufgespürt hatte, das Signal gegeben, an dieser Stelle – im Einvernehmen mit dem Bodeneigentümer – etwas gründlicher zu suchen. Zusammengenommen sechs Tage suchte der Mann dann das Terrain nach Spuren der Geschichte ab.

Zu den insgesamt 65 Fundstücken aus diesen Tagen gehören auch ein einst vergoldetes Kleeblattfibel-Fragment (diente Wikingern als Gewandschließe) und Bleigewichte für den Handel, die ebenfalls den Wikingern zugeschrieben werden. Aber auch eine Klinge aus der Jungsteinzeit gehört zu Krakors Fundobjekten – die er alle dem Landesamt übergibt – sowie jungslawische Keramikscherben, eine Reihe noch nicht identifizierter handbearbeiteter „Buntmetallfetzen“ und der Rest einer Waren-Plombe von der Lüneburger Salzsozietät, die nur von 1849 bis 1859 existierte.

Volker Häußler verweist noch auf das Umfeld des Fundplatzes: „Das eigentliche Rerik ist nicht weit, Ilow ist nicht weit. Letztlich gab es hier ja bis Burg Mecklenburg ein dichtes Siedlungsgebiet der Slawen und die haben ja im Handel, im Austausch – auch mit den Wikingern – gestanden“. Jürgen Krakor verrät dazu seine Erklärung für das identische Motiv der beiden Wikinger-Schmuckanhänger. Es könnte auf die nordische Mythologie zurückgehen, wo es eine Sage um den Fenriswolf gibt (siehe nebenstehende Infos) und die Szene auf den beiden Anhängern zeigt den Wolf und den Arm des Gottes Tyr.

Die Frage, wann die Öffentlichkeit diese Funde und vor allem wo sie sie sehen könne, beantwortet Dr. Saalow so: „Im Internet werden wir sie zeigen. Bis zu einer Ausstellung ist aber sicherlich noch etwas Geduld gefragt. Nach Groß Raden würden sie gut passen.“

Dem Aktivisten der Bürgerinitiative für ein Archäologisches Landesmuseum (ipal-mv.de), Volker Häußler, ist es wichtig, dazu zu betonen: „Es muss gegenüber der Landesregierung weiter Druck aufgebaut werden, dass dieses Museum auch wirklich kommt. Wir sammeln weiter Unterschriften, bis uns die Museumstür aufgeschlossen wird“.

Zeigt Schmuck Fenriswolf?

Die Götter fürchteten, der Fenriswolf werde sie alle verschlingen. So beschlossen sie, ihn für alle Zeiten zu fesseln. Letztlich mit dem magischen Faden Gleipnir, den die Zwerge unter anderem aus Sehnen der Bären, dem Speichel der Vögel und den Wurzeln der Berge gefertigt haben sollen. Der Fenriswolf schöpfte Verdacht. Er verlangte zur Sicherheit gegen Betrug, dass einer der Götter ihm die rechte Hand ins Maul legte. Der Gott des Krieges Tyr tat es. Man fesselte Fenris, aber je stärker er an der Fessel riss, desto enger zog sie sich zu. Er blieb gefesselt, biss Tyr aber die Hand ab.

Dadurch wurde die Götterwelt gerettet. Befreien wird sich der riesige Wolf erst in der Zeit des Weltenbrands, Ragnarök (Schicksal der Götter), heißt es in der Mythologie.

Thomas Hoppe

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