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Bad Doberan Ein Tag wie aus Tausendundeiner Nacht
Mecklenburg Bad Doberan Ein Tag wie aus Tausendundeiner Nacht
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00:00 11.05.2017
Hand in Hand: Bei Staffelspielen wetteiferten in der Turnhalle rund 100 Kinder miteinander. Quelle: Fotos: Lennart Plottke

In der Doberaner Buchenbergschule liegt was in der Luft – ein ganz besonderer, leicht orientalischer Duft. Kein Wunder: Denn in der schuleigenen Küche bereiten Drittklässler gerade Couscous mit Gemüse zu. Schnippeln Kartoffeln, Tomaten, Möhren und Knoblauch, bringen alles auf den Herd – und lassen es sich nach getaner Arbeit gemeinsam schmecken.

Multikulti: Doberaner Buchenbergschüler lernen bei Projekten arabisch-syrische Kultur kennen

„Das ist nur eine von vielen Stationen an unserem multikulturellen Projekttag“, erklärt Ulrike Mödebeck und atmet tief durch. Gemeinsam mit dem Syrer Housam Mohamad Alselo und Antje Michaelis hat die Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache diesen Tag organisiert, um die Grundschüler mit der arabischen Welt vertrauter zu machen: „Gut sechs Wochen Vorbereitung und manch schlaflose Nacht haben sich gelohnt – toll, wie begeistert die Kinder hier bei der Sache sind.“

Dabei wird nahezu das gesamte Schulgelände genutzt: Hier klingt aus einigen Klassenräumen arabische Musik und es wird dazu getanzt, dort lesen Achtklässler Märchen aus Tausendundeiner Nacht vor und gestalten ein großes Wandbild – und in der Sporthalle wetteifert der Nachwuchs bei Staffelspielen miteinander. „Wir haben an den verschiedenen Stationen immer auch ältere Schüler mit eingebunden“, sagt Mödebeck. „Insgesamt sind so mehr als 240 Kinder und Jugendliche am Projekttag beteiligt.“

Kultur spielerisch näherbringen

Dazu kommen zwei Integrationslotsen vom Landkreis Rostock, die in kleinen Workshops unter anderem den Islam und seine Kultur spielerisch erklären wollen. „Beim Ramadan wird zum Beispiel einen Monat lang gefastet“, sagt Landkreis-Mitarbeiterin Nora Stuart. „Dabei dürfen die Menschen etwa keine irdischen Substanzen wie Speisen oder Getränke zu sich nehmen – und auch Rauchen ist verboten.“ Einige Muslime würden es sogar so weit treiben, dass sie sich nicht die Zähne putzen, um nicht die Zahnpasta zu verschlucken, sagt Stuart.

Bei den Drittklässlern sorgt diese Aussage für staunende Gesichter – und logische Nachfragen: „Und was ist mit dem Speichel?“, will etwa die neunjährige Luisa wissen. „Wie soll man denn schaffen, den nicht zu verschlucken?“ Da kann Nora Stuart beruhigen: „Spucke zu verschlucken ist natürlich erlaubt.“ In einem anderen Raum lernen die Kinder gerade, wie ihr Name in arabischer Schrift aussieht und dass Worte und Sätze immer von rechts nach links geschrieben werden.

„Eine bessere Art, mögliche Barrieren oder Vorurteile abzubauen, kann es gar nicht geben“, meint Ulrike Mödebeck, die einmal pro Woche an der Doberaner Volkshochschule einen Integrationssprachkurs leitet. Miteinander lernen und leben – darin hat die Buchenbergschule schon jede Menge Übung. Kinder aus mehr als 20 verschiedenen Nationen werden hier unterrichtet – sie kommen aus Guinea, Afghanistan, Syrien, Rumänien oder Italien. „Dabei handelt es sich aber nicht ausschließlich um Flüchtlinge“, stellt Mödebeck klar. „Sondern beispielsweise auch um Kinder, deren Eltern in Kühlungsborn in der Gastronomie beschäftigt sind.“

Wie man gemeinsam stark sein kann, lernt der Nachwuchs heute auch in der Turnhalle. Hier müssen alle Schüler bei Sportspielen Hand in Hand arbeiten, um letztlich erfolgreich zu sein. „Das ist ein bisschen so wie bei uns in Syrien“, sagt Housam Mohamad Alselo, der die ursprüngliche Idee für den Projekttag an der Schule hatte. „In meinem Heimatland kennen wir auch Eierlaufen oder Sackhüpfen.“

Sprache als größtes Hindernis

Bei einem Praktikum hatte der 27-Jährige, der seit Dezember 2015 in Bad Doberan lebt, die Buchenbergschule näher kennengelernt. „Ich habe in Syrien vier Jahre lang Sport auf Lehramt studiert – natürlich würde ich hier auch gern als Lehrer arbeiten.“ Die größte Hürde: fehlende Sprachkenntnisse. „Im Moment belege ich an der Volkshochschule einen berufsbezogenen Kurs“, sagt Alselo in fast fließendem Deutsch. „Es wird immer besser – ich verliere mein Ziel nicht aus den Augen.“

Und das auch im übertragenen Sinn: Denn der arabisch-syrische Schultag soll zunächst einmal nur ein „Probier-Projekt“ sein, erklärt der engagierte junge Mann, der auch beim Doberaner FC mittrainiert:

„Der Plan ist, Ende August auf dem Sportplatz ein großes Spiel- und Sportfest für die ganze Stadt zu veranstalten – da hoffe ich auf ganz viel Unterstützung.“ Unter anderem ist hier dann auch das Netzwerk „Bad Doberan hilft“ mit im Boot.

Die „kleine Generalprobe“ an der Buchenbergschule ist zumindest geglückt. „Das ganze Gelände war heute irgendwie voller Musik“, meint Ulrike Mödebeck und strahlt. „Alle Schüler haben unsere Angebote richtig toll angenommen.“

Lennart Plottke

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