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Ein Verein nur für Seglerinnen: Hier geben Frauen den Kurs vor

Nienhagen Ein Verein nur für Seglerinnen: Hier geben Frauen den Kurs vor

Der Verein „Die Seglerinnen“ traf sich im Ostseebad Nienhagen zur Mitgliederversammlung. Die Frauen bestimmen selbst, wo es lang geht.

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Vorstand und Mitglieder des Vereins „Die Seglerinnen“ bei ihrer Mitgliederversammlung im Ostseebad Nienhagen.

Quelle: Sabine Hügelland

Nienhagen. Wind ist ihr Kapital: Immer dann, wenn sie in ihre Boote steigen und über die Meere segeln. Im deutschlandweiten Verein „Die Seglerinnen“ sind es Frauen, die sagen, wo es lang geht. Im Ostseebad Nienhagen trafen sich jetzt um die 25 Frauen aus Vorstand und Mitgliederstamm zur Jahresversammlung — und um das 30-jährige Vereins-Jubiläum im Frauenhotel zu feiern.

Der Verein „Die Seglerinnen“ bietet Frauen einen unkomplizierten Zugang zum Segelsport, unter anderem in dem vereinseigenen Boot „Double Trouble“. Hintergrund: Viele Frauen machten bereits unschöne Erfahrungen mit männlichen Segeltrainern oder sogar mit ihren eigenen Ehemännern. „Da kommen Frauen zu uns, die nie ans Ruder dürfen, weil ihre Männer sie einfach nur als Mitseglerin und ‚Deckshand‘

nutzen“, sagt eine der beiden Vorstandsvorsitzenden, Heike Holle. „Die trauen sich zuerst meist auch nichts zu. Bei uns lernen sie andere segelbegeisterte Frauen kennen und haben die Möglichkeit des Mitsegelns, auch als Anfängerinnen.“

Anders als in der Segelschule basieren die Vereinsaktivitäten auf dem Engagement einzelner Frauen. Sie helfen sich untereinander und besuchen gemeinsam wichtige Schulungen wie Kenterkurse und Ausbildungstörns sowie Kurse, bei denen die Teilnehmerinnen offizielle Führerscheine erwerben können. Bei der Bundesmarine lernten sie, wie man auf hoher See ein Feuer bekämpft oder ein Leck abdichtet.

Der Verein — rund 100 Frauen sind Mitglied — ist nach außen offen. Mitmachen können auch Nicht-Mitglieder, von der totalen Anfängerin bis hin zum Profi. Das kommt an, und es sind immer mehr Frauen dabei, ohne gleich im Verein Mitglied zu werden.

„So war es auch bei mir. Ich bin durch einen Zufall in Köln auf die Regionalgruppe gestoßen“, berichtete die 36-jährige Anett Pohl. Mittlerweile ist sie Kassenwartin. Nicht alle Mitglieder können auf einen sportlichen Hintergrund blicken wie sie, die schon als Kind bei Regatten mitsegelte. Doch die ehemalige Rüganerin lebt nun in Köln und wollte unbedingt wieder Segeln. „Nicht alle von uns besitzen ein eigenes Boot, deshalb chartern wir auch Boote für Segeltörns, oft in Richtung Holland.“

Die Mitglieder stammen aus unterschiedlichsten Berufen: „Von der Krankenschwester bis zur Universitäts-Dozentin“, sagt Heike Holle, die bei einer Landesbehörde arbeitet und für Umweltrecht und wasserwirtschaftliche Maßnahmen zuständig ist. Der Verein ist ein Netzwerk für Frauen, die sich zum Segeln, zu Veranstaltungen rund um den Segelsport, zum Austausch über Bootspflege, Reparaturen, Stammtische und anderes treffen. Gegründet haben sie sich vor 30 Jahren, als sich eine Informatik- und eine Architektur-Studentin auf einer Mitfahrgelegenheit auf dem Weg zur Frauen-Sommer-Uni in Berlin kennenlernten und feststellten, dass sie beide ein Interesse teilten: das Segeln.

Sie suchten per Anzeige nach gleichgesinnten Frauen. Mit ihnen ging es ein Jahr später auf Ostsee- Törn. Die Gruppe wuchs schnell. Zu den Seglerinnen im Verein gehören und gehörten Jachteignerinnen, Profi- und weniger erfahrene Seglerinnen mit und ohne Sportbootführerschein. Die gestandenen Seglerinnen befahren Nordsee, Ostsee und Mittelmeer.

Auch zur Jubiläumsveranstaltung in Nienhagen fand sich eine Frau, die sich als neues Mitglied eintrug, denn in Rostock gründete sich erst kürzlich eine Regionalgruppe. „Es ist genau das, was ich schon seit Jahren suche — und ich brauche kein eigenes Boot“, gibt Jutta Baudisch aus Rostock als Grund an, Mitglied bei den „Seglerinnen“ zu werden.

Die Seglerinnen
100 Frauen sind im Verein „Die Seglerinnen“ aktiv — als Vereinsmitglied oder als Seglerinnen bei Törns auf Nord- und Ostsee oder bei Wettfahrten in viele Segelrevieren.

7,75 Meter lang und 2,6 Meter breit ist der 20er Jollenkreuzer des Vereins, die „Double Trouble“. Der Verein hat sie im Jahr 2000 angeschafft. Sie hat ihren festen Liegeplatz in Hamburg-Wedel. Die „Double Trouble“ geht jeden Sommer auf Törn über Nord- und Ostsee und den damit verbundenen Binnengewässern. Sie wird von einer Crew zur nächsten übergeben und entbindet die Crew vom Zeitdruck, das Schiff zur Ausgangsstelle zurücksegeln zu müssen.

• Internet:
www.seglerinnen.de

Sabine Hügelland

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