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Bad Doberan Einladung zu Brennnessel-Salat und Wildkräutertee
Mecklenburg Bad Doberan Einladung zu Brennnessel-Salat und Wildkräutertee
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00:10 05.12.2017
Rosita Sell ist Kräuterfrau aus Leidenschaft. Bis zu 25 Mal im Jahr führt zu Naturfreunde über Wiesen und durch Wälder in der Umgebung von Kägsdorf. FOTOS (5): WERNER GESKE
Kägsdorf

„Ich kenne kaum Krankheiten“, beteuert Rosita Sell (76). Alles, was sie für die Gesundheit benötigt, findet sie in der Natur. Und die beginnt gleich vor ihrer Haustür im Kägsdorfer Seeblick. Wenn sie im Erker ihres Wohnzimmers sitzt, hat sie die hügelige Landschaft mit Bäumen, Sträuchern und einem von Büschen umstandenen Soll vor Augen. Und nur wenige Hundert Meter entfernt, glitzert die Ostsee. „Hier fühle ich mich zuhause“, sagt Sell.

Kräuterfrau Rosita Sell führt Naturfreunde durch Wald und Flur

Die Serie

Jeden Dienstag stellt die OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan ein Dorf aus der Region vor. Wir erzählen Geschichten über Menschen, die dort leben, über Veränderungen, über die Sorgen der Einwohner, was sich entwickeln soll oder wie es zur Gründung kam. Heute: Kägsdorf.

Die Sehnsucht nach dem Meer hat die 1941 in Kolberg an der Ostsee Geborene, solange sie denken kann, in sich. Kurz vor Weihnachten 1945 muss sie zusammen mit den Eltern die Heimat in Hinterpommern verlassen. Ein neues Zuhause findet die Familie in Haan im Rheinland. Dort lernt sie auch ihren späteren Mann Erhard kennen. Beide lieben das Meer, fahren oft nach Holland an die Nordsee. Dank der Verwandtschaft im mecklenburgischen Bützow reisen sie mit den beiden Kindern auch häufig in die DDR: „Dabei haben wir uns in das schöne Land verliebt!“

Dass sie und ihr Mann hier direkt an der Ostsee heimisch werden würden, ahnen sie damals noch nicht. Diese Chance eröffnet sich nach 1990. „Wir haben 1997 per Anzeige nach einem Grundstück gesucht und bekamen 18 Angebote“, erinnert sich Rosita Sell. Die Entscheidung fällt für eine ehemalige LPG-Ferienanlage. Bis das Haus im Seeblick steht, vergehen noch gut drei Jahre. Zunächst pendeln die Sells noch zwischen altem und neuem Wohnsitz. Doch dann fällt die Entscheidung endgültig für Kägsdorf. Nach und nach bekommen die Dorfbewohner mit, dass es mit „der Frau Sell eine besondere Bewandtnis“ hat. Die kenne sich nämlich sehr gut mit Pflanzen aus, besonders mit Kräutern, ist da zu hören. Und wer Mut hat, die Probe aufs Exempel zu machen, erfährt: Recht haben die Leute – Rosita Sell ist eine Kräuterfrau! Sie selbst ergänzt: „Ich habe vor etwa zehn Jahren an der Gundermann-Akademie Kräuterpädagogik studiert und 2016 an der Medizinischen Fakultät der Uni Rostock ein Semester Naturheilkunde belegt.“

So etwas spricht sich rum. Und deshalb sind ihre Führungen durch Wald und Flur, die sie seit 2007 anbietet, sehr gefragt. Anfangs hat sie dabei ihren Mann an ihrer Seite, doch seit seinem Tode im Jahr 2014 macht sie sich mit den Naturfreunden gut 25 Mal im Jahr allein auf den Weg. „Ich muss dabei gar nicht soweit gehen. Schon unten am Soll, nur 200 Meter von meinem Haus, wachsen so viele interessante Pflanzen, über die sich so viel erzählen lässt, dass die Zeit wie im Fluge vergeht.“ Und eigentlich reiche es ja schon aus, die Leute in den eigenen, naturbelassenen Garten zu führen:

„Da wachsen etliche Pflanzen, aus denen sich Tees, Säfte, Liköre oder Salate machen lassen. Die Verwunderung ist immer groß, wenn ich erzähle, was sich aus Giersch, Löwenzahn, Gänseblümchen, Ackerschachtelhalmen oder Brennnesseln zaubern lässt.“

Rosita Sell belässt es nicht bei Worten. Je nach Jahreszeit kann man bei ihr einen schmackhaften Brennnessel-Salat verkosten, einen duftenden Wildkräutertee schlürfen oder leckere Schafsgarbenbutter aufs Brot streichen. Das Publikum ist begeistert und verspricht wiederzukommen. Und hält oft Wort. „Ich habe Gäste, die seit Jahren bei mir reinschauen“, freut sich Rosita Sell. Manche kommen dabei sogar von weit her. Frankreich, Schweiz, Holland fallen ihr auf Anhieb ein. Und auch so manche Episode. Darunter die von einer Frau, die sich auf einer Wiese den Magen so mit Gänseblümchen vollschlug, dass Rosita Sell Angst und Bange wurde, dass der Dame unwohl werden könne. „Aber offensichtlich ist es ihr gut bekommen“, meint die Kräuterfrau schmunzelnd. Ob sie der Nimmersatten anschließend zur besseren Verdauung ein Gläschen ihres vorzüglichen Weißdorn-Likörs verabreichte, lässt sie allerdings offen. Denn eigentlich kommt der erst zu Weihnachten auf den Tisch.

OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberaner Zeitung

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Rettungsring erinnert an „Vorwärts“

Eine besondere Kuriosität findet der Besucher am Kiosk in der Dorfstraße. Dort hängt ein von Wind und Wellen gebleichter Rettungsring mit der Aufschrift „Vorwärts“. Nachdem das Rettungsmittel jahrelang in einer Kühlungsborner Gaststätte als Dekoration diente, gab ihm Harry Fork einen Platz an seinem Verkaufsstand. „Der Ring ist eines der letzten Überbleibsel des 1903 in Rostock gebauten Dampfers ,Grete Cords’. Von 1952 bis 1954 befuhr er als erstes Frachtschiff der DDR unter dem Namen ,Vorwärts’ die Meere“, erklärt der Kiosk-Betreiber. Ab 15. Mai 1955 lag das Schiff am Rostocker Mühlendamm als Schiff der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ vor Anker. 1989 wurde das Schiff nach heftigen Diskussionen verschrottet.

„Oliver“ trägt schon 357 Nuckel

Ob mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß – wer Kägsdorf zwischen Ostern und Oktober einen Besuch abstattet, kommt in der Regel am Kiosk von Harry Fork (58) und seiner Frau Doris (57) nicht vorbei.

Egal, ob es morgens darum geht, bei Harry und Doris Fork frische Brötchen und dazu die Tageszeitung zu kaufen oder mittags Bock- beziehungsweise Currywurst zu essen. Kaum jemand versäumt es, bei ihnen Halt zu machen. Schon gar nicht, wenn am Nachmittag frisch gebackener Kuchen und dampfender Kaffee oder ein Eis warten. Und erst recht nicht, wenn einmal pro Woche frisch geräucherter Fisch angeboten wird.

Besonders voll wird es an den Tischen und in den Strandkörben, wenn die Sonne lacht. Dann fühlt sich das Ehepaar in seinem Entschluss bestätigt, auf seinem Grundstück an der Dorfstraße zu Speis und Trank einzuladen.

Wer weiß, dass der gelernte Landmaschinen- und Traktorenschlosser Fork beruflich schon viel ausprobiert hat, den verwundert sein Ausflug in die Gastronomie nicht. Harry Fork, der Alteingesessene, erzählt: „1989 habe ich die Hofstelle übernommen. 1999 und 2002 wurden drei Ferienhäuser auf dem Grundstück gebaut.“

2006 eröffneten die Forks ihren Kiosk. „Meine Frau war damals in der Hotellerie beschäftigt und wir standen oft vor unserem Haus und meinten im Scherz: ,Da fährt wieder einer vorbei, der ein Stück Kuchen kaufen würde, da einer, der gern einen Kaffee getrunken hätte und da jemand, der Appetit auf eine Bockwurst hat!'“ Aus dieser Erkenntnis heraus entstand der Plan, vor die Scheune einen Kiosk zu setzen. Die richtige Entscheidung, wie sich schnell herausstellte. Fork gesteht: „Hätten wir gewusst, dass es so gut läuft, hätten wir wohl besser die Scheune ausgebaut.“ Doch auch so haben die Kioskbetreiber an den rund 200 Öffnungstagen im Jahr alle Hände voll zu tun. In der Hochsaison sind neben den Tagesausflüglern auch Hunderte Feriengäste im Ort. Und wer setzt sich nicht gern unter die alten Obstbäume, um es sich schmecken zu lassen. Einer der Apfelbäume trägt neben seinen Früchten noch etwas ganz Besonderes. Verwundert hat schon so mancher geschaut, als er entdeckte, was dort in den Zweigen hängt: 357 Kindernuckel in den verschiedensten Farben. „Das ist ,Oliver’, der Schnullerbaum“, erklärt Harry Fork schmunzelnd. „An diesem Baum können sich die Kinder von ihrem Nuckel trennen. Natürlich gibt es hin und wieder Tränen beim Abschied. Doch wenn die Lütten nach einiger Zeit wiederkommen, sind sie stolz darauf, dass ihr Schnuller noch am Baum hängt.“

Eine Idee, die auch schon Zahnärzte begeistert habe, verrät Fork. Die Idee brachte das Ehepaar von einer Reise nach Dänemark mit. Dort können sich die Nuckelbesitzer allerdings nur von ihrem guten Stück trennen, in dem sie es in ein Krabbenbecken werfen. „Was ist nun besser?“, fragt Harry Fork. Werner Geske

Ortsschild regelmäßig gestohlen

Wer aus Richtung Kühlungsborn nach Kägsdorf kommt, sucht das Ortseingangsschild derzeit vergeblich. Nur ein leerer Metallrahmen deutet auf seine einstige Existenz hin. Ein Missstand, der Einheimische und Ortsfremde ärgert.

Dass das Schild fehlt, frustriert auch Bürgermeister Detlef Kurreck (59) mächtig: „Wir haben es schon mindestens fünf Mal erneuern müssen, weil es immer wieder gestohlen wurde. Was die Diebe an dem Schild finden, erschließt sich mir nicht.“ Dennoch will sich die Gemeinde nicht damit abfinden, dass die Tafel immer wieder entwendet wird. „Wir werden sie so befestigen, dass es sehr schwer wird, sie zu klauen“, sagt Kurreck. Im gleichen Zusammenhang sollen dann auch weitere Verkehrs- und Hinweisschilder erneuert werden, um die Touristenströme besser zu lenken. „Das haben wir für 2018 auf dem Zettel“, versichert der Bürgermeister.

Chronistin sucht Stoff aus Ortsgeschichte

Seit Sabine Tunn (64) gemeinsam mit Klaus-Werner von Pape (72) ihre im Rostocker BS-Verlag erschienene Chronik „Das Leben in Kägsdorf“ verfasste, hat sie die Lust am Schreiben gepackt. „Das Buch ist schon in dritter Auflage erschienen. Das motiviert natürlich“, freut sie sich.

Gerade jetzt, in der dunklen Jahreszeit, hat sie die Muße, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. An Themen mangelt es ihr dabei nicht. Das Gut Kägsdorf hat eine bewegte Geschichte. „Ich könnte mir vorstellen, über die Flucht der Leibeigenen nach Lübeck im Jahre 1784 zu schreiben. Auch, dass der letzte Lübecker Dompropst hier einst lebte, ließe sich literarisch verarbeiten“, denkt sie über neue Vorhaben nach.

Und so sitzt die promovierte Medizinerin an ihrem Schreibtisch im großen Wohnzimmer, der früher im Rittersaal des Gutshauses stand, und lässt sich von der schönen Landschaft vor ihren Fenstern inspirieren. „Ich brauche diese Ruhe, um mich ganz auf das Schreiben zu konzentrieren“, sagt sie.

Obwohl sie und ihr Mann noch im hessischen Fulda wohnen, wartet sie sehnsüchtig darauf, dass Kägsdorf zum Lebensmittelpunkt wird: „Hier fühle ich mich zuhause. Was sicherlich auch daran liegt, dass ich Mecklenburger Wurzeln habe. Meine Mutter stammt aus Rostock. Und außerdem verbindet mich mit dem Kägsdorfer Gutshaus etwas Besonderes. Im Rittersaal, dort, wo heute unsere Wohnung ist, fand meine Mutter nach den furchtbaren Rostocker Bombennächten im April 1942 Zuflucht.“

Den Hinweis darauf, fand Sabine Tunn in der Offizierskiste ihres Vaters. Lange hatte sie unbeachtet in der Ecke gestanden. Heute kennt sie den Wert der Truhe, hat die Feldpostbriefe daraus fast atemlos gelesen. Historie, Familiengeschichte – fast vergessen. Vielleicht liefert ihr die vererbte Kiste auch den Stoff für eine Novelle, eine Erzählung oder gar einen Roman. Die Schriftstellerin will es nicht ausschließen. Werner Geske

Aus der Dorfgeschichte

1284 wurde „Ketelhodesdorpe" erstmals erwähnt. 1318 erhielt Heinrich von Bülow das Dorf als Lehn. Die von Bülow behielten es bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Ende des 18. Jahrhunderts wandelte Joachim von Müller das Dorf zur Gutsanlage um.

1855 ließ Friedrich Bobsien das Gutshaus erbauen. Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Bodo von Meding heute noch erhaltene Wirtschaftsgebäude und Landarbeiterhäuser. Bis 1945 bewirtschaftete die Familie Hoffschlaeger das Gut. Durch die Bodenreform entstanden 58 NeubauernsteIlen, 1953 entstand die erste LPG. Das Gutshaus wurde seit 1973 als Schulungs- und Ferienheim genutzt, seit 2004 sind darin Eigentumswohnungen.

Werner Geske

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