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Bad Doberan Eltern: Keine Hilfe in der Notaufnahme
Mecklenburg Bad Doberan Eltern: Keine Hilfe in der Notaufnahme
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21:16 10.04.2018
Leon Pascal ist inzwischen wieder fröhlich. Die Wunde an der Oberlippe ist aber noch immer zu sehen. „Er wird wohl eine Narbe davon behalten“, glaubt seine Mutter Andra Schroeder. Quelle: Cora Meyer
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Bad Doberan

Herumgeschickt und alleingelassen: So fühlten sich Andra Schroeder, Wilhelm Schmidt und ihr Sohn Leon Pascal. Nachdem sich der Zweijährige beim Sturz auf einen Tisch schwer im Gesicht verletzt hatte, erlebten die Eltern auf der Suche nach Hilfe eine regelrechte Odyssee.

Beim Toben war Leon Pascal gegen 20 Uhr mit dem Gesicht auf den Couchtisch gefallen. Der Kleine erlitt mehrere Platzwunden und Abschürfungen und blutete aus der Nase. Die Eltern machten sich sofort auf den Weg in das nächstgelegene Krankenhaus - das Klinikum Bad Doberan.

Weggeschickt nach Rostock

Dort angekommen verwies die Dienst habende Ärztin das Kind allerdings gleich weiter an die Kinder- und Jugendklinik nach Rostock. „Trotz der blutenden Wunden wurden wir so ohne Verband wieder los geschickt und wir machten uns auf den Weg,“ sagt Wilhelm Schmidt.

„Das Team der Notaufnahme schätzt gemeinsam mit den Eltern ein, ob der Weg in die nächstgelegene Kinderklinik oder zum Kinderarzt möglich ist“. sagt Uwe Brochmann, Geschäftsführer des Krankenhauses Bad Doberan. Die Ärzte dort seien „grundsätzlich nicht gesondert für die Behandlung von Kindern ausgebildet.“ Aber lebensbedrohlich verletzte Kinder würden natürlich erstversorgt und dann in Verlegung betreut.

45 Minuten Wartezeit

In der Notaufnahme der Kinderklinik angekommen stellte das Personal Familie Schroeder-Wilhelm eine Liege auf den Hausflur, auf die sich der kleine Leon legen konnte. Nach 45 Minuten Wartezeit begutachtete ein Arzt das Kind und verwies die Familie erneut weiter: Ein Chirurg müsse sich die Wunden im Gesicht ansehen. Es sei aber erforderlich, dass Leon Pascal die nächsten zwei Nächte zur Beobachtung in der Klinik bleiben müsste, um eine Gehirnerschütterung auszuschließen. Der Chirurg nähte - nach einiger Wartezeit - die Wunde. Dann schickte er die Familie ohne Arztbrief nach Hause.

„Wer sich als Notfall vorstellt, sollte sofort von einem Arzt angesehen werden,“ sagt Susanne Schimke, Sprecherin der Unimedizin. In weniger dringenden Fällen könne es allerdings durchaus zu Wartezeiten kommen. Würden Patienten an eine andere Abteilung weitergeleitet, sei es „im Einzelfall“ nötig, dort noch einmal zu warten.

Schreck-Anruf in der Nacht

Allerdings: „Gegen 1 Uhr nachts wurden wir vom Krankenhaus angerufen mit der Bitte, wir sollten doch unseren Sohn wieder hinbringen“, sagt Wilhelm Schmidt. Am Telefon hätte man den Eltern gesagt, dass das Kind andernfalls versterben könne. Susanne Schimke kann dazu nach eigenen Angaben keine Stellung nehmen. Die Eltern könnten sich aber sowohl telefonisch als auch schriftlich mit der Leitung der entsprechenden Abteilung in Verbindung setzen.

Die Eltern von Leon Pascal entschieden sich, das friedlich schlafende Kind nicht mehr ins Krankenhaus zu bringen. „Mittlerweile geht es dem kleinen Mann wieder etwas besser und die Wunden sind fast abgeschwollen,“ sagt der Vater erleichtert. „ Aber wir kamen uns für blöd verkauft vor und waren sauer ohne Ende.“

„Eltern empfinden die Erkrankung oder Verletzung ihres Kindes oft als wesentlich schlimmer, als sie aus rein medizinischer Sicht ist“, erklärt Susanne Schimke. Aber auch der Doberaner Klinikchef Uwe Borchmann rät, immer zu prüfen, ob die Situation des Kindes den Weg in die Universitätsmedizin Rostock zulässt. Oder wenn möglich, am besten den eigenen Kinderarzt aufsuchen.

Meyer Cora

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