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Bad Doberan Ende von Dawanda: Dämpfer für die Bastel-Profis
Mecklenburg Bad Doberan Ende von Dawanda: Dämpfer für die Bastel-Profis
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00:00 12.07.2018
Sylvia Friedrich und Javier Ricardo Lopez Padilla überlegen, wie sie die fehlenden Einnahmen für ihre Töpferwerkstatt ausgleichen. Quelle: Foto: Privat
Rostock

Für Rostocks Kreativszene ist es ein herber Schlag: Dawanda, die Internet-Verkaufsplattform für Selbstgebasteltes aller Art, stellt in ein paar Wochen den Betrieb ein. Betroffen sind mindestens ein Dutzend Kunsthandwerker, Nähgeschäfte, Goldschmiede und andere aus der Hansestadt und Umgebung: So viele lassen sich durch Suchen auf der Webseite und Nachfragen finden. Es dürften aber noch weitaus mehr sein, sagt Dawanda-Sprecherin Wenke Heuts. Eine genauere Zahl der Rostocker Dawanda-Shops kann aber auch sie nicht nennen.

Weil die Plattform vom Netz geht, verdienen Rostocks Kreative weniger Geld

Etsy übernimmt

9,5 Prozent Provision vom Umsatz müssen Verkäufer an die Plattform Dawanda abtreten. Hinzu kommen Einstellgebühren, und Kosten für Anzeigen. Dawanda stellt Ende August den Betrieb ein. Offiziell wegen gescheiterter Expansionpläne. Die 70 000 Händler übernimmt im Zuge eines Deals der einstige Konkurrent Etsy.

„Für viele ist Dawanda die Existenzgrundlage“, sagt Sylvia Friedrich. Die 37-Jährige betreibt mit ihrem Mann Javier Lopez Padilla (36) seit drei Jahren den Shop „Sylvi und Tano“ bei Dawanda. Sie verkauft selbstgemachten Schmuck aus Gold und Silber, er Tassen, Becher und Schalen aus der gemeinsamen Töpferwerkstatt in der Langen Straße. Der Familienbetrieb, das Paar hat drei Kinder, wirbt auf der Plattform auch für Töpferkurse. 30 Prozent ihres Umsatzes machen sie über Dawanda, sagt Sylvia Friedrich. Dass diese Einnahmen bald wegfallen, sei schmerzlich.

Die 2006 gegründete Handelsplattform war unangefochtener Marktführer im deutschsprachigen Raum im stark wachsenden Markt für Do-It-Yourself-Produkte. Vor zwei Wochen teilte die Firma mit, dass die Seite zum 30. August abgeschaltet wird. Es sei kein finanzstarker Partner für die nötige globale Expansion gefunden worden, damit fehle die Zukunftsperspektive, sagte Gründerin Claudia Helming dem Spiegel. Gut 70000 Händler gibt es auf der Plattform, deren gesamter Jahresumsatz betrug 2013 mehr als 100 Millionen Euro. Dawanda selbst machte fast immer Verluste. Die 150 Mitarbeiter werden entlassen, Händler sollen ohne viel Aufwand mit ihren Shops zur größeren Plattform Etsy wechseln können, heißt es. Das US-Unternehmen diente Dawanda einst als Vorbild.

Viele Rostocker Händler sind skeptisch, was Etsy betrifft, obwohl ein Großteil von ihnen dort längst vertreten ist. Zu unübersichtlich und zu anonym gehe es da zu. „Dawanda ist netter und persönlicher“, sagt Ilka Parey. Die 43-jährige Rostockerin verkauft bedruckte Tassen, Kerzen und Kissen – auch bei Dawanda. Am meisten gefragt sind ihre Wandtattoos – großflächige Aufkleber für Innenräume mit Stadtsilhouetten, Kinderzimmermotiven und Motiven nach Wunsch. Seit 2007 stellt sie Wandtattoos her, damals war sie eine der Ersten. Zwei Jahre später eröffnete Parey ihren Dawanda-Shop. „Wir machen da nur einen kleinen Teil unseres Umsatzes“, sagt die Unternehmerin. Wirtschaftlich sei das Ende der Plattform keine Tragödie für sie. Ilka Parey hat in der Wismarschen Straße ihre Werkstatt mit eigenem Laden. Sie beschäftigt zwölf Mitarbeiter, darunter Grafiker für die Druckmotive. Die eigenen Internetshops und andere Webseiten bringen viele Aufträge rein. Ein nicht kleiner Teil von Ilka Pareys Familie ist ebenfalls im Wandtattoogeschäft tätig. „Wir sind streng genommen Konkurrenten“, sagt Schwägerin Kathleen Parey (39) die mit Martin Parey (41) im Fischereihafen eine Werbeagentur betreibt, die unter anderem Segel bedruckt. Und unter dem Namen „Wandtattoo und Loft“ ebenfalls dekorativ Bedrucktes verkauft. „Dawanda macht zehn Prozent unseres Umsatzes aus. Wenn das wegfällt, müssen wir keine Leute entlassen“, sagt Kathleen Parey. Ihr Betrieb beschäftigt zehn Mitarbeiter. Noch ein Verwandter von Ilka Parey verkauft in Rostock Bedrucktes:

Ihr Bruder Karsten Parey unter dem Namen „stinkandstands“.

„Wir sind alle sehr verärgert“, sagt Andrea Schulze (50). Die Warnemünderin kennt viele andere Händler. In ihrer „Tuchhandlung“ verkauft sie Stoffe. 800 bis 1000 Euro hat sie im Monat an die Berliner gezahlt – Provision pro verkauftem Artikel, Einstellgebühren und vor allem für teure Anzeigen, um bei Suchanfragen auf der Dawanda-Seite oben zu landen. Erst im März hatte Andreas Schulze bei einer Messe in Hamburg Weiterbildungskurse von Dawanda besucht – alles schien bestens zu laufen. Dann kam die Nachricht vom Aus. „Wir fühlen uns total verklappert“, sagt sie. Nun setzt sie auf ihre eigene Webseite und den vergrößerten Laden in der Heinrich-Heine-Straße. Aber Dawanda vermisse sie jetzt schon – trotz des Ärgers.

Gerald Kleine Wördemann

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