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Ernte gut, Stimmung schlecht: Bauern fühlen sich am Pranger

Bad Doberan Ernte gut, Stimmung schlecht: Bauern fühlen sich am Pranger

Immer weniger Bauern wollen sich öffentlich zu ihrer wichtigen Arbeit äußern, weil sie sich immer öfter gegen Vorverurteilungen und Beschimpfungen wehren müssen.

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Dunkle Wolken mit Symbolcharakter: Trotz der Erträge auf Vorjahresniveau ist die Stimmung der Bauern eher getrübt.

Quelle: Klaus Walter

Bad Doberan. Die Getreideernte ist beendet. Die Bauern im Altlandkreis Bad Doberan, dem Einzugsgebiet des Bauernverbandes Bad Doberan, sind „zufrieden“, wie es Verbandsgeschäftsführer Detlef Lindemann formuliert. Trotz der widrigen Bedingungen — ein später Start im kalten Frühjahr und eine lange Trockenperiode im Sommer — haben die Erträge das Vorjahresniveau erreicht.

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Verbraucher geben vor, was und wie die Landwirtschaft produziert.“ Detlef Lindemann, Bauernverband Doberan

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Weniger zufrieden ist Lindemann jedoch mit den scheinbar immer stärker werdenden öffentlichen Angriffen gegen die moderne Landwirtschaft im Verbandsgebiet. „Einheimische und Touristen freuen sich über blühenden Raps, goldene Getreidefelder und gepflegte Dörfer“, sagt Lindemann. „Trotzdem gelten diejenigen, die diese Kulturlandschaft prägen, oftmals nur als Umweltsünder, Tierquäler, Luft- und Wasserverschmutzer. Das passt nicht zusammen.“

Gerste und Raps brachten Lindemann zufolge gute oder zufriedenstellende Erträge, ein paar qualitative Abstriche gebe es beim Weizen. „Der Eiweißgehalt ist geringer als sonst“, erläutert Lindemann.

Zwar sei mehr geerntet worden als erwartet, doch die Mengen haben Verlust beim Erlös nicht wettmachen können. Ernte, Bodenbearbeitung und Aussaat für das kommende Jahr seien aber insgesamt gut und ohne größere Probleme gelaufen. Lindemann: „Nur die Trockenheit bei der Aussaat war nicht optimal.“ Dafür sei der Regen zu Wochenbeginn sehr willkommen; jetzt könnten die Saaten keimen.

Die Tierproduzenten hätten mehr Probleme. Der Aufwuchs im Grünland sei infolge der Trockenheit nur gering gewesen, das bedeute weniger Menge und Qualität beim Futter für den Winter. Der Milchpreis sei mit 36 Cent je Liter derzeit stabil, reiche aber immer noch nicht aus.

Lindemann: „Wenn wir Ställe und Anlagen nicht auf Verschleiß fahren und Mitarbeiter gut bezahlen wollen, brauchen wir diesen positiven Trend.“ Die Preise für Schweinefleisch seien derzeit ebenfalls „zufriedenstellend“.

Der im Allgemeinen „positiven Lage“ stehe jedoch ein immer größer werdendes Problem im Ansehen des Berufsstandes gegenüber. Immer häufiger müssten sich Landwirte in den Medien und in der Öffentlichkeit gegen Angriffe wehren, die in der modernen Landwirtschaf keinerlei Grundlage hätten. Massentierhaltung, Gewässerverschmutzung, Tierquälerei seien die Schlagworte einer Diskussion, die schon beinahe kampagnenhaft gegen die Bauern geführt werde.

Trotzdem dürfe die konventionelle Landwirtschaft nicht verteufelt werden, argumentiert Lindemann. „Nährstoffeinträge in Gewässer — das alles wird einzig und allein der Landwirtschaft zugerechnet, nicht aber den Menschen, die in derselben Umwelt leben“, argumentiert Lindemann.

Dabei seien Düngemittel extrem teuer, kein Landwirt könne es sich schon rein finanziell leisten, mehr als nötig davon auf den Acker zu streuen. „Die Böden werden ständig untersucht, die verfügbaren Nährstoffen ermittelt, und es darf nur soviel gedüngt werden, wie die Pflanzen aufnehmen können“, erläutert der Verbandsgeschäftsführer. All das werde durch die wohl strengsten Vorschriften in der Wirtschaft überhaupt ständig kontrolliert und überwacht. Lindemann: „Wer hier Fehlentscheidungen trifft, für den wird es richtig teuer.“

Der Bauerverband setze auf Transparenz, sagt Lindemann. Jeder Kritiker könne sich in den Mitgliedsbetrieben des Bauernverbandes jederzeit über die Arbeit auf den Feldern oder die Haltungsbedingungen für die Tiere informieren. Leider täten das ausgerechnet die Kritiker nicht oder viel zu wenig.

„Letztlich geben die Kunden in den Geschäften vor, was und wie die Landwirtschaft produziert“, sagt Lindemann. „Wenn billig produziertes Fleisch in den Kühltruhen liegenbleiben und nicht mehr gekauft würde, dann wird es auch nicht mehr produziert werden.“ Genauso sei es mit der teureren Bio-Ware: Produziert werde genauso soviel, wie auch Nachfrage herrsche und gekauft wird.

„Landwirte“, sagt Lindemann, „wollen nur ihre Arbeit machen und davon leben können.“

Landwirtschaft im Gebiet des Bauernverbandes Doberan
95 284 Hektar Landwirtschaftliche Nutzfläche gibt es im Einzugsgebiet des Bauernverbandes Bad Doberan, identisch mit dem alten Landkreis Doberan. 75 695 Hektar davon sind Ackerland.

34 Prozent der Ackerfläche, das sind 25 727 Hektar, wurde in diesem Jahr mit Weizen bestellt. Roggen hatte nur einen Flächenanteil von 1,7 Prozent.

28 Prozent der Fläche, das sind 21 570 Hektar, diente dem Rapsanbau.

432 Landwirtschaftsbetriebe gibt es im Altkreis Doberan. Zwei Drittel widmen sich der Tierhaltung. Es gibt 54 Milchbetriebe, 49 Schweine- und 45 Schafhalter. Durchschnittlich bewirtschaften die Betriebe 227 Hektar, 25 aber 1000 Hektar oder mehr.

 

Klaus Walter

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