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Bad Doberan Erntefazit in Mecklenburg: Nasses Wetter sorgt für Sorgenfalten
Mecklenburg Bad Doberan Erntefazit in Mecklenburg: Nasses Wetter sorgt für Sorgenfalten
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02:20 30.11.2017
Bad Doberan

Die Norika GmbH steckt in diesen Tagen auf einem Schlag nahe Altenhagen noch in der Ernte von Stärkekartoffeln: „Die nassen Löcher machen uns zu schaffen. Wir haben extra leichtere Roder rangeholt, die auch eine eigene Triebachse haben, damit sie halt eben hier nicht nur noch absaufen“, erklärt der Kröpeliner Betriebsleiter Burkhard Stubbe zum Geschehen auf dem teilweise total durchnässten Acker. Normalerweise werden hier die Roder auschließlich von Treckern gezogen. „Wir haben noch zwei andere Schläge, etwa 70 Hektar groß . . .“, blickt der 47-Jährige etwas besorgt voraus und sagt: „Wir arbeiten, bis der Frost kommt.“ Dadurch, dass es immer wieder geregnet hätte, „quasi alle drei vier Tage“, habe man von Anbeginn der Ernte nicht die Leistung geschafft, die man eigentlich erreichen wollte. „Wir haben in diesem Jahr schon etwa 900 Liter Regen gehabt, in einem normalen Jahr sind es etwa 600“, ergänzt Burkhard Stubbe: „Die Böden sind einfach so satt“.

Die Norika GmbH steckt in diesen Tagen auf einem Schlag nahe Altenhagen noch in der Ernte von Stärkekartoffeln: „Die nassen Löcher machen uns zu schaffen.

Flächen sind nur schwer befahrbar

Der Vorstandsvorsitzende des Bauernverbandes Bad Doberan, Volker Bredenkamp, erläutert: „Ich sehe bei uns in der Gegend noch vereinzelt Mais, Kartoffeln und auch Rüben. Es wird jetzt natürlich versucht, noch alles zu bergen, was da ist. Die Frage ist, in welcher Qualität – das ist die nächste Sorge, die die Bauern haben. Und natürlich die besonders klebrigen Erdanhaftungen sind ein Problem bei Kartoffeln und Rüben. Das muss ja alles gereinigt werden, bevor es weiterverarbeitet werden kann. Auch der Mais, der jetzt noch steht, hat natürlich nicht die Qualität, die er haben müsste. Da sind schon Nährstoffe verloren gegangen.“ Hinzu kam den ganzen Herbst über, auch viel im Sommer, die schlechte Befahrbarkeit der Flächen. Das ging bereits im Juli mit der Gerstenernte los und hat sich wie ein roter Faden bis jetzt durchgezogen. Ständig Regen, immer wieder – und die Böden sind so gesättigt, dass sie auch die Maschinen nicht mehr tragen können. Deshalb musste oft teure Zusatztechnik gefahren werden, wie Raupenlaufwerke und Zwillingsräder. Es wurde viel freigeschleppt und vorgespannt – die Schäden, die dadurch in den Böden entstanden sind, beeinträchtigen auch noch die nächste Ernte, möglicherweise auch die übernächste: Ja, der Boden vergisst nicht, der hat auch ein Gedächtnis. Bodenverdichtungen brechen nicht von allein wieder auf. Durch tiefgehenden Frost könnte es glücken, dass einige Verdichtungen wieder aufgebrochen werden. Aber ansonsten bleiben diese Verdichtungen bestehen.

Für die Verbraucher seien keine Versorgungsengpässe oder höhere Preise zu befürchten, weil es anderswo auf der Welt auch gute Bedingungen und reiche Ernten gegeben hätte. Das brächte den heimischen Landwirten allerdings nun auch noch schlechte Verkaufspreise: „Durch den Welthandel ist es jetzt ja billiger, eine Fuhre Weizen quer über den Atlantik zu schippern als einmal durch Deutschland“, so Volker Bredenkamp.

Qualität hat durch das nasse Wetter gelitten

Jeese in Nordwestmecklenburg: Mit einem Kärcher wäscht Frank Timm die Karosserie seines grünen Traktors. Beim Landwirt aus Jeese südwestlich von Grevesmühlen steht wie bei vielen anderen die Reinigung der Maschinen an. Es pfeift ein knackiger, kalter Wind durch seine Werkhalle. „Es ist dieses Jahr recht spät geworden“, sagt er. Doch die Verzögerung passt zu 2017, in dem längst nicht alles gepasst hat für ihn und weitere Landwirte im Land. Timm bewirtschaftet unweit der Autobahn 20 rund 300 Hektar Ackerfläche. Er baut Getreide, Raps und Zuckerrüben an. Doch in diesem Jahr war der Ertrag nicht besonders gut. „Es war eigentlich eine durchschnittliche Ernte“, relativiert er. Allerdings habe die Qualität der Ernte in diesem Jahr gelitten. Und die bestimme den Preis. „Da fehlen schnell einige tausend Euro“, deutet der 48-Jährige an. Das Wetter hat den Bauern in den zurückliegenden Monaten erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Seit der Wende habe Timm noch nie ein so nasses Jahr erlebt. Sommer und Herbst seien verregnet gewesen. Der Raps sei bereits das zweite Jahr in Folge schlecht gelaufen. „Wir waren froh, dass wir noch alle Felder bestellen konnten“, so der Landwirt, der auf seinen Flächen mit schwerem, lehmigem Boden zu kämpfen hat. Das Wintergetreide konnten viele andere nicht mehr säen, weil sie es nicht in den Boden bekommen haben, erklärt der Bauer aus Jeese. Stattdessen müssten viele auf Sommergetreide umschwenken. Die Folge: Das Saatgut wird knapp.

Zeitfenster fürs Dreschen war diesmal sehr klein

Eine Ausnahmesituation – so beschreibt Christine Tönnsen vom Landwirtschaftsbetrieb Hof Redentin das Erntejahr 2017. „Die Ernte war unterdurchschnittlich, noch nicht katastrophal, aber sehr schwierig für viele Landwirte“, betont sie. Weil es im Sommer so viel und so stark geregnet hat, seien die Zeitfenster zum Dreschen sehr klein gewesen. „Bei uns hat alles noch relativ gut geklappt, bei den Nachbarn war es durchaus schwieriger“, sagt Christine Tönnsen – auch, weil es im Herbst weiter geregnet hat. Viele konnten so die neue Aussaat nicht in die Böden bringen.

Die Folge: Viele Felder sind auch jetzt noch nicht bestellt. „Wer jetzt noch kein Wintergetreide aussäen konnte, schafft es nun auch nicht mehr“, macht die Expertin deutlich. Ein weiteres Problem:

Durch diese Ausnahmesituation habe der Landhandel häufig kein Saatgut mehr vorrätig. Zudem hatten die Bauern auch bei ihrer schlechten Ernte höhere Kosten – zum Beispiel zur Trocknung des Getreides. Auch für das kommende Jahr sieht Christine Tönnsen durch die schlechte Ernte und Aussaat nun Probleme: „Für manche ist es das dritte schlechte Jahr in Folge.“ Landwirte seien eben vom Wetter abhängig.

Die Papendorfer Agrargenossenschaft hat jetzt alles vom Acker. „Die Rübenernte haben wir in der letzten Woche beendet“, sagt Agrarchef Steven Hirschberg. „Nur noch raus und fertig“, sei das Motto gewesen.

„Praktisch vom Roder auf den Lkw, denn in dieser Woche hatten wir den Abholtermin der Rüben für die Zuckerfabrik Anklam", erklärt der Landwirt. Das Problem war das Wetter. „Die Böden sind total durchnässt, die Hänger sind uns auf dem Schlag weggebrochen, mussten entladen und mit schwerer Technik vom Acker gezogen werden“, schildert Hirschberg Ernteszenen.

Papendorfer denken an „Vertragshaferanbau“

Zurückgeblieben sei eine „Schlammwüste“, ein schlimmer „Kollateralschaden am Boden“, der noch länger nachwirken werde. Auf rund 40 Hektar könne er nun keinen Winterweizen einbringen, die umsatzstärkste Frucht für die Bauern. Hirschberg sucht nach Alternativen und denkt an „Vertragshaferanbau“. Bislang bauen die Papendorfer Hafer als Vermehrungsfrucht an. „Jetzt bin ich mit Müsliherstellern im Gespräch, um mehr Hafer ernten und gut verkaufen zu können.“

Für die Bauern im Kreis sei dies nun „schon das zweite Durstjahr in Folge“, ärgert sich Hirschberg. Die Erträge vom Acker seien noch geringer als 2016.

Kohlschotenmücke

Bei der Rapsernte setzte den Landwirten in MV dieses Jahr ein Insekt gehörig zu: die Kohlschotenmücke. Sie ist in allen Rapsanbaugebieten verbreitet. Ihre wurmähnlichen Larven leben in den Schoten von Raps und anderen Kreuzblütengewächsen. Sie überwintern als Puppe im Boden vorjähriger Rapsfelder. Im Mai schlüpft die Mücke. Sobald Schoten gebildet werden, legen die Weibchen Eier ab.

Ein Befall lässt Schoten vorzeitig aufplatzen. Dadurch fallen Samenkörner raus. Die geschlüpften Larven fressen die Schoten zudem teils komplett auf. Laut Kreisbauernverband Nordwestmecklenburg liege der Verlust bei der Rapsernte durch die Insekten bei 20 bis 30 Prozent.

Michaela Krohn, Doris Deutsch, Thomas Hoppe und Da

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