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Bad Doberan Erster Weltkrieg: 100 Jahre nach dem Schrecken
Mecklenburg Bad Doberan Erster Weltkrieg: 100 Jahre nach dem Schrecken
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16:00 06.11.2018
Eva Firzlaff erarbeitete Radioreportagen die unter die Haut gehen. Sie handeln vom Kriegsgeschehen des Ersten Weltkrieges in Belgien. Auf dem Bildschirm sind Stationen ihrer Reise zu sehen. Quelle: Sabine Hügelland
Bad Doberan

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) endetet am 11. November vor 100 Jahren. Die Radio-Journalistin und Vorstandsvorsitzende des Kunstvereins Roter Pavillon Eva Firzlaff nimmt das zum Anlass, um eine besondere Lesung anzubieten. Sie war für Reportagen in und um Ypern und in Nord-Jütland unterwegs, am 11. November wird sie deshalb ab 17 Uhr über „Ypern, Verdun, Skagerrak… 100 Jahre nach dem Schrecken“ sprechen.

In Ypsen wurde erstmals Giftgas eingesetzt

Mitglieder des Kunstvereins lesen Texte. Die beiden Reportagen, die nach Eva Firzlaffs Reise entstanden, werden zu hören sein und Fotos liegen aus. Die Künstlerin Lisa Poetzsch suchte in den Dörfern unserer Region Grab- und Gedenksteine für Gefallene des Ersten Weltkriegs und lässt deren Geschichten lebendig werden. Der Eintritt ist frei.

Ypern ist eine Stadt mit um die 35 000 Einwohnern in Belgien. „Wer dort vom großen Krieg spricht, meint immer den Ersten. Der hatte sich in Westflandern über vier Jahre festgefressen und damit in die Köpfe eingebrannt. Bis heute“, sagt Eva Firzlaff. Sie erkundete mit dem Fahrrad und ihrem Mann Westhoek, die Gegend zwischen Ypern, Diksmuide und Nieuwpoort an der Nordsee. Heraus kamen zwei Reportagen, die still werden lassen. Die eindringlich, gut recherchiert und dennoch undramatisch darstellen, was damals geschah und was die Menschen dort heute noch bewegt. Denn in Ypern setzten die Deutschen erstmals Senfgas ein, das auch als Giftgas bekannt ist. Niemand war darauf vorbereitet. Alles wurde zerstört, die Toten waren kaum zu zählen.

Geschichten, die so noch keiner erzählt hat

Wie nah ist Eva Firzlaff die Geschichte gegangen? „Ich habe selbst zwei erwachsene Söhne, einer ist Offizier bei der Bundeswehr. In Ypern und am Skagerrak dachte ich auch an die Familien, die gefallenen Jungs, viele frisch von der Schule, hätten ja auch meine sein können.“ Eva Firzlaff schreibt eigentlich Reiseberichte, jedoch sucht sie sich immer Gegenden aus, wo sie über Geschichten berichten kann, die so noch niemand erzählte. „Es ist verblüffend, wenn man übers Land fährt und immer noch Schützengräben und Bunker entdeckt.“ Sie wusste, das muss unter die Leute und begab sich tief in die Geschichte, in alte Wunden hinein.

Nicht immer, blieben ihre Augen dabei trocken. Vor allem, als sie Kriegspost – von Schauspielern vorgelesen – zu hören bekam. Das ging unter die Haut. „In den wieder errichteten Tuchhallen in Ypern ist jetzt das In Flanders Fields Museum. Hier geht es nicht um den Verlauf des Krieges. Es geht um die Menschen und wie sie den Krieg erlebt haben“, sagt sie. Rund um Ypern führt die Friedensroute zu Friedhöfen und Schauplätzen des Krieges. „Ypern selbst war nur ein Trümmerhaufen, von dem Churchill sagte: Zaun drum und liegen lassen.“

Keine Helden oder Sieger, alle sind Opfer

Doch die Stadt wurden wurde so aufgebaut, wie sie vor dem Krieg war – mit dem Charme des 17. Jahrhunderts. Anstelle eines früheren Stadttores steht ein Gedenktor mit 45 000 Namen von vermissten gefallenen britischen Soldaten. „Jedes englische Schulkind muss mindestens einmal in Ypern gewesen sein, doch bei uns ist das eher unbekannt“, so die Doberanerin. „Auf einer großen Wiese liegen in langen Reihen unendlich viele graue Steinplatten mit jeweils 20 Namen. An einer Seite die Skulpturen von Käthe Kollwitz „Das trauernde Elternpaar“, berichtet sie. Die Mutter gebeugt, in Gram versunken, trägt die Züge von Käthe Kollwitz. Auf einer der Platten steht der Name ihres Sohnes Peter.

Es handelt sich um den Deutschen Soldatenfriedhof Vladslo nahe Diksmuide. „In Thyborön (Jütland) richtete ein Taucher mit den Schiffsresten, die er fand, das Sea War Museum ein, welches vor drei Jahren eröffnete.“ Vor der dänischen Nordsee-Küste tobte die Schlacht am Skagerrak, die als größte Seeschlacht der Weltgeschichte gilt. „Im Museum gibt es keine Helden oder Sieger, alle sind Opfer“, sagt Eva Firzlaff.

Sabine Hügelland

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