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Bad Doberan Eva Hesse zu Gast auf Gut Groß Siemen
Mecklenburg Bad Doberan Eva Hesse zu Gast auf Gut Groß Siemen
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00:02 13.07.2018

Es ist Zeit weiterzuziehen. „Mein Herz ist nicht mehr dort“, sagt Eva Hesse und meint die südliche Toskana, wo sie seit 2005 lebt. Sie geht ihren eigenen Weg und lässt sich von niemanden aufhalten. Nächste Haltestelle: Basel in der Schweiz.

Eva Hesse wird in Groß Siemen Texte ihres Großvaters Hermann Hesse und eigene Gedichte lesen. Quelle: Foto: S. Hügelland

Eva Hesse trägt einen großen Namen – ihr Großvater ist der weltberühmte Schriftsteller Hermann Hesse (1877 – 1962). Jetzt bereiste sie erstmals Mecklenburg-Vorpommern und liest am 13. Juli ab 19 Uhr auf Einladung der Familie Schütte in der Orangerie des Gutshauses in Groß Siemen aus den Werken ihres Großvaters und aus eigenen Stücken: Texte von Glück, Sommer und Garten. Zur Lesung wird sie auf Wunsch auch eigene Gedichte vortragen. CDs mit Texten von Hermann Hesse und ihren Kurztexten wird sie ebenso dabei haben wie von ihr illustrierte Karten.

Eva Hesse wurde 1943 geboren und ist Malerin und Autorin. Vielleicht wäre sie auch Tänzerin geworden, hätte sie sich in jungen Jahren dazu entschieden, diesen Weg weiterzugehen. Doch es gab da auch andere Talente. Auch fremde Länder und Kulturen sollten ihr nicht verborgen bleiben: Eva Hesse liebt das Reisen. Sie ist Weltenbummlerin und Naturmensch.

Als sie volljährig war, verbrachte sie ein Jahr in Israel im Kibbuz. Von dort holte ihre Mutter sie „aus dem verrückten Leben“ zurück. Am Roten Meer hatte sie im Sand gelebt, an der Hippie-Hochburg.

Doch sie selbst sei kein Hippie gewesen, erzählt sie. Sie lebte in Indien und Griechenland, verarbeitete Eindrücke in Farbe und Schrift, in Hörbüchern und einem Lyrikbüchlein: Bilder und Texte aus dem Leben, dem Herzen, der Sehnsucht. In Aquarelltechnik. „Das geht spontan und schnell“, sagt die Künstlerin.

In Italien sei ihr das Daheim-Gefühl abhanden gekommen, erzählt sie. Basel, dort wo ihre Wurzeln sind, wo auch ihr Vater und Hermann Hesse einst lebte, dahin möchte Eva Hesse jetzt ziehen.

Früher besaß sie eine Galerie und eine Leihbibliothek im umgebauten Pferdestall in Italien. Doch das Grundstück liegt zu einsam, nur wenige finden den Weg dorthin.

Eva Hesse liebt Tiere. Sie sei ein Katzenfan, wie auch ihr Großvater. Im Alter ist ihr klar geworden, dass sie überhaupt viel mit ihrem Großvater gemeinsam hat. Auch sie brauche das Alleinsein. Viele ihrer Hunde und Katzen leben nicht mehr. Auch das sei ein Zeichen, neu zu beginnen.

Von Basel aus wäre sie schnell in Deutschland, hofft sie. Denn ihre Lesungen, die sie seit gut 30 Jahren anbietet, möchte Eva Hesse auch von ihrer neuen Wahlheimat aus weiterführen. Die finden meistens in Ausstellungen ihrer eigenen Bilder statt, Malerei, überwiegend abstrakt. „Die Lesungen passen gut zu den Bildern“, sagt Eva Hesse.

Eva Hesse las schon früher aus einem Buch über Hermann Hesses Beobachtungen seiner Aquarellmalerei. „Ich bin ja keine Schauspielerin und besitze einen Schweizer Akzent. Das ist eben echt und nicht gekünstelt“, sagt die Künstlerin, die Authentizität ausstrahlt.

Ihr Vater war Chef-Dekorateur. Ihre Mutter eine bekannte Fotografin und Filmemacherin. Mit 17 absolvierte Eva Hesse ein Jahr auf einer Schule für Gestaltung. Ihre Aufnahmemappe für die gewerbliche Kunstschule in Zürich zeigte sie ihrem Großvater, dem sie an Geburtstagen stets ein selbst gemaltes Blumenbild schickte. „Du hast Talent, aber die Kunst ist ein hartes Pflaster“, urteilte er. „Aber lerne erst einmal etwas Rechtes“, fügte er hinzu. „Wenn du dann mit der Malerei Erfolg hast, kannst du das andere beenden.“ Erst in seinen letzten Lebensjahren hatte die Enkelin viel Kontakt zu ihrem Großvater. Er sei kein Familienmensch gewesen, und seine dritte Frau habe die Enkelkinder nicht gemocht, erinnert sich Eva Hesse.

Letztendlich entschied sie sich, als Filmcutterin beim Schweizer Fernsehen zu arbeiten. Eigentlich wollte sie Regieassistentin werden, doch in der Schweiz war diese Industrie damals noch nicht ausgereift. „Deshalb freut es mich, dass einer meiner beiden Söhne Regisseur geworden ist“, sagt sie. Während ihrer Ehe besaß sie ein Atelier für Batikkunst, gab Kurse und gründete mit anderen Müttern eine Kita. Tierschutz und allgemein-politische Belange seien ihr wichtig. Sie spendet viel für den guten Zweck, kümmerte sich in Zürich um Asylanten. Frei von Angst, so beschreibt sie sich, „so muss ich wohl sein“. Frei ist sie gern. Frei, das zu tun, wofür ihr Herz schlägt.

Lesung: 13. Juli, 19 Uhr, Groß Siemen

Sabine Hügelland

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