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Bad Doberan Fachkräftemangel trifft selbst die Kirche
Mecklenburg Bad Doberan Fachkräftemangel trifft selbst die Kirche
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05:57 09.03.2018

Der demografische Wandel wirkt sich zunehmend auf die Arbeitswelt aus. Doch nicht nur die freie Wirtschaft leidet unter dem damit einhergehenden Fachkräftemangel, auch die Kirche hat damit zu kämpfen. Im gesamten Nordkirchenbereich, der 13 Kirchenkreise von Dänemark bis Brandenburg umfasst, gehen von 2020 bis 2030 rund 900 Pastoren in Rente. Im selben Zeitraum werden aber nur etwa 300 neu dazukommen. Eine Entwicklung, die auch in Mecklenburg deutlich zu spüren ist.

Wulf Schünemann, Propst in Rostock, hat die Entwicklung der Pastorenstellen genau im Blick. In der Hansestadt und im Landkreis gehen bis 2030 vermutlich 25 von 64 Pastoren in den Ruhestand. Quelle: Foto: Christina Milbrandt

Schuld ist der demografische Wandel

In der Hansestadt und im Landkreis Rostock gehen bis 2030 voraussichtlich etwa 25 der aktuell 64 Pastoren in den Ruhestand, sagt Propst Wulf Schünemann. Ähnlich drängend ist die Lage im Bereich der Propstei Wismar. Dort kommen in den nächsten zehn Jahren etwa 20 Pastoren ins Ruhestandsalter oder nähern sich diesem, informiert Christian Meyer, Sprecher des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Mecklenburg.

Die Gründe sind laut Meyer tatsächlich nicht in der Kirche selbst zu suchen. Vielmehr handele es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem, verursacht durch die geburtenschwachen Jahrgänge, die auf die geburtenstarken folgen. „So gesehen kann man nicht von einem Mangel sprechen, sondern die Zahl an möglichen Seelsorgern ist auf Grund objektiver Gründe beschränkter als in den Vorjahren“, betont Meyer.

Nordkirche wirbt aktiv für Nachwuchs

Doch auch wenn die Zahlen alarmierend klingen, überraschend kommen sie nicht. So hat die Nordkirche bereits 2012 – und damit laut Meyer früher als andere Landeskirchen – reagiert und ist die Nachwuchsgewinnung aktiv angegangen. Unter anderem wurden zusätzliche Vikarkurse zur Ausbildung von Pastoren eingerichtet.

Zudem hat die Kirchenkreissynode Mecklenburg im Herbst 2016 eine neue Stellenplanung für die Jahre ab 2019 bis 2023 beschlossen. Darin ist die Einbeziehung von allen kirchlichen Berufsgruppen als ein Mittel vorgesehen, den Rückgang der Pastoren auszugleichen. Demnach werden die Aufgaben auch auf Gemeindepädagogen, Diakone, Kirchenmusiker, Küster sowie Verwaltungsmitarbeiter und weitere Assistenzstellen verteilt. Deren Stellenanteil soll gegenüber dem Anteil der Pfarrstellen um etwa zehn Prozent erhöht werden.

Im ländlichen Bereich der Propstei Rostock ist dieser Prozess bereits im Gange, sagt Schünemann. Fünf Pfarrstellen seien schon in Gemeindepädagogenstellen umgewandelt, darunter unter anderem die Kirchengemeinden Bernitt-Neukirchen, Jördenstorf-Belitz und Marlow-Blankenhagen. „Die jeweiligen Pastoren und Gemeindepädagogen bringen sich mit ihren besonderen Qualifikationen in die neu gebildeten kleinen Teams ein“, sagt der Propst.

Für Wismar sieht der neue Stellenplan künftig 41,5 Vollzeit-Pastorenstellen vor – das sind acht weniger als jetzt noch. Durch Teilzeitstellen können dann insgesamt aber mehr Personen beschäftigt sein, sagt Meyer.

Strukturwandel auch bei der katholischen Kirche

Dieser Strukturwandel ist nicht nur symptomatisch für den evangelisch-lutherischen Kirchenkreis. Auch die katholische Kirche bereitet sich mit neuen Einsatzplänen auf die Folgen des demografischen Wandels vor. Die Priester sollen von Ordensmännern, Ordensschwestern, Gemeinde- und Pastoralreferenten unterstützt werden. „Sie können die Seelsorge allein nicht mehr leisten“, sagt Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums Hamburg, zu dem auch die 17 Pfarreien in Mecklenburg gehören.

Insgesamt 24 katholische Priester gibt es in Mecklenburg, wie viele davon in den kommenden Jahren in Rente gehen, ist laut Nielen nicht eindeutig messbar. „Es gibt kein festgelegtes Rentenalter“, erklärt er. So könne ein Priester schon mit 65 Jahren, allerdings mit Begründung, in den Ruhestand gehen. Fest definiert ist aber das Höchstalter: Mit 75 Jahren ist für Priester endgültig Schluss.

Ein Schritt: Pfarreien zusammenlegen

Dass es in der nächsten Dekade knapp wird mit Nachrückern ist aber auch ohne konkrete Zahlen klar, sagt Nielen. Die Ursache dafür kann neben dem demographischen Wandel auch in der besonderen Lebensform der Priester gesehen werden, sagt Nielen.

Zur Entspannung der Lage sollen auch die sogenannten Pastoralen Räume beitragen. Das Konzept: Mehrere Pfarreien bilden eine neue große. Dadurch soll die Verwaltung schlanker werden, die Gemeinden aber bleiben bestehen. „Das ist sicher ein langer Prozess. Aber wir können den Weg nicht anders gehen“, sagt Nielen.

Etwas Ähnliches hat auch der evangelisch-lutherische Kirchenkreis vor. So soll es möglich werden, Pfarrstellen nicht nur einzelnen Gemeinden, sondern Regionen zuzuordnen. Entsprechende Erfahrungen sollen noch ausgewertet werden, sagt Christian Meyer.

Kirchenkreis Mecklenburg ist flächenmäßig am größten

Die Nordkirche reicht vom südlichen Dänemark über die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Einige Gemeinden liegen auch in Brandenburg. 1700 Pastoren gibt es derzeit im gesamten Nordkirchen-Bereich.

Der Kirchenkreis Mecklenburg ist der flächenmäßig größte Kreis der Nordkirche. Er gliedert sich in die vier Propsteien Rostock, Wismar, Parchim und Neustrelitz. Im Kirchenkreis Mecklenburg sind derzeit insgesamt 211 Pastoren tätig, davon 194 in den 250 Kirchengemeinden.

Die Propstei Rostock gliedert sich in die fünf Kirchenregionen Bad Doberan, Güstrow, Mecklenburgische Schweiz, Ribnitz/Sanitz sowie Rostock mit insgesamt 80 Kirchengemeinden und der Studierendengemeinde Rostock.

Die Propstei Wismar gliedert sich in die sechs Kirchenregionen Gadebusch, Grevesmühlen, SchwerinLand, Schwerin-Stadt, Sternberg und Wismar mit insgesamt 69 Kirchengemeinden, davon sind 30 in Pfarrsprengeln verbunden.

Zum Erzbistum Hamburg gehören die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und der Landesteil Mecklenburg von Mecklenburg-Vorpommern. Es umfasst insgesamt 63 Pfarreien – 17 davon liegen in Mecklenburg.

Christina Milbrandt

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