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Bad Doberan Feriengäste im Wohngebiet unerwünscht
Mecklenburg Bad Doberan Feriengäste im Wohngebiet unerwünscht
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00:23 09.05.2018
Die dörfliche Idylle trügt. Im Wohngebiet „Am Dorfteich“ in Steffenshagen entzweit der Streit um Ferienvermietung die Bewohner. Quelle: Foto: Rolf Barkhorn
Steffenshagen

Feriengäste sind in der Wohnsiedlung „Am Dorfteich“ in Steffenshagen künftig nicht mehr willkommen. Dieses deutliche Signal ging am Montagabend von der Sitzung der Gemeindevertretung aus. Den Antrag einer Hausbesitzerin, den Bebauungsplan so zu ändern, dass im Wohngebiet die Vermietung an Urlauber als sogenanntes „untergeordnetes“ Wohnen rechtssicher zugelassen wird, lehnte die Vertretung mehrheitlich ab. Bürgermeister Georg Endmann stimmte als Einziger für den Änderungsentwurf.

Gemeindevertretung in Steffenshagen stimmt mehrheitlich gegen B-Plan-Änderung am Dorfteich

Für Antragstellerin Sylvia Schönbeck brach am Montagabend ihre Zukunftsplanung zusammen. Sie hatte auf eine Zustimmung gehofft. Denn die Duldungsfrist für ihr Gewerbe zur Vermietung von zwei Ferienwohnungen im eigenen Haus ist mit dem Beschluss am Montag ausgelaufen. „Ich bin sehr enttäuscht über die Entscheidung der Gemeindevertretung. Es geht doch nur um drei Monate im Jahr. Und deshalb wird so ein Theater gemacht“, sagt Sylvia Schönbeck.

Im Jahr 2001, bevor sie überhaupt angefangen hatte zu bauen, sei ihr vom Bürgermeister mündlich gestattet worden, Ferienwohnungen in ihrem Neubau unterzubringen.“ Die Vermietung hat die Steffenshägerin dann sogar als Gewerbe angemeldet. Was ihr aber nun nichts mehr nützt, weil der weiter bestehende Bebauungsplan jegliches Gewerbe ausschließt.

Schon das Erscheinen von etwa 20 Bürgern zur Sitzung am Montagabend war ein Zeichen für das öffentliche Interesse an diesem Thema. Als der Tagesordnungspunkt an die Reihe kam, wurde dann auch deutlich, dass sich beim Thema Ferienwohnungen in Steffenshagen die Befürworter und Gegner unversöhnlich gegenüber stehen.

Zwar war den Einwohnern in der Debatte zum Änderungsentwurf gar nicht das Wort erteilt worden. Aber unter den Zuschauern entbrannte trotzdem ein leidenschaftlich und lauter, aber nicht immer sachlich geführter Streit über die Sinnhaftigkeit einer solchen B-Plan-Änderung. Ein Bewohner erklärte, dass sein Bruder im gemeinsamen Haus dauerhaft wohne, er selbst aber die eigene Wohnung nicht ständig nutze und sie gern auch mal anderen überlassen möchte. Daran sei doch nichts Verwerfliches. Andere wiederum beklagten sich über lärmende und rasende Urlauber im Wohngebiet, deren Verhalten sich auch durch die Vermieter „kaum steuern“ ließe. „Ich habe dort gebaut, weil mir gesagt wurde, dass ich an Urlauber vermieten darf“, kam von der einen Seite. „Wir haben hier gebaut, weil wir in Ruhe wohnen wollen und der Bebauungsplan von Anfang an keine Ferienbetten zugelassen hat“, argumentierten andere.

Bürgermeister Georg Endmann war anzumerken, wie unangenehm ihm die Situation war. Er bestätigte auch, dass die Gemeinde bei der Anlage des Baugebietes nichts gegen eine Ferienvermietung hatte. „Mit einem Gerichtsurteil des Oberverwaltungsgerichtes Greifswald hat sich die Lage aber geändert“, erklärte Endmann. „Jetzt müssen wir entscheiden, was wir zulassen wollen. Aber egal, wie wir uns entscheiden, wird es am Ende Gewinner und Verlierer geben – das gehört zur Demokratie.“

Endmann schlug vor, den Beschluss noch mal zu vertagen. Doch das lehnten die anderen Vertreter ab. Sie sahen keinen weiteren Diskussionsbedarf und schufen mit ihrem Beschluss neue Tatsachen.

Rolf Barkhorn

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