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Bad Doberan Fisch-Sterben im Hellbach: Angler laufen Sturm
Mecklenburg Bad Doberan Fisch-Sterben im Hellbach: Angler laufen Sturm
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16:57 08.01.2019
Der treppenförmige Hellbach-Fischaufstieg reichert das Wasser mit Sauerstoff an. Quelle: Dietrich Grunzig
Neubukow

Tonnenweise tote Fische im gesamten Bett des Hellbachs, auf einer Länge von mehr als sieben Kilometern zwischen Neubukow und dem Salzhaff – Anfang Dezember 2018 sorgte ein massiver Gülle-Eintrag über einen Regenwasserkanal in den Panzower Bach für eine große Umwelt-Katastrophe. Im Fokus der Kritik: die Neubukower Schweinemastanlage am Stellwerk. Meerforellen, die Bäuche voller Laich, „sprangen verzweifelt nach Luft schnappend aus der dunkelbraunen und schäumenden Brühe, andere Fische zuckten nur noch und weitere waren bereits tot im Schilf angeschwemmt,“ berichteten entsetzte Angler dem Landesanglerverband (LAV) in Görslow.

Der auch als gesetzlich anerkannte Naturschutz-Organisation fungierende Verband stellte bei Wasserproben hohe fischtötende Ammoniak-Belastungen fest und erstattete jetzt Anzeige. „Wir behalten uns vor, Schadenersatz geltend zu machen“, macht LAV-Geschäftsführer Axel Pipping deutlich. Indessen kritisierte auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Landesverband Mecklenburg Vorpommern Aufsichtsbehörden, vom „Irrweg industrieller Massentierhaltung“ nicht abzulassen. Sie könne nicht mit Verantwortung für Umwelt und Tier praktiziert werden, erklärte etwa Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag: „Die Havarie in Neubukow zeigt außerdem, dass Tierhaltung in der Masse unbeherrschbar ist.“

Angler registrierten Anfang Dezember 2018 rund um die Hellbachbrücke viele tote Fische. Quelle: Thomas Hoppe

Naturschützer sehen Landesregierung der Pflicht

Darauf verweist aktuell ebenfalls Dr. Andreas Schwienhorst von der Bund-Ortsgruppe Salzhaff-Rerik in einem offenen Brief an Umweltminister Till Backhaus (SPD): „An der Gülle-Tragödie von Neubukow trägt auch die Landesregierung eine Mitverantwortung“. Die Naturschützer aus der Region fordern unter anderem eine sofortige Stilllegung der Neubukower Schweinemastanlage sowie aller Mastanlagen im Land, die potenziell Gewässer und Biotope gefährden könnten. Sie pochen darauf, dass das Ministerium neue Mastanlagen in MV nicht mehr genehmigt.

„Über die aufgetretene Gewässerverunreinigung wurde das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt informiert“ sagt Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt MV. „Als Ursache wurde dem Stalu der offensichtlich nicht sachgerechte Umgang mit der am Standort gelagerten Gülle im Anlagenbetrieb benannt.“

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien nach Kenntnis des Ministeriums die Staatsanwaltschaft, die Wasserschutzpolizeiinspektion sowie die zuständige untere Wasserbehörde des Landkreises Rostock in weiterführende Untersuchungen und Ermittlungen zur Aufklärung des Vorgangs involviert, so Klaußner-Ziebarth. „Es besteht ein Verdacht gegen die Betreiber der Schweinemastanlage“, bestätigt Harald Nowack, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Rostock. „Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.“

In Bezug auf den Gülleeintrag in den Panzower Bach habe das Stalu am 4. Dezember 2018 eine Sonderprobe im Hellbach in Buschmühlen veranlasst, sagt Klaußner-Ziebarth: „Also unterhalb der Einleitung des Panzower Baches, in dem am 3. Dezember das Fischsterben auftrat.“ Die Analysen hätten in diesem Bereich eine massive Beeinträchtigung der Gewässerqualität ausgewiesen und damit eine gravierende Abwasserzuleitung bestätigt.

Umweltministerium: Kein weiterer Handlungsbedarf

Demgegenüber seien die Sauerstoffverhältnisse, die in erster Linie für Fischsterben verantwortlich zeichnen, im gesamten Fließverlauf von der Einleitstelle im Panzower Bach bis zur Mündung des Hellbaches in Teßmannsdorf wieder in Ordnung gewesen, betont die Ministeriums-Sprecherin: „Die Gefahr weiteren Fischsterbens war offenkundig nicht mehr gegeben, es bestand kein weiterer Handlungsbedarf.“

„Die Gefahr weiteren Fischsterbens war offenkundig nicht mehr gegeben, es bestand kein weiterer Handlungsbedarf.“ Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Quelle: Cornelius Kettler

Zudem werde der Hellbach in Teßmannsdorf im Rahmen des Landesmessnetzes monatlich in seiner Gewässerqualität untersucht, erklärt Eva Klaußner-Ziebarth: „Die Ergebnisse vom 14. Dezember 2018 bewegen sich wieder im normalen Schwankungsbereich der bisherigen Messwerte – eine darüber hinaus gehende Beeinträchtigung konnte nicht mehr festgestellt werden.“ Somit habe sich aus Gewässersicht auch weiterhin kein Handlungsbedarf ergeben: „Es bleibt aber anzumerken, dass durch derartige Havarien die Gewässerbiozönose nicht nur temporär stark geschädigt wird.“

Schweinemastanlage unter regelmäßiger Kontrolle

Im Übrigen habe das Stalu als zuständige Genehmigungs- und Überwachungsbehörde der Schweinemastanlage Neubukow im September 2018 den aktuellen Anlagenzustand und -betrieb überprüft, so Klaußner-Ziebarth: „Dabei wurde unter anderem die zuständige untere Wasserbehörde des Landkreises Rostock hinzugezogen, um die Einhaltung der wasserrechtlichen Vorgaben – auch in Bezug auf den Umgang mit der Gülle und den Anforderungen der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen – am Standort zu prüfen.“ Im Rahmen dieser Vor-Ort-Kontrolle seien aus immissionsschutzrechtlicher Sicht keine Abweichungen vom bestimmungsgemäßen Betrieb der Schweinemastanlage festgestellt worden.

Fischfreunde in der Region sind dennoch in Alarmbereitschaft: Als „Schweinerei hoch drei“ bezeichnet etwa Fischermeister und Meerforellenzüchter Werner Loch aus Hohen Sprenz den laxen Umgang mit Gülle – von der jeder wisse, wie giftig sie besonders für Lebewesen sei, die auf sauberes Wasser angewiesen sind: „Mir erstarrte fast das Blut in den Adern, als ich von der Vergiftung der Salmoniden im Hellbach hörte.“ Loch zieht amtlich und wissenschaftlich jährlich Millionen Meerforellen-Setzlinge für heimische Gewässer auf.

Lennart Plottke/Dietrich Grunzig

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