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Bad Doberan Gefahr am Molli-Übergang Wittenbeck?
Mecklenburg Bad Doberan Gefahr am Molli-Übergang Wittenbeck?
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11:13 12.06.2018
Vor der Wittenbecker Steilküste fährt der Molli über einen unbeschrankten Bahnübergang. Die Flächen davor und dahinter werden als Wohnmobil-Stellplatz genutzt. Quelle: Werner Lutz
Wittenbeck

Der tragische Unfall vom 30. Mai ist noch immer in aller Munde. Ein Zug der Kleinbahn Molli – unterwegs Richtung Kühlungsborn – war auf dem unbeschrankten Bahnübergang Fulgen im ländlichen Außenbereich in Kühlungsborn Ost mit einem Traktor kollidiert. Die Lok riss das Fahrzeug mehrere Meter mit. Der Trecker-Fahrer wurde dabei lebensgefährlich verletzt.

Tiefe Betroffenheit über das tragische Geschehen gibt es auch in der benachbarten Gemeinde Wittenbeck – und die Sorge, dass auch dort so etwas passieren könnte. Denn auch dort fährt der Molli über einen unbeschrankten Bahnübergang – der allerdings sehr viel stärker befahren wird: vor dem Wohnmobil- und Caravan-Stellplatz an der Steilküste.

Der bisher ziemlich provisorische Stellplatz soll vermutlich schon im kommenden Jahr ausgebaut werden – mit einer Kapazität für 200 Fahrzeuge und zeitgemäßer Infrastruktur. Der Bebauungsplan soll demnächst von der Gemeindevertretung beschlossen und zur Satzung erhoben werden. Der Abwägungsbeschluss, in dem die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange und betroffener Bürger bewertet wurden, erfolgte bereits. Parallel dazu wollen Gemeindevertretung, Amt Bad Doberan-Land und Investor noch in dieser Woche über den städtebaulichen Vertrag und den damit im Zusammenhang stehenden Erschließungsvertrag sprechen.

Wittenbecker sehen Gefahr

„Die Gleisanlage durchtrennt den Campingpark, was zur Folge hat, dass fast bei allen Bewegungen wie An- und Abreise, Gang zu den Sanitäranlagen und zum Versorgungsgebäude und zum Strand eine hohe Anzahl von Querungen am ungesicherten Bahnübergang anfällt. Durch diese Situation ist ein erneuter Unfall schon fast vorprogrammiert“, schreibt Susanne Baumeister aus Wittenbeck im Namen des Vereins „Wir für hier“. „Unerklärlich ist es für mich, dass am nur wenige 100 Meter vom Unfallort entfernten Bahnübergang Haltepunkt Steilküste in Wittenbeck das Gefahrenpotential nicht wahrgenommen wird. Dort, wo sich hauptsächlich Nicht-Einheimische aufhalten, ist ein Unfall fast schon vorprogrammiert. Wohnmobilfahrer rangieren ihre Fahrzeuge im Gleisbereich. Die meisten Besucher des Wohnmobilplatzes sind Ortsfremde und wissen oft nicht, dass der Haltepunkt Steilküste ein Bedarfshalt ist, der Zug also auch ohne zu halten durchfahren kann“, schreibt die Wittenbeckerin Ute Klingbiel.In beiden Leser-Zuschriften wird die Frage aufgeworfen, ob es sinnvoll ist, angesichts dieser latenten Gefahrensituation dort überhaupt einen Wohnmobil-Stellplatz zu betreiben beziehungsweise auszubauen.

Bei Verkehrszunahme wird Situation am Bahnübergang neu bewertet

Molli-Geschäftsführer Michael Mißlitz sagt dazu: „Auch wir stehen immer noch unter dem Eindruck des tragischen Unfalls und unsere Gedanken sind oft bei dem Verunglückten. Aber grundsätzlich gilt: Alle unsere Bahnübergänge sind nach den hohen Standards des Eisenbahngesetzes und weiterer Verordnungen sicher.“ Diese Sicherheit werde unter anderem durch drei betriebsinterne Inspektionen aller Übergänge jährlich und alle zwei bis vier Jahre durch Verkehrsschauen auf den Bahnübergängen gewährleistet, bei denen auch der Landkreis, die Polizei und die Landeseisenbahn-Aufsicht dabei seien.Ändere sich beispielsweise die Verkehrsstärke durch Straßenfahrzeuge auf einem Bahnübergang, werde zudem sofort durch Sonderschauen die Situation neu bewertet und es werden Maßnahmen ergriffen.

„Bei der momentanen Verkehrsstärke am Bahnübergang Wittenbeck Steilküste ist das noch nicht zu erkennen. Das kann sich aber nach dem Ausbau des Wohnmobilstellplatzes ändern“, sagt Mißlitz. Daher habe der Molli bei der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange am B-Plan auch klar formuliert, dass in diesem Fall durch den Eigentümer beziehungsweise Nutznießer der Straße, die die Molli-Schienen quert, der Bau einer Schrankenanlage bezahlt werden muss.

„Das ist richtig“, bestätigt Bürgermeister Dirk Stübs (parteilos), der den Investor in der Pflicht sieht. Auch diese Problematik werde bei der künftigen Diskussion um den städtebaulichen Vertrag zum Bauvorhaben ein Thema sein.

Platzbetreiber und Investor Hans Magnus von Brandenstein glaubt nicht, dass es nach dem Ausbau zu einem erhöhten Verkehr auf dem Bahnübergang kommt. „Eher im Gegenteil. Wir werden den Pkw-Verkehr aus der Fläche hinterm Bahnübergang herausnehmen und die gesamte Entsorgung findet davor statt“, sagt er.

Lutz Werner

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