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Bad Doberan Genug vom lauten Disco-Krach: Kühlungsbornerin zeigt Stadt an
Mecklenburg Bad Doberan Genug vom lauten Disco-Krach: Kühlungsbornerin zeigt Stadt an
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13:34 05.12.2017
Kühlungsborn

Noch ist alles gut. Noch kann Roswitha Schielke nachts ruhig schlafen. Spätestens zur Saison dürfte es damit aber wieder vorbei sein. Das jedenfalls fürchtet die 59-Jährige schon jetzt. Sie wohnt an der Doberaner Straße in Kühlungsborn, gleich gegenüber der Bar und Discothek „39 Grad“. Und wenn der Laden im Sommer wieder öffnet, so Schielke, wird es laut: „Dann können wir keine Nacht durchschlafen.“ Weil sie sich vom Rathaus des Ostseebades im Stich gelassen fühlt, hat sie nun sogar Bürgermeister Rainer Karl (parteilos) angezeigt — und das Verwaltungsgericht in Schwerin eingeschaltet. Rathaus und Betreiber halten dagegen: Es gäbe strenge Auflage für das „39 Grad“ — und die würden auch eingehalten.

Seit genau 35 Jahren lebt Roswitha Schielke in ihrem kleinen Häuschen nicht weit vom Bahnhof Ost. „Wir haben das Haus damals gekauft, saniert und ausgebaut.“ Und 30 Jahre gab es auch keine Probleme. „Der Verkehr auf der Straße ist kaum zu hören. Der stört uns nicht.“ Doch seit 2008 — als aus dem ehemaligen Billardcafé ein Partyclub wurde — sei es vorbei mit dem „kleinen Paradies“, wie sie ihr Zuhause liebevoll nennt. Laute Musik aus der Bar, wummernde Bässe, knallende Taxi-Türen, Geschrei und Gegröle auf der Straße: „Das ist unerträglich, das grenzt langsam an Körperverletzung“, sagt Schielke. Ihr Heim aufgeben — das kommt für die couragierte zweifache Mutter nicht in Frage. Schon vor Jahren hatte sie beim Innenministerium in Schwerin Beschwerde gegen Bürgermeister Karl eingereicht. Ohne Folgen. Auch die Anzeige — wegen Unterlassung — brachte bisher nichts. „Wir brauchen Hilfe von den Behörden. Doch die unternehmen nichts.“

Stimmt nicht, hält Bürgermeister Rainer Karl dagegen. „Das Thema beschäftigt uns nun schon seit fünf Jahren“, sagt er. Auch er bestätigt den juristischen Ärger mit der Anwohnerin. Aber: Die Stadt habe dem Betreiber hohe Auflagen für die Bar erteilt. „Und die kontrollieren wir regelmäßig, mehrmals im Jahr. Aber wir können da nicht rund um die Uhr einen Posten abstellen.“ So müssten alle Gäste zum Beispiel durch eine „Schleuse“: „Erst wenn die Außentür wieder zu ist, darf die Zwischentür geöffnet werden. Damit kein Lärm nach außen dringt“, so Karl. Und in Schielkes Richtung sagt er: „Sie wohnt mitten im Ort. Da ist es nunmal nicht so ruhig wie im Wald.“

Auch die Polizei bestätigt, dass sie sich schon mehrfach mit dem Ärger über Disco-Lärm befasst habe: „Wir waren 2012 gleich mehrfach nachts dort. Doch wir können keine Lärm-Messung vornehmen. Das muss das Ordnungsamt machen“, sagt Gert Frahm, Sprecher der Polizeiinspektion in Güstrow.

Der Betreiber des „39 Grad“, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, schüttelt über die empörte Anwohnerin nur den Kopf: „Sie zeigt seit Jahren alles und jeden an.“ Er versteht den Ärger nicht: „Kein anderer Laden in Kühlungsborn muss so hohe Auflagen erfüllen wie wir.“ Und auch wenn an der Bar ein „Zu vermieten“-Schild hängt: Zur Saison will er den Club wieder öffnen. Für Roswitha Schielke sind das keine gute Nachrichten.

Lauter als ein Staubsauger
2008 hat die Bar und Diskothek „39 Grad“ an der Doberaner Straße in Kühlungsborn eröffnet. Sie hat 55 Plätze. Zuvor war in dem Geschäftshaus ein Billardcafé.
80 Dezibel — lauter darf der Lärm der Disko nicht sein. Zum Vergleich: Ein Staubsauger in einem Meter Entfernung kommt auf 70 Dezibel.

Andreas Meyer

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