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Bad Doberan Grimme-Preisträger schrieb neue Komödie
Mecklenburg Bad Doberan Grimme-Preisträger schrieb neue Komödie
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14:40 30.11.2018
Bert Koß – ein erfolgreicher Unternehmer und Drehbuchautor sowie Fahrradfan vor einem Henning-Wagenbreth-Druck, der in seiner Firma hängt. Quelle: Thomas Hoppe
Klein Siemen

Ihr Vater hat seit 50 Jahren keine Rolle in ihrem Leben gespielt, da die drei Geschwister glaubten, er sei irgendwo in Argentinien verschollen. Entsprechend sprachlos sind sie, als er mittellos, ohne Rentenanspruch und Krankenversicherung, mit nichts als seiner Zahnbürste im Gepäck, plötzlich vor ihnen steht. Der Plan, ihn im Sozialamt, im Altenheim oder an einer Autobahnraststätte abzuladen, geht nicht auf und so zieht der Mann schließlich von einer Wohnung seiner Kinder zur nächsten und bringt dabei deren Partnerschaften und Berufe ganz gehörig durcheinander.

Gerade erst ist diese neue Fernsehkomödie fertiggedreht worden - und wer hat sie erfunden? Michael Hofmann aus Berlin und Bert Koß aus Klein Siemen.

Der Wahlmecklenburger ist schon lange als Drehbuchautor gefragt. Seiner ZDF-TV-Premiere mit „Irren ist sexy“ (2005) folgten auf Arte „Der geköpfte Hahn“ (2007), „Hinter Kaifeck“ (Kinostart 2009), „Keiner geht verloren“ (ARD, 2010) und schließlich „Zuckersand“ (ARD, 2017). Gleich im Aufführungsjahr erhielt dieser Streifen den von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten gestifteten „Bernd Burgemeister Fernsehpreis“ und den 3sat-Zuschauerpreis, in diesem Jahr folgte gar der renommierte Grimme-Preis in der Kategorie „Fiktion“.

„Uns Zuschauer beflügelt die Erkenntnis, dass in der DDR-Vergangenheit noch viele Geschichten schlummern, die wir gerne auf dem Qualitätsniveau von ,Zuckersand’ erzählt bekommen wollen“, heißt es in der Grimme-Preis-Jury-Begründung.

„Das ging für mich über zwei bis drei Jahre. Die Grundidee stammt von Dirk Kummer. Er war jedoch mit dem Drehbuch lange nicht weitergekommen. So habe ich schließlich wieder von vorn angefangen und Dirk war nah dran, was den Plot (das Handlungsgerüst, d. A.) betrifft“, erzählt Bert Koß zum Werdegang des preisgekrönten Buchs.

Im Film geht es um zwei zehnjährige Freunde, die in den 1970er Jahren der DDR zunächst eine fröhliche und behütete Kindheit nahe der deutsch-deutschen Grenze verleben, wie es Dirk Kummer auf seiner Internetseite beschreibt. Als bekannt wird, dass eine Mutter der Jungen einen Ausreiseantrag gestellt hat, begreifen die Freunde, dass sie bald für immer getrennt sein werden. Doch sie hoffen sich irgendwann in Australien wieder zu treffen – verbunden durch einen Tunnel, den sie bereits in den märkischen „Zuckersand“ zu graben versuchen. Aber letztlich begräbt in diesem Drama der Zuckersand die unbeschwerte Kindheit unter sich (Die Zeit).

1999 war der an der Humboldt-Universität ausgebildete Theaterwissenschaftler, der in Berlin auch seinen Baufacharbeiter mit Abitur gemacht hatte, mit seiner Familie nach Klein Siemen gekommen. „Eigentlich waren hier die schön gelegenen Gutshäuser im Umkreis von 100 Kilometern alle schon vergeben. Auch Willy Gerdel, der damalige Bürgermeister von Altenhagen, hatte unser heutiges Haus in Klein Siemen schon dreimal verkauft. Zweimal wurde es nicht bezahlt, der dritte Käufer war schließlich ein Hochstapler gewesen“, erzählt Bert Koß, wie er in den heutigen Ortsteil von Kröpelin kam. Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau übernahm der Mann 2006 ihren Posten als Chef der Rostocker „Becker & Partner Baugesellschaft mbH“. Heute sagt er zwar nichts vom „Deutschen Estrichpreis“, den seine Firma 2016 vom Bundesverband Estrich und Belag in Trier bekam, aber auf OZ-Nachfrage nennt er immerhin den neuen Fußboden in Rostocks Stadthalle und im Biotech-Unternehmen Centogene am Strande quasi als Referenzobjekte aller 37 Mitarbeiter.

Wie schafft er diesen Spagat zwischen Kunst und Wirtschaft?

„Ich schreibe an den Wochenenden sowie über Weihnachten und habe mein Fahrradfahren stark eingeschränkt. So fuhr ich dieses Jahr gar keine Rennen“, lautet die Antwort. Normalerweise nehme er zum Beispiel in Berlin und Hamburg an „Jedermann-Rennen“ teil – doch jetzt würden bereits „die nächsten zwei Drehbuch-Sachen“ vorliegen. Trotz allem sind der gebürtige Thüringer und seine Frau auch im Dorf aktiv. Erst kürzlich ist in ihrem Gutshaus ein alljährlicher Ball übers Parkett gegangen, der im nächsten Jahr bereits seine zehnte Auflage erleben wird. „Da werden wir etwas reformieren müssen, damit wieder Pep reinkommt – es war zu routiniert“, sagt dazu der Vorsitzende des Vereins „Klein Siemen e.V.“, Bert Koß.

Thomas Hoppe

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