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Bad Doberan Grüne attackieren Edeka-Neubau
Mecklenburg Bad Doberan Grüne attackieren Edeka-Neubau
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00:05 09.02.2018
Hans-Joachim Ollhoff (li.) und Mario Hoffmann erklärten das Edeka-Vorhaben gestern auf dem künftigen Baugrundstück. Quelle: Fotos: Lutz Werner
Kühlungsborn

Der Ortsverband der Grünen im Ostseebad Kühlungsborn und die Ortsgruppe Bad Doberan und Umland des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) laufen Sturm gegen den Neubau des Edeka-Marktes in Kühlungsborn West an der Reriker Straße. Er soll in eine feuchte, naturbelassene Wiesen- und Buschlandschaft hinter dem jetzigen Markt hineingebaut werden. Nach dem Bau soll der bestehende Markt abgerissen werden, um zusätzliche Parkfläche zu schaffen.

Vorhaben „nicht rechtssicher umsetzbar“ / Betreiber und Bauausschuss-Chef halten dagegen

In einer Kampfabstimmung – mit 9:6 Stimmen – billigte die Stadtvertretung Anfang Dezember das Vorhaben grundsätzlich und fasste für den Vorentwurf des Bebauungsplans einen Entwurfs- und Auslegungsbeschluss. Bis Ende März kann der B-Plan Nr. 50 „Sondergebiet Nahversorgung an der Reriker Straße“ jetzt im Rathaus eingesehen werden. Es können Stellungnahmen dazu abgegeben werden – von Trägern öffentlicher Belange, Behörden, Verbänden, Privatpersonen. Dann erfolgt die Abwägung und die Stadtvertretung wird beschließen, ob sie den Vorentwurf des B-Plans zu gültigem Recht erhebt, auf dessen Grundlage der Investor die Baugenehmigung beantragen kann – oder auch nicht.

Grüne und BUND kommen in ihren Stellungnahmen zum B-Plan, die sie jetzt öffentlich machten, zu einem eindeutig negativen Ergebnis: Sie lehnen das Vorhaben ab. Bei den Grünen liest sich das so:

„Insgesamt weist der jetzige B-Plan-Entwurf und seine Unterlagen erhebliche Mängel, Schwächen und Fehler auf und ist somit nicht rechtssicher umsetzbar.“ Ähnlich wird es vom BUND formuliert. Die Grünen und der Umweltschutzverband kritisieren massiv die Lage des Baugrundstücks, das aus ihrer Sicht ein schützenswertes Feuchtbiotop mit einem jungen Waldbestand und einem Fließgewässer – dem Dorfbach – ist, das zudem vor ein paar Jahren aufwendig renaturiert wurde. Es soll für das Bauvorhaben verrohrt werden. Das verstoße gegen das Verschlechterungsverbot von Fließgewässern, heißt es in den „neun starken Gründen“ der Grünen gegen das Vorhaben, unterzeichnet von Sprecher Matthias Oberwalder.

Unzureichende Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in das Biotop – sollte es zum Bau kommen, Rechtsmängel im B-Plan-Entwurf und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen sind weitere Argumente. Beim B-Plan-Entwurf wurde zudem das Einzelhandels- und Zentren-Konzept von Kühlungsborn falsch interpretiert: Eine Versorgungslücke sei im Ortsteil West nicht erkennbar. Mithin sei das Vorhaben auch deshalb völlig überflüssig, heißt es sinngemäß in beiden Stellungnahmen – beim BUND und bei den Grünen. Und wenn schon gebaut werden muss, dann auf dem vorhandenen Grundstück. Dazu solle platzsparend aus dem jetzigen Flachbau ein zweigeschossiger Markt mit Parkdeck werden – ohne Eingriffe in die Natur dahinter, schlagen die Grünen vor.

Mario Hoffmann, der Edeka-Betreiber und künftige Bauherr, hält dagegen. Ein zweistöckiger Lebensmittel-Markt mit Parkdeck obendrauf sei „eine aberwitzige Vorstellung“. Solche Bauwerke mit mehreren Ebenen – darüber gebe es gesicherte Erkenntnisse – würden von Kunden nicht angenommen werden. Im Einzelhandel habe sich in den vergangenen 15 Jahren viel getan, besonders bei den Ansprüchen an Vollsortimenter wie Edeka. „Bio-Sortiment, Veganer-Produkte, hochwertiges Regionales von nebenan und vieles mehr müssen nicht nur irgendwie untergebracht, sondern auch in ausreichender Menge ansprechend präsentiert werden. Das geht auf der jetzt vorhandenen Fläche von 809 Quadratmetern einfach nicht“, so Hoffmann. „Nicht bei uns und nicht bei Mitbewerbern, die schon erweitert haben.“

Ein ganz wichtiges Argument für ihn: „Der Einzelhandel mit lebendigen Menschen – Kunden und Verkaufspersonal – kann gegenüber dem fortschreitenden Online-Handel nur konkurrenzfähig bleiben, wenn eben dieses Einkaufen auch ein wenig zum Erlebnis wird.“

Hans-Joachim Ollhoff (HGV), der Vorsitzende des Bauausschusses, ist ein Unterstützer des Edeka-Neubaus. „Bei mehreren Begehungen wurden auf dem künftigen Baugrundstück keine schützenswerten Arten gefunden. Und der Bach wird – nach künftigen Baumaßnahmen zur Regenentwässerung im Ortsteil West – bald ohnehin nur ein Rinnsal sein“, sagt er. Sicher ist jetzt schon: Nach der Abwägung der Einwände wird es in der Stadtvertretung – voraussichtlich im Mai – wieder eine Kampfabstimmung geben.

1500 Quadratmeter Verkaufsfläche soll der neue Edeka-Markt haben. Genug, um das umfangreiche Sortiment ansprechend zu präsentieren. Und noch in dem Größenbereich, der die Sonntagsöffnung im Rahmen der Bäderregelung ermöglicht. Der bestehende Markt, der abgerissen werden soll, ist 809 Quadratmeter groß.

120Parkplätze soll es vor dem neuen Edeka-Markt geben. Bisher sind dort 68 Stellplätze. Oft wird der Parkraum knapp.

Lutz Werner

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