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Hagemeister: Hier wird vieles blockiert

Börgerende Hagemeister: Hier wird vieles blockiert

Zu wenig Unterstützung bei dringenden Bauprojekten: Börgerendes Bürgermeister kritisiert Land und Landkreis scharf

Börgerende. Größerer Hort, neue Buswendeschleife, mögliche Glasfaserversorgung, erweitertes Gemeindezentrum mit Freizeitbereich – in Börgerende-Rethwisch stehen jede Menge Bauprojekte an. Wenn es nach Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos) geht, sollten einige Vorhaben längst angepackt werden – doch Land und Landkreis würden der Gemeinde immer wieder Steine in den Weg legen.

 

OZ-Bild

Der Schuh drückt in vielen Gemeinden – es ist für mich absolut unverständ- lich, warum man bei den Hort-Erwei- terungen so langatmig rangeht.Horst Hagemeister Bürgermeister Börgerende-Rethwisch

Vor der Conventer Schule in Rethwisch rennen regelmäßig Kinder kreuz und quer über die Straße, der Bus kommt wegen illegal parkender Autos kaum durch – warum geht es beim geplanten Bau einer größeren Buswendeschleife nicht voran?

Horst Hagemeister: Unter anderem deshalb, weil das Landesamt für Straßenbau und Verkehr plötzlich der Meinung ist, dass die Schleife auf der falschen Seite geplant ist. Dabei laufen die Kinder sowieso von der Schule über die Straße, um etwa zur Turnhalle zu kommen. Abgesehen davon, dass wir auf der anderen Straßenseite als Gemeinde überhaupt kein Land haben. Und wer verkauft schon Flächen, um sich damit den Verkehr vor die Tür zu holen – das ist unrealistisch.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Wir sind schon in Vorleistung gegangen, haben Land gekauft und einen Bebauungsplan aufgestellt – ich hoffe, dass es hier endlich eine Entscheidung gibt. Denn dass wir was tun müssen, ist klar:

Eine Verkehrszählung hat jetzt ergeben, dass auf der Schulstraße an einigen Tagen bis zu 4000 Autos fahren. Vielleicht denkt man im Kreis ja auch über eine Verkehrsberuhigung nach.

Auch die dringend notwendige Hort-Erweiterung verläuft eher schleppend . . .

Eigentlich wollten wir schon in diesem Jahr bauen. Und obwohl der Bedarf offensichtlich riesengroß ist, bekommen wir die schriftliche Bestätigung vom Landkreis nicht, weil zunächst die Personalsituation in allen Einrichtungen untersucht werden soll. Das dauert bis September, Oktober – und wir müssen jetzt erstmal auf in Aussicht gestellte Fördermittel verzichten.

Ist das Geld damit endgültig weg?

Nein – im Herbst könnten uns Gelder in ähnlicher Höhe zur Verfügung stehen. Deshalb laufen die Planungen für eine Erweiterung parallel weiter. Der Schuh drückt in vielen Gemeinden – es ist für mich absolut unverständlich, warum man da so langatmig rangeht.

Apropos Kinder: Mit Blick auf die Kita-Gebühren sind Sie auf die Landesregierung nicht wirklich gut zu sprechen . . .

Aus meiner Sicht hat die SPD ihr Wahlversprechen nicht eingehalten. Die damalige Sozialministerin Birgit Hesse hat beim Städte- und Gemeindetag ganz klar gesagt, dass die Kita-Gebühren stufenweise abgeschafft werden. Das Gegenteil ist passiert: Bei uns ist es sogar noch teurer geworden. Viele junge Leute glauben noch an das Gute – und sind jetzt schwer enttäuscht. Und es ist auch zu einfach, sich nur hinter dem Koalitionspartner zu verstecken und zu sagen, dass der SPD damit die Hände gebunden sind. Da muss mehr kommen.

Ein großes Problem war in den vergangenen Wochen auch der Rad- und Wanderweg zwischen Börgerende und Nienhagen – nach Küstenabbrüchen mussten Abschnitte gesperrt werden. Ist hier eine Lösung in Sicht?

Es geht um den Europäischen Radweg E9 – ein Unding, in welchem Zustand der teilweise ist. An der Küste ist tatsächlich ganz schön was abgebrochen – da gibt es an vielen Stellen überhaupt keinen Strand mehr.

Aber wie wollen Sie diesen Abbrüchen entgegenwirken?

In erster Linie ist das Land für den Küstenschutz verantwortlich. Ich höre hier immer, dass es sich um einen normalen Verlauf der Natur handelt. Doch man muss aktiv etwas dagegen tun, denn es kann auch nicht sein, dass die Abtragungen immer wieder vor der Hafeneinfahrt in Warnemünde landen und dort regelmäßig für viel Geld ausgebaggert werden müssen.

Was schlagen Sie vor?

Ob Buhnen oder Spundwände zum Schutz des Weges eine Lösung sein könnten, weiß ich nicht. Fakt ist, dass die aktuellen Absperrungen überhaupt nichts bringen. Die Leute laufen trotzdem an der Küste entlang – und irgendwann werden die Trampelpfade immer gefährlicher. Das Staatliche Amt für Umwelt und Natur hat zum Beispiel vorgeschlagen, dass man Land auf dem benachbarten Acker kaufen sollte, um den Weg dorthin umzuleiten und wieder herzurichten. Was das mit einer immer wieder geforderten Nachhaltigkeit zu tun haben soll, erschließt sich mir allerdings nicht.

Die Deutsche Glasfaser möchte in der Gemeinde für schnelles Internet sorgen. Wie stehen Sie dazu?

Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Aus meiner Sicht bringt das was – gerade für die Börgerender, wo es aktuell kaum Internet gibt. Die Deutsche Glasfaser steht auf der Matte und sagt: Wir können das – auch ohne Fördermittel. Ich bin ganz zuversichtlich, dass mindestens 40 Prozent der Haushalte überzeugt werden können.

Wie sehen die Pläne für ein neues Gemeindezentrum aus?

Die Ausschüsse haben sich jetzt für eine Variante entschieden und die Planungen freigegeben. Das Vorhaben wird in drei Bereiche unterteilt: bezahlbarer Wohnraum, Sport- und Freizeitanlagen sowie neues Gemeindezentrum mit Tourist-Info und erweitertem Museum. Noch in diesem Jahr soll ein entsprechender Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden.

Gibt es einen neuen Stand beim geplanten Forschungszentrum?

Wir warten hier auf den endgültigen Gerichtsentscheid, ob ein Bürgerentscheid zu diesem Vorhaben doch noch zulässig ist. Mehr gibt es dazu im Moment nicht zu sagen.

OZ

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