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Handwerker mussten aufgeben

Kröpelin/Ravensberg Handwerker mussten aufgeben

Schlechte Zahlungsmoral zwingt im Landkreis Unternehmen in die Knie. Sie fordern Unterstüzung durch Parteien und Staat. Doch beim Hungerstreik in Berlin lassen sich nur wenige sehen.

Kröpelin. Wie eine Epidemie haben sich in den vergangenen Jahren unseriöse Geschäftsgebahren ausgebreitet, angeführt von schlechter Zahlungsbereitschaft für erbrachte Leistungen. Besonders betroffen davon: die Handwerkerschaft. „Mein Unternehmen ist in sechs Fällen von dieser Unsitte betroffen“, klagt Uwe Boltz. Dem Firmenchef einer Bauschlosserei in Ravensberg fehlen jetzt nicht nur einige tausend Mark in der Firmenkasse. „Die Summe ist viel höher. Vertragspartner, die auf diese unehrliche Tour fahren, melden plötzlich Konkurs an und wir stehen mit leeren Händen da. Und was besonders traurig ist: Behörden oder Justizorgane, von denen wir Unternehmer in solchen Fällen Unterstützung erwarten, schauen tatenlos zu“, spricht Boltz Klartext.

Die Handwerker hier stehen mit dem Problem nicht allein; es ist in anderen ostdeutschen Bundesländern ebenso aktuell. Schon seit dem 5. Juni führen deshalb Unternehmerfrauen aus der thüringischen Handwerkerschaft vor dem BrandenburgerTor in Berlin einen Sitz- und Hungerstreik durch. Sie wollen die Politiker zum Nachdenken anregen. Dienstag waren Handwerker, Gewerbetreibende und Kleinunternehmer dort, die Streikenden zu unterstützen. Mit dabei Werner Auls (47) vom Kröpeliner Bau- und Sanierungsbetrieb und Maler Helmuth Windzio (52). Bauingenieur Werner Auls führte von 1990 bis Anfang 1995 einen eigenen Baubetrieb in Ravensberg. Elf Arbeitnehmer und drei Lehrlinge verloren im Januar 1995 ihren Arbeitsplatz, weil insgesamt neun Unternehmen der Firma Leistungen nicht bezahlten. 300 000 Mark büßte Auls so ein.

Er musste seinen Baubetrieb schließen. „Nicht ein Schuldner hat bis heute gezahlt“, klagt der Unternehmer. „Mir hängen dadurch hervorgerufene eigene Schulden wie ein Bleiklumpen am Bein“, gesteht er. Jetzt sehe er seine Rente gefährdet, und seine gesamte Familie leidet. „Ich fühle mich wie ein Mensch zweiter Klasse“, bedauert er.

Werner Auls und Helmuth Windzio wollten mit ihrem Besuch in Berlin dokumentieren: Der Sitz- und Hungerstreik wird auch im Landkreis Bad Doberan beachtet. Monika Schönemann (57) aus Schmiedefeld gehört zu den Streikenden. Bereits 25 Tage ist sie im Hungerstreik. „Ich wundere mich über die geringe Bereitschaft von Handwerker-frauen aus Mecklenburg-Vorpommern, durch diesen Streik dagegen zu kämpfen, dass ehrliche Handwerker ihre Existenz verlieren, weil sie Aufträge erhalten, die von betrügerischen Auftraggebern nie bezahlt werden“, hielt sie den beiden Kröpelinern vor. Bei den Frauen in Berlin war zurzeit auch Alois Fischer aus Waren / Müritz. Ihm schuldet ein bayerischer Investor, der 250 Millionen Mark Fördergelder für einen Klinikbau in Waren erhalten hat, 4,3 Millionen Mark.

„Wir sind wie die Frauen in Berlin sauer über die Gleichgültigkeit der Parteien und staatlichen Organe gegenüber der existenzzerstörenden Zahlungsmoral“, gestehen Boltz und Auls. Bei den Frauen am Brandenburger Tor haben sich lediglich PDS-Bundestagsabgeordnete sehen lassen. Auls gestern in Kröpelin: „Fast alle Unternehmer, die ich kenne, kämpfen mit dem Problem. Wenn Politik, Behörden, Justizorgane uns nicht helfen, müssen wir selbst aktiv werden, um die Betrugslawine im Land zu stoppen.“



KLAUS JASTER

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