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Bad Doberan Nach Schließung: Hitzige Debatte um Parkentiner Kita
Mecklenburg Bad Doberan Nach Schließung: Hitzige Debatte um Parkentiner Kita
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15:46 12.02.2019
Ist seit zwei Wochen geschlossen: die Kita "Wichtelhausen" in Parkentin. Quelle: Lennart Plottke
Parkentin

 Die geschlossene Kita „Wichtelhausen“ erregt in Parkentin weiter die Gemüter. Seit gut zwei Wochen ist die Einrichtung dicht – der Landkreis hatte dem privaten Betreiber nach einem „länger andauernden Prozess aus Beschwerden, Überprüfungen, Kontrollen, Vereinbarungen und Auflagen“ die Betriebserlaubnis entzogen.

„Es gab dort auf einen Schlag keine Erzieher mehr“, erklärte Bürgermeisterin Gabriele Kalweit (parteilos) auf der Sitzung der Gemeindevertreter am Montagabend. „Alle haben sich gleichzeitig krank schreiben lassen – eine Notbremse, weil die Frauen mit den Arbeitsbedingungen absolut unzufrieden waren.“ Aus Sicht von Yann-Christoph Collin eine „Riesen-Sauerei“: „Das ist ein ungerechtfertigter Arbeitskampf und illegaler Streik“, meint der Gemeindevertreter. „Denn kurz danach waren die Erzieher in anderen Kitas wieder im Einsatz – gab es hier eine Spontan-Heilung?“

Nach seiner Auffassung trage auch der Landkreis eine erhebliche Mitschuld an der Misere, meint Collin, der auch persönlich betroffen ist: „Meine beiden Kinder standen auch von jetzt auf gleich auf der Straße – man hätte durchaus Fachberater in die Kita schicken können, um zunächst mal eine Notbetreuung zu gewährleisten.“

Gemeinde schafft kurzfristige Notlösung

Diese Aufgabe habe die Gemeinde übernommen, machte Bürgermeisterin Kalweit deutlich – und wehrte sich gleichzeitig gegen Vorwürfe, zu spät gehandelt zu haben: „Wir haben diese katastrophale Situation entschärft und in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt Räumlichkeiten gesucht und gefunden, in denen die Kinder zumindest vorübergehend untergebracht werden können.“

„Wir haben diese katastrophale Situation entschärft und in Zusammenarbeit mit der Awo Räumlichkeiten gesucht und gefunden.“ Gabriele Kalweit, Bürgermeisterin Bartenshagen-Parkentin Quelle: Sabine Hügelland

So sei in der Doberaner Awo-Kita „Uns Windroos“ eine zusätzliche Krippengruppe für sechs Kinder aufgemacht worden, erklärte Kalweit. „Dazu hat die Gemeinde in der ,Alten Schule’ in Parkentin zwei Räume für zwölf Kita-Kinder zur Verfügung gestellt – hier gibt es auch eine Toilette und eine Küche.“ Mit Hilfe privater Sponsoren konnte innerhalb kürzester Zeit Spielzeug sowie weitere Ausstattung angeschafft werden: „Das hat alles reibungslos geklappt.“

Dennoch: „Es kann sich hier niemand hinstellen und sagen, er hätte nichts gewusst“, machte Claudia Wranik deutlich, deren Kinder im Jahr 2017 in der Parkentiner Kita untergebracht waren. „Dass es hier massive Missstände gab, war allen bekannt, auch das Jugendamt hat bestätigt, dass großer Personalmangel herrschte – gehandelt hat niemand.“ Zudem finde sie es schon befremdlich, dass die gleichen Erzieherinnen, die „dem Treiben jahrelang tatenlos zugesehen haben“, jetzt wieder Kinder betreuen würden, so Wranik: „Diese Situation ist für viele Eltern noch immer nicht befriedigend.“

Betreiber und Jugendamt in der Pflicht

Nach ihrer Kenntnis hätten die aktuellen Mitarbeiterinnen mit den Vorwürfen nichts zu tun, sagte Gabriele Kalweit: „Und man kann auch nicht sagen, dass wir nichts getan hätten – ich habe immer wieder beim Jugendamt auf Lösungen gedrängt.“ Im Übrigen müssten die Eltern Probleme in erster Linie mit dem Betreiber und im Zweifel mit dem Jugendamt klären, stellte Kalweit klar: „Wir als Gemeinde sind hier doch gar nicht zuständig.“

Bei den jetzt gefunden kurzfristigen Kompromissen handele es sich „um eine absolute Notlösung“, stellte Kalweit klar: „Denn der Schulbetrieb muss aufrecht erhalten werden – dazu brauchen wir auch die Räumlichkeiten in der ,Alten Schule’.“ Was sie in diesem Zusammenhang überhaupt nicht verstehen könne: „Wir bekommen durch das Jugendamt gerade Auflagen ohne Ende – das lasse ich mir nicht bieten.“

Gerade das Amt müsse sich jetzt bewegen und im Parkentiner Umfeld Möglichkeiten für eine dauerhafte Unterbringung der Kinder suchen, ist Kalweit überzeugt: „Es ist natürlich das Ziel, die Kita ,Wichtelhausen’ mit einem neuen Betreiber wieder zu öffnen. Das Haus gehört aber einem privaten Eigentümer – der muss mit dem alten und möglichen neuen Betreiber eine Übereinkunft finden.“ Ob und wann dies geschehe, könne sie zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht sagen, so Kalweit: „Das liegt nicht in unserer Hoheit.“

Immerhin: Zur nächsten Sitzung des Sozialausschusses sollen jetzt Vertreter des Jugendamtes eingeladen werden, um gemeinsam tragfähige Konzepte zu entwickeln – vielleicht ein möglicher Neuanfang.

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Lennart Plottke

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