Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan „Ich kam mir vor wie der letzte Depp“
Mecklenburg Bad Doberan „Ich kam mir vor wie der letzte Depp“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 19.07.2013
Die „Küstenbus“-Linie 121: Während einer Fahrt Richtung Sievershagen kam es jetzt zu lautstarken verbalen Auseinandersetzungen.
Bargeshagen

So ganz hat sie sich noch immer nicht von der Aufregung erholt. „Sowas habe ich wirklich noch nie erlebt“, sagt Barbara Kolm und atmet tief durch. Während einer Busfahrt Richtung Ostseepark Sievershagen musste sich die fast blinde Bargeshägerin jetzt übel beschimpfen und beleidigen lassen. Dabei hatte sich die 53-Jährige sehr auf den gemeinsamen Ferientag mit Enkel Otto gefreut. Dumm nur, dass der Fahrer der „Bäderbus“-Linie 121 offenbar nicht in Urlaubsstimmung war. Stein des Anstoßes: ein verlegtes Beiblatt.

„Beim Einsteigen habe ich pflichtgemäß meinen Schwerbeschädigten-Ausweis vorgezeigt“, erinnert sich Barbara Kolm. „Dass sich unmittelbar auf der Rückseite eine entsprechende Wertmarke befinden muss, um kostenlos befördert zu werden, ist mir bis dahin wirklich nicht bewusst gewesen.“ Hektisch habe sie nach dem erforderlichen Beiblatt gesucht — für den Busfahrer offenbar nicht schnell genug. „Er hat mich vor allen Fahrgästen lautstark als Lügnerin und Betrügerin beschimpft“, sagt Kolm. „Das war mir so peinlich — ich kam mir vor wie der letzte Depp.“

Viel schlimmer sei jedoch, dass ihr siebenjähriger Enkel den Vorfall hautnah mitbekommen habe, meint die 53-Jährige. „Das war furchtbar“, bestätigt der kleine Otto. „Dabei kann Oma eigentlich gut mit Menschen umgehen.“

Nach weiteren Schrei-Anfällen seitens des Busfahrers und der unmissverständlichen Aufforderung, den fälligen Fahrpreis zu entrichten, habe sie in der Eile zunächst nur einen 50-Euro-Schein gefunden.

„Auch das war dem Fahrer nicht recht“, sagt Barbara Kolm und zuckt mit den Schultern. „Dabei sehe ich doch nur noch Schatten.“ Folge einer zunehmenden Vernarbung der Netzhaut: „Seit vier Jahren habe ich ganz akut damit zu kämpfen.“ Gut, dass Enkel Otto, immer als Begleitperson an Omas Seite, letztlich doch noch fünf Euro zur Hand hatte — so konnten die 2,70 Euro schließlich bezahlt werden.

An der nächsten Haltestelle in Sievershagen habe sie dann auch das Beiblatt in ihrem Portemonnaie gefunden — Anlass genug für den Fahrer, sich zu ihr auf den Weg in den hinteren Teil des Busses zu machen und erneut lautstark auf sie einzureden. „Ich hatte richtig Angst“, gibt Barbara Kolm zu.

Der gemütliche Ferientag im Ostseepark war jedenfalls gelaufen: „Auch nach dem Aussteigen konnte ich mich gar nicht mehr beruhigen — und in einen Bus wollte ich auf keinen Fall mehr einsteigen.“

Folge: Ehemann Jürgen musste seinen Arbeitstag unterbrechen und Barbara Kolm samt Enkel mit dem Auto wieder nach Hause fahren. „Normalerweise mache ich nicht so ein Gewese“, sagt die 53-Jährige.

„Aber das war dann doch des Schlechten zu viel.“ Deshalb habe sie auch Anzeige bei der Polizei gestellt.

„Es gibt tatsächlich viele Leute, die ohne die Wertmarke unterwegs sind und trotzdem versuchen, kostenlos von A nach B zu kommen“, erklärt Gerd Heuer, Verkehrsmanager bei der Küstenbus GmbH. „Da ist es zunächst mal der Job des Busfahrers, seine Kontrollfunktion auszuüben.“ Wie sich der Vorfall genau abgespielt habe, könne er natürlich nicht sagen, stellt Heuer klar: „Ich war ja nicht dabei.“

In einem ersten Gespräch habe der Kollege den Sachverhalt jedoch etwas anders dargestellt — nicht er, sondern Barbara Kolm selbst sei laut geworden. „Nichtsdestotrotz haben wir den Fahrer um eine schriftliche Stellungnahme gebeten — die müssen wir jetzt erstmal abwarten.“ In jedem Fall tue ihm die Angelegenheit sehr leid.

„Normalerweise sind die Busfahrer sehr nett“, wundert sich Otto, der ab August in der zweiten Klasse lernt. „Die Fahrten zur Schule machen immer richtig Spaß.“ Jeder habe mal einen schlechten Tag, sagt auch Barbara Kolm: „Ein Anruf der Entschuldigung hätte genügt — aber dafür ist es jetzt eigentlich schon zu spät.“

Lennart Plottke

Täglich holen sich Jung und Alt aus Bad Doberan und Umgebung 500 sogenannte Medieneinheiten aus der Bibliothek. Viele Schüler bessern hier ihr Wissen für den Unterricht auf.

04.06.2018

Zwei Mitarbeiter des Forstamtes untersuchen in diesen Tagen den Wald auf seinen Gesundheitszustand. Die Inventurergebnisse bilden dann die Grundlage für den Waldzustandsbericht.

01.01.1998

Aus eigener Initiative wird die Stadtvertretung keinen Beschluss über die Schließung der Goethe-Schule fassen, stellte Reriks Bürgermeister Wolfgang Gulbis jetzt unmissverständlich klar.

04.06.2018
Anzeige