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Bad Doberan Ideen-Schmiede als Jobmotor
Mecklenburg Bad Doberan Ideen-Schmiede als Jobmotor
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00:00 28.08.2018
Rostock

Mit einer revolutionären Idee und einer Garage im US-Bundesstaat Washington fing alles an. Von dem Zeitpunkt an dauerte es nicht mal drei Jahrzehnte, bis aus dem Ein-Mann-Buchhandel der größte Handelskonzern der Welt geworden war – Amazon. Erfolgsgeschichten wie die des Jeff Bezos – eines Gründers, seiner Vision und des Durchbruchs zum Welterfolg – sollen künftig auch in Rostock geschrieben werden: Die Hansestadt und das Land planen den Bau eines sogenannten „Start up“-Centers an der Warnow. In der Südstadt soll ein Kreativ-Zentrum entstehen, in dem Gründer für kleines Geld Büros, Werkstätten, Labors und Unterstützung von Fachleuten erhalten können – damit sie aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen machen können.

In Rostock gibt es bereits ein privates Zentrum für junge Firmen – das E-Werk in der Südstadt. Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Wir wollen uns als ,Stadt der Ideen’ präsentieren, neue Firmen und neue Jobs schaffen.Chris Müller-von Wrycz Rekowski

Vize-Oberbürgermeister

In den USA, aber auch in den deutschen Großstädten wie Hamburg, Berlin und Leipzig gibt es solche Start-up-Zentren bereits seit Jahren. In die Ideen-Schmiede mieten sich innovative Tüftler, Entwickler und Geschäftsleute für die erste Phase ihres Unternehmens ein. Sie teilen sich Büros und Personal (zum Beispiel für Rechtsfragen und die Buchhaltung), zahlen geringe Mieten und sollen sich ganz auf ihre Idee, ihr Geschäftsmodell konzentrieren können. „Die ersten Monate entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg von neuen Firmen. Die Gründer müssen Zeit haben, sich auf ihre Erfindung oder ihre Innovation konzentrieren zu können“, sagt Rostocks Vize-Oberbürgermeister Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD). Bei allen anderen organisatorischen oder finanziellen Fragen erhalten sie Unterstützung von der öffentlichen Hand, den Forschungseinrichtungen und der etablierten Wirtschaft.

Dass es in Rostock und Umgebung genügend kreative Köpfe gibt, die mit Neuem die Welt erobern wollen – davon sind nicht nur Stadt und Land überzeugt. Eine Machbarkeitsstudie der Managementberatung Prognos rechnet in Zukunft mit mehr als 700 Unternehmensgründungen pro Jahr in der Hansestadt und im Landkreis Rostock. In keiner anderen Region im Nordosten würden perspektivisch so viele neue Firmen entstehen. „Die Region Rostock ist ein dynamischer Wirtschaftsstandort, der sich seit Jahren erfolgreich entwickelt. Mehrere zukunftsfähige Branchen – unter anderem die maritime Technik, Maschinenbau, Biotechnologie und der Internet-Handel – lassen auch für die Zukunft eine dynamische und weiter wachsende Wirtschaft in HRO erwarten“, schreiben die Prognos-Fachleute Olaf Arndt und Marcel Hölterhoff. Die Fachleute empfehlen, sich auf genau diese Wirtschaftsbereiche zu fokussieren. „Der Wissenschaftsstandort Rostock, bestehend aus der Universität ergänzt um Fraunhofer-, Leibniz- und Max-Planck-Institute, ist mit seinem Fächer- und Themenspektrum ein wesentlicher Nukleus für das künftige Gründungsgeschehen. Damit verbunden ist eine hohe Attraktivität für neue Studierende und somit talentierten akademischen Nachwuchs.“

Auch Vize-Rathauschef Müller-von Wrycz Rekowski ist von der Idee eines Start-up-Centers überzeugt: „Wir planen ein neues Viertel zum Wohnen, Arbeiten und Forschen in der Südstadt – am Groten Pohl. Das wäre der ideale Ort für das Start-up-Center.“ Das Areal liege zentral, in der Nähe der Innenstadt und des Südstadt-Campus der Uni. „Für die Gründerszene wollen wir ein modernes Gebäude errichten – mit Büros, Werkstätten, Laboren. 90 Prozent der Baukosten würde das Land übernehmen“, so der Finanzsenator. Bis zu zehn „Start ups“ pro Jahr sollen den Neubau nutzen dürfen: „Jede Firma soll im Schnitt ein halbes Jahr bleiben – und in der Zeit sich so gut entwickeln, dass sie sich eigene Räume in Rostock leisten und beziehen kann.“

Ein fünfköpfiges Team soll in dem Gründerzentrum die Kreativen unterstützen – in finanziellen Fragen, bei rechtlichen Problemen und auch ganz praktisch durch Sekretariatstätigkeiten. Laut Berechnungen der Beratungsfirma Prognos könnten diese Dienstleistungen knapp eine halbe Million Euro pro Jahr kosten. „Wir suchen Partner, die sich neben dem Land und der Stadt daran beteiligen – und wir suchen Geldgeber für die jungen Firmen“, so Müller-von Wrycz Rekowski. Er will daher in den kommenden Monaten mit Banken, aber auch mit großen Unternehmen in der Region sprechen. Betrieben werden soll das Zentrum von einem Verein.

Müller-von Wrycz Rekowski will mit dem neuen Start-up-Center so schnell wie irgend möglich an den Start gehen. „Bis der Neubau steht, wird es aber Jahre dauern. Deshalb arbeiten wir mit der Uni an Übergangslösungen.“ Er verspricht sich von dem Kreativ-Arbeitsplatz neue Jobs für Rostocks Wirtschaft: „Wir wollen uns als Stadt der Ideen präsentieren – auch für Firmen und Gründer von außerhalb.

Und wir wollen unsere Gründer hier halten.“ Auch die Prognos-Studie prophezeit der Hansestadt in diesem Punkt beste Aussichten: Rostock sei auch für Start ups aus Berlin oder Hamburg attraktiv – zum einen wegen der hohen Lebensqualität und weil die Preise (etwa für Mieten) an der Warnow noch deutlich niedriger seien als in den Großstädten. Auch von der Nähe zu Skandinavien – den „Start-up-Vorzeigeländern“ Dänemark und Schweden – könne Rostock profitieren.

E-Werk war Rostocks erste Gründer-Schmiede

50 Arbeitsplätze für junge Unternehmer und Gründer bietet bereits das E-Werk in der Südstadt. Christian Pietsch, Gründer des Online-Handels „Gusti Leder“, hat das alte Umspannwerk für mehrere hundertausend Euro zum sogenannten Co-Working-Space umbauen lassen. Hier können sich Gründer bereits Räume und Büros auf Zeit miteinander

teilen. Die Tagesmiete im E-Werk kostet zehn Euro, zwölf Tage pro Monat 60 Euro.

7Firmen residieren derzeit im E-Werk. „Gusti Leder“ hat hier seine Anfänge gemacht, ebenso auch die „Fahrradjäger“. Das junge Unternehmen sorgt derzeit bundesweit mit einem Anti-Diebstahl-System für Fahrräder für Furore. Auch das Unternehmen „Naon“ kommt aus dem E-Werk: Es entwickelt Smarthome-Lösungen für moderne Wohnungen.

Andreas Meyer

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