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Bad Doberan Im Bann der Russower Kirche
Mecklenburg Bad Doberan Im Bann der Russower Kirche
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14:00 18.01.2019
Detlef Runge ist der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Dorfkirche Russow. Jährlich führt er bis zu 20 Mal durch die Kirche. Quelle: Werner Geske
Russow

„Papa, ist das deine Kirche?!“, wurde Detlef Runge (66) einmal von seinen Söhnen gefragt. In dieser Frage schwangen sowohl leise Kritik, als auch viel Bewunderung für das große Engagement des Vaters für die Russower Dorfkirche mit. Ungezählte Stunden hat er damit verbracht, das Gotteshaus zu erhalten, ihm alte Schönheit zurückzugeben. Er war da, wenn Dachziegel erneuert werden mussten, Dachrinnen verstopft waren oder es galt, das Gemäuer von zu großer Feuchtigkeit zu befreien.

Runge, in Rostock geboren, hätte es sich früher nicht träumen lassen, dass sich ein großer Teil seines Lebens um Russows Kirche drehen würde. Dass es dazu kam, hängt damit zusammen, dass er Anfang der 1970er Jahre Angelika kennenlernte, die genau wie er, im Plattenwerk Marienehe des Wohnungsbaukombinats Rostock beschäftigt war. Das junge Mädchen aus Roggow und der Rostocker Junge fanden solch Gefallen aneinander, dass sie beschlossen, zu heiraten. Und es war nicht allein die Liebe zu der Christin, die den atheistisch Erzogenen den Entschluss fassen ließ, noch vor der kirchlichen Hochzeit den evangelischen Glauben anzunehmen. „Ich habe immer nach etwas gesucht, das mir Halt im Leben gibt, das ehrlich ist. Nicht so unwahrhaftig, wie die kommunistische Lehre. Deshalb bin ich meiner Frau so dankbar, dass sie mich dazu bewogen hat, noch vor unserer Heirat Mitglied der Kirche zu werden.“

In Russow erklang nach langer Zeit wieder die Hochzeitsklocke

So besucht Detlef Runge vor dem Ja-Wort die Christenlehre, lässt sich konfirmieren und tritt erst dann zusammen mit Angelika vor den Traualtar. „Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass in Russow wieder die Hochzeitsglocke klang“, denkt das Ehepaar gerne an diesen schönen Tag zurück. Ende der 1970er Jahre kaufen die Runges ein Haus in Russow und bauen es aus. 1982 dann der Einzug ins neue Zuhause, nun mit dabei Tochter Juliane (heute 43) und Sohn Matthias (heute 39). Die mittelalterliche Dorfkirche hat Runge bereits damals in ihren Bann gezogen: „Ich bewunderte die Fresken, den Altar, die Kanzel und die Orgel. Umso mehr schmerzte es mich, dass all diese Schönheit in einem bemitleidenswerten Zustand war. Die Gefahr, dass alles bald verloren sein könnte, war groß.“

Engagement für Erhalt der Kirche

Und realistisch. Bereits Ende der 1960er Jahre verlor die Kirche ihren baufälligen Turm, der über Jahrhunderte hinweg weit ins Land hinein zu sehen war und den Seeleuten als Orientierung diente. „Wäre ich damals schon in Russow gewesen, wäre das nicht passiert“, ist sich Detlef Runge sicher. Als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Russow tritt er energisch und unermüdlich für den Erhalt des mittelalterlichen Gotteshauses ein. Und er ist froh über „jene Fügungen, die uns dabei nach der Wende geholfen haben, der Kirche viel von ihrer alten Schönheit wiederzugeben.“ Dabei denkt er vor allem an jenen Besuch von Jan Philipp Reemtsma (66). Der Nachfahre eines Hamburger Zigarettenfabrikanten hat sich als Wissenschaftler, Publizist und unter anderem als Mäzen für kulturelle Initiativen einen Namen gemacht. Er finanzierte die Restaurierung der Orgel mit 300 000 Euro. Zudem habe er die Reparatur des Seitenschiffes mit 50 000 Euro unterstützt, sagt Runge voll Dankbarkeit.

Und wenn es um besondere Verdienste geht, vergisst der Fördervereins-Vize in keinem Fall Eckhard Nagel, Reriks Nachwende-Bürgermeister und Bauingenieur, zu erwähnen: „Er hat alle Ingenieurarbeiten an der Kirche übernommen. Und das unentgeltlich!“ Obwohl schon seit Jahren nicht bei bester Gesundheit möchte Detlef Runge noch lange die Besucher aus ganz Deutschland durch die Kirche führen und ihnen dabei zum Abschluss des Rundgangs auch den Klang großen der Bronzeglocke „Hossana“ zu Gehör bringen. Sie wurde 1435 vom Lübecker Gießer Timmo Jheger geschaffen. „Hören Sie ihren schönen dunkler Ton“, sagt Runge und lässt sich selbst wieder in den Bann der Glocke ziehen.

Werner Geske

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