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In der Klinik haben Azubis das Sagen

Bad Doberan In der Klinik haben Azubis das Sagen

Projekttag im Doberaner Krankenhaus: Lehrlinge leiten in der „Inneren“ die Frühschicht — natürlich unter Aufsicht.

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Alles klar für die Chef-Visite (v.l.): Die Azubis Tony Brümmer, Jessica Reincke, Alexandra Gürtler, Sophie Micheel und Franziska Meitz auf dem Flur der Station für Inneren Medizin.

Quelle: Lennart Plottke

Bad Doberan. Jessica hat es eilig: „Ich muss jetzt die Betten sauber machen“, sagt die 22-Jährige, zieht sich schnell blaue Latex- Handschuhe an und flitzt über den Flur der Abteilung für Innere Medizin. Derweil geht es im Stationszimmer wuselig zu: Sämtliche Computer-Bildschirme flimmern, der Drucker läuft auf Hochtouren, wichtige Dokumente werden hin- und hergereicht — im Krankenhaus Bad Doberan haben heute die Azubis das Sagen. „Das ist ein besonderer Tag für uns alle“, sagt Pflegedienstleiterin Antje Wiebe, „und für die jungen Leute Generalprobe vor ihrer großen Abschlussprüfung im Juni.“

Beim „Tag des Schülers“ bestreiten die sieben Auszubildenden auf der „Inneren“ eine komplette Frühschicht — von 5.45 Uhr bis 14.15 Uhr. „Dabei bekommen sie jeweils bestimmte Patientengruppen zugeteilt, die sie komplett zu betreuen haben“, erklärt Schwester Antje. Die künftigen Gesundheits- und Krankenpfleger müssen selbstständig den persönlichen Pflegebedarf ermitteln sowie entsprechende Maßnahmen planen, organisieren und dokumentieren.

„Grundpflege, Betten zurecht machen, Medikationen vorbereiten, Frühstück, Begleitung zu Untersuchungen, Kreislauf- und Monitorüberwachung“, zählt Antje Wiebe auf. „Da kommt viel auf unsere Lehrlinge zu.“ Der zeitaufwändigste Teil: die Visite-Begleitung. „Hier heißt es für die Azubis, im Nachgang sämtliche Anordnungen umzusetzen“, erklärt die Pflegedienstleiterin. „Dazu gehören beispielsweise Untersuchungen, Blutentnahmen oder Infusionen.“

Haupt-Effekt: „Den jungen Leuten wird so die Ernsthaftigkeit der Verpflegung nahe gebracht“, meint die 46-Jährige. „Das ist eine gute Übung, um sich der besonderen Verantwortung bewusst zu werden.“

Für Tony Brümmer kein Problem: „Hier läuft heute alles nach Plan“, ist sich der 28-Jährige sicher und prüft mit Kennerblick einen mit Blut gefüllten Infusionsbeutel. „Wir haben doch nicht drei Jahre umsonst gelernt.“

Auch Alexandra Gürtler, ebenfalls 28, macht am Schreibtisch im Stationszimmer schon eine gute Figur. „Das sind für uns optimale Prüfungsvorbereitungen“, meint die Rostockerin. „Wir lernen vor allem, mit Stresssituationen umzugehen — denn spätestens ab 1. September sind wir ganz auf uns allein gestellt.“

Immerhin: Auch wenn die 22- bis 31-jährigen Azubis heute auf den ersten Blick die komplette Verantwortung für insgesamt 32 Patienten tragen — im Hintergrund wachen erfahrene Augen über Wohl und Wehe von Nachwuchs-Krankenpflegern und Anvertrauten. „Ausgebildete Schwestern und eine Pädagogin sind den ganzen Tag zur Stelle, wenn es Fragen oder Probleme gibt“, beruhigt Antje Wiebe. „Manchmal ist an der einen oder anderen Stelle doch noch mal eine Anleitung notwendig.“

Dennoch: „Alle Beteiligten können mit dem Verlauf des ,Schüler-Tages‘ zufrieden sein“, meint Christine Tepka, Pflege-Pädagogin an der Beruflichen Schule des Rostocker Südstadt- Klinikums. Und auch Stationsschwester Monique Schomann ist voll des Lobes: „Ich habe von den Patienten bislang nur Gutes gehört.“

Ihren ersten „Härtetest“ haben die künftigen Gesundheits- und Krankenpfleger offenbar gut überstanden — die große Abschlussprüfung im Juni kann kommen. Und danach? „Wir sind seit Jahren ein Ausbildungs-Krankenhaus“, sagt Pflegedienstleiterin Antje Wiebe. „Und natürlich versuchen wir, so viele Lehrlinge wie möglich zu übernehmen.“

Gute Leute könne man immer gebrauchen — „auch, wenn es auf dem Jobmarkt wie überall nicht wirklich einfach ist“. Mut macht die 46-Jährige ihren Schützlingen trotzdem: „Gute Bewerbungen sind immer willkommen.“

Doch bevor es an das Schreiben des ausführlichen Lebenslaufs geht, stehen für die Auszubildenden zunächst wichtigere Dinge an — denn viel Zeit zum Durchatmen gibt es heute nicht. Jetzt heißt es erst einmal: Bleistifte spitzen, Unterlagen bereithalten — und ab zur Chef-Visite.

Praxis hautnah
7 künftige Gesundheits- und Krankenpfleger im Alter zwischen 22 und 31 Jahren absolvieren derzeit ihre Ausbildung im Krankenhaus Bad Doberan.
Ihre große Abschlussprüfung geht im Juni über die Bühne.
32 Patienten hatten die Lehrlinge am „Tag des Schülers“ alleinverantwortlich zu betreuen — innerhalb der Frühschicht von 5.45 Uhr bis 14.15 Uhr. Dabei sollen sie sich in erster Linie ihrer besonderen Verantwortung bewusst werden sowie praxisnah lernen, mit Stresssituationen umzugehen.

 



Lennart Plottke

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