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Bad Doberan Initiative hofft auf weitere Mitstreiter
Mecklenburg Bad Doberan Initiative hofft auf weitere Mitstreiter
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00:00 09.06.2017
„Integration funktioniert eben nur, wenn sich auch die Einheimischen dazu bekennen.Hannes Roggelin Netzwerk „Doberan hilft“
Bad Doberan

Um ausländischen Mitbürgern das Eingewöhnen und Leben in der Münsterstadt so einfach wie möglich zu machen, engagieren sich viele ehrenamtliche Helfer im Netzwerk „Bad Doberan hilft“. Die Anfang November 2015 gegründete Initiative hat verschiedene Arbeitsgruppen. Mitinitiator Hannes Roggelin wünscht sich darüber hinaus noch mehr aktive Einheimische, die die zahlreichen Angebote unterstützen.

Hannes Roggelin, Mitinitiator Netzwerk „Doberan hilft“

Herr Roggelin, Ihr Netzwerk ist jetzt seit gut anderthalb Jahren aktiv. Wie sieht Ihr Zwischenfazit aus?

Hannes Roggelin: Ich denke, dass wir die Menschen schon gut unterstützen konnten – etwa bei der Wohnungssuche und -einrichtung, Behördengängen oder der gemeinsamen Freizeitgestaltung. Wir haben im vergangenen Jahr viele Angebote für geflüchtete Menschen geschaffen, die auch überwiegend gut angenommen werden.

Was heißt das konkret?

Es gibt zum Beispiel eine wöchentliche Behördensprechstunde, einen Nadel- und Handarbeitstreff, verschiedene Sprachkurse oder auch Handwerkliches rund ums Holz, bei dem die Teilnehmer auch ganz praktische Tipps für ihren Alltag bekommen. Der Spiel- und Sprachtreff hat sich dagegen als eher schwierig herausgestellt. Dazu kommt das regelmäßige „Abendbrot mit Geschichten“, bei dem sich die Menschen näher kennenlernen können.

Wie wählen Sie Ihre Angebote aus?

Wir haben jetzt ein Gremium gegründet, in dem Asylsuchende und Unterstützer ihre Teilhabemöglichkeiten am gesellschaftlichen Leben in Bad Doberan ausbauen können. Dabei wurde für jede Nation ein Vertreter bestimmt, der die Bedarfe oder auch Nöte seiner Landsleute ermitteln und in das Gremium hineintragen soll. Ziel ist, den Alltag in der Stadt gemeinsam zu gestalten.

Gibt es erste Erkenntnisse?

Es ist zum Beispiel deutlich geworden, dass mehr Sportangebote gewünscht sind. Deshalb gibt es ab sofort jeden Freitag um 17 Uhr am ehemaligen Küsterhaus die Möglichkeit, gemeinsam Beachvolleyball zu spielen.

Wie finanzieren Sie Ihr Netzwerk?

Natürlich läuft vieles über ein ehrenamtliches Engagement. Wir sind seit Ende 2015 aktiv – das ist schon ein ziemlich langer Zeitraum. Leute springen ab, neue Mitstreiter kommen dazu – die Ehrenamtsgewinnung ist immer wieder ein großes Thema. Da würde ich mir wünschen, noch mehr Einheimische von unseren Ideen begeistern zu können. Denn die Angebote werden zwar von ausländischen Mitbürgern ganz gut besucht – Doberaner allerdings finden sich dort eher selten. Daran scheitert es oft extrem. Aber Integration funktioniert eben nur, wenn sich auch die Einheimischen dazu bekennen.

Bekommen Sie darüber hinaus auch finanzielle Unterstützung?

Es gab jetzt eine Förderung in Höhe von 21 000 Euro über das Bundesprogramm „Demokratie leben“. Wir arbeiten hier gut und vertrauensvoll mit dem Landkreis Rostock zusammen – der hat über das Büro für Chancengleichheit die Bundesmittel beantragt und jetzt auch ausgeschüttet. Unterstützt wird unser Projekt „Demokratie erlebbar machen“.

Wie wird das Geld eingesetzt?

Wir haben damit zwei Minijob-Stellen geschaffen. Die neuen Mitarbeiter unterstützen uns in den Bereichen Organisation und Verwaltung sowie Beratung und Vernetzung. Schön ist, dass wir jetzt ständige Ansprechpartner vor Ort haben – und so Sprechstunden im Gemeindehaus anbieten können: dienstags von 9 bis 11 und donnerstags von 17 bis 19 Uhr. Und hier ist jeder willkommen: Geflüchtete und Engagierte gleichermaßen.

Regelmäßige Kurse

Montag, 17 Uhr

Hilfe mit Behörden und Ämtern, Sprechstunde (Gemeindezentrum, Klosterstr. 2, Doberan)

Jeden zweiten Montag, 17-19 Uhr

„Flinke Nadel – Handarbeitstreff“ (Kornhaus, 1. Etage, Bad Doberan) Dienstag, 18-21 Uhr

Handwerkliches rund um das Holz – Motto: ,,Hilfe zur Selbsthilfe (Kornhaus, 1. Etage, Bad Doberan)

Dienstag/Donnerstag, 15-17 Uhr

Jugendmigrationsdienst (JMD)-Lerngruppe „Deutsch als Zweitsprache“ (Büro des JMD Bad Doberan, Severinstr. 4)

Mittwoch, 16.30-18 Uhr

JMD-Sprachtraining „Fit in Ausbildung“ (Gemeinschaftsunterkunft an der Krim, Bad Doberan)

Interview: Lennart Plottke

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