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Junger Doberaner erforscht das alte Rom

Bad Doberan Junger Doberaner erforscht das alte Rom

Marcel Labitzke ist 23 Jahre alt, Chef der SPD und sorgt mit seinem ersten Buch für Aufsehen in der Fachwelt.

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Rund zehn Jahre — seitdem er 13 Jahre alt ist — hat Marcel Labitzke für sein erstes Buch recherchiert. Das Werk handelt von Gaius Marius, dem wohl bekanntesten Konsul der Römischen Republik.

Quelle: Andreas Meyer

Bad Doberan. Marcel Labitzke ist kein durchschnittlicher 23-Jähriger. Während viele junge Leute in seinem Alter ihre Freizeit vor allem in Discos oder auf Partys verbringen, taucht der junge Doberaner ab — tief in die Geschichte. Das alte Rom, das einstige Imperium, haben es ihm angetan. Während andere Gleichaltrige noch mitten im Studium (oder der Ausbildung) stecken, hat Labitzke längst für Aufsehen in der Fachwelt gesorgt: Vor wenigen Wochen hat er sein erstes Buch herausgebracht. Eine Biographie über Gaius Marius, den wohl bekanntesten Konsul der römischen Republik. Ein Werk, das unter Historikern große Beachtung findet.

Dabei hat Labitzke gerade erst sein Lehramtsstudium an der Uni Rostock beendet. Mit einem Durchschnitt von 1,1. Demnächst wird er den Norden verlassen und gen Süden ziehen. „Ich werde meinem Professor folgen. Um bei ihm meinen Doktortitel machen zu können“, sagt der junge Mann. Nicht nur für die Universität dürfte das ein Verlust sein: Auch der SPD wird er fehlen. Der 23-Jährige mit den kurzen blonden Haaren ist der Vorsitzende der Sozialdemokraten in der Münsterstadt. Geschichte und Politik sind sein Leben.

Und dass er sich ausgerechnet den römischen Konsul Gaius Marius als Objekt der Betrachtung für sein erstes Buch ausgesucht hat, passt da ins Bild: Der spätere Staatsmann wurde um 157 vor Christus geboren — und stammte aus einfachen Verhältnissen, aus einer kleinen Landbesitzer-Familie. „Er hat sich hochgearbeitet. Insgesamt wurde er sieben Mal als Konsul wiedergewählt. So oft hat das kein anderer geschafft“, sagt Labitzke.

Und genau dieser Werdegang habe ihm imponiert. Aufsteiger aus der Arbeiter- und Bauernschicht nannten die Römer „homo novus“ — neuer Mensch. „Er war Republikaner durch und durch. Er wollte die Anerkennung, Respekt und Prestige. Aber er wollte sich nie über andere stellen“, so der junge Doberaner Historiker.

Dennoch wird Gaius Marius bisher in der Geschichtsschreibung durchweg negativ dargestellt. Blutrünstig sei er gewesen. Labitzke will das widerlegen: „Der verleumdete Retter Roms“ lautet deshalb der Untertitel seines Buches und den begründet Labitzke sehr plausibel. Marius sei es gewesen, der die Freiwilligenarmee des Imperiums zu einer schlagkräftigen Berufsarmee umgebaut habe. Zu den berühmten und gefürchteten Legionen. „Er hat die Kimbern und Teutonen besiegt und damit Roms Untergang verhindert.“

Seit zehn Jahren beschäftigt sich Labitzke mit dem Leben und Wirken des Konsuls. Er hat Archive in Heidelberg durchstöbert, historische Text-Quellen aus dem lateinischen Original übersetzt und die Schlachtfelder Marius‘ in Frankreich bereist. „Geschichte ist das Fach der Bleichgesichter: Die meiste Zeit verbringen Historiker im Archiv.“ An dem Buch selbst hat er dann gut zwei Jahre geschrieben. Die nüchternen Fakten hat Labitzke mit vielen Anekdoten aus dem Leben des Staatsmannes garniert. Selbst der Münchener Prof. Christian Meier, einer der führenden Altertumsforscher Deutschlands, bescheinigt ihm, dass sein Buch sehr angenehm zu lesen sei.

Die nächsten Jahre wird sich der junge Doberaner, dessen liebstes Hobby das Radfahren ist, nun einem anderen Thema der Geschichte widmen: Er will die Entstehung von Universitäten im Mittelalter ergründen. Dass er dafür den Norden verlassen muss, stimmt ihn traurig.

Denn vor allem sein Engagement in der Politik wird ihm fehlen. Auch wenn Labitzke als Vorsitzender des Ortsvereins mehr im Hintergrund aktiv war: Wahlkämpfe vorbereiten, Aktionen planen und auf Stimmenfang gehen — das alles mache eine Demokratie schließlich aus.

Buch: Marius — der verleumdete Retter Roms, ISBN 978-3-89781-215-4.

Andreas Meyer

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