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Bad Doberan Kaffeebecher: Stadt setzt auf Mehrweg
Mecklenburg Bad Doberan Kaffeebecher: Stadt setzt auf Mehrweg
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00:00 30.11.2017
Mehrweg- gegen Papp-Becher: Wie bereits seit drei Monaten in der Hansestadt Rostock, wird jetzt auch in Bad Doberan über ein umweltfreundlicheres System für den „Coffee to go“ nachgedacht. Quelle: Fotos: Lennart Plottke, Anne Löhle
Bad Doberan

Espresso, Cappuccino oder Latte macchiato: Kaffee liegt wieder voll im Trend. Und das immer mehr auch unterwegs. Doch für die Umwelt wird der „Coffee to go“ zum Problem: Denn der Kaffee-Genuss verursacht einen enormen Müllberg. „Es gibt einfach Unmengen an diesen Papp-Bechern“, sagt Jochen Arenz (fraktionslos), Vorsitzender im Doberaner Wirtschafts- und Tourismusausschuss. „Allein in Deutschland werden 320000 Stück pro Stunde verbraucht.“

Doberan will Papp-Behälter verbannen / Projekt in Rostock ist Vorbild

Auch in der Münsterstadt würden sich nach Angaben des Bauhofes die „Coffee-to-go-Becher“ regelmäßig auf dem Kamp oder an den Straßenrändern wiederfinden, so Arenz: „Oder sie überfüllen die städtischen Mülleimer und schaffen damit höhere Entsorgungskosten.“

Deshalb will Arenz jetzt in Bad Doberan eine Marketing-Offensive für besondere Pfand-Becher starten: „Kreativ gestaltet, etwa mit dem dampfenden Molli oder weiteren typischen Motiven – das könnte auch ein schönes Geschenk sein, das Touristen gern mit nach Hause nehmen.“ Der Aufbau eines Mehrweg-Pfandsystems für Kaffeebecher würde nicht nur die Umwelt entlasten, sondern auch das Image Bad Doberans als Kurort für den Gesundheitstourismus weiter fördern, ist Arenz überzeugt.

Verkäufer und Kunden vom Pfand-Becher überzeugt

Hier kommt diese Idee grundsätzlich gut an: „Ich glaube, dass es einige Anlaufschwierigkeiten geben wird, wenn es gar keine Papp-Becher mehr gibt“, meint etwa Lusine Khachikyan, Mitarbeiterin bei der Bäckerei „Sparre“. „Das muss erstmal bei den Leuten ankommen. Aber sonst ist das super für die Umwelt – es wird langsam Zeit, etwas zu tun.“ Immerhin: „Wir haben ungefähr zehn Stammkunden, die schon jetzt regelmäßig mit ihrem eigenen Becher kommen“, sagt Khachikyan. „Darüber freue ich mich sehr – ein Anfang ist gemacht.“

Sie müsse sich wahrscheinlich erstmal an einen Pfand-Becher gewöhnen, sagt Sieglinde Schulz, die in der Bäckerei öfter ihren Kaffee trinkt und sich hier mit Freunden trifft: „Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass vor allem die Jugend in Zukunft diese Möglichkeit nutzt.“ Ein gutes Beispiel sei hier der Weihnachtsmarkt, meint Schulz: „Da gibt es den Glühwein ja auch meistens in Tassen – man bezahlt einfach ein bisschen Pfand und tut der Umwelt etwas Gutes.“

Findet auch Lara Köller: „Mehrwegbecher sind gut und wichtig für die Umwelt, weil sie die Müllproduktion verringern“, meint die 15-jährige Schülerin. „Außerdem ist es auch praktisch, wenn man seinen eigenen persönlichen Becher hat.“ Sie besitze bereits einen Mehrweg-Becher und nutze diesen auch unterwegs, so Köller: „Aber im Laden habe ich ihn noch nie gebraucht – falls dieses ganze Projekt größer wird, würde sich das sicher ändern.“

Logo oder Sehenswürdigkeit als Kaufanreiz

Einen Kaffeebecher mit dem Stadt-Logo oder einer Sehenswürdigkeit zu kaufen könne sie sich gut vorstellen, sagt die Gymnasiastin und gibt zu: „Ich bin ein ziemliches ,Kaufopfer’ – also würde ich mir so etwas bestimmt zulegen. Das wäre dann ja quasi wie ein Hard-Rock- T-Shirt – nur noch cooler und individueller.“

Kritiker, die beim Pfand-Becher ein hygienisches Problem sehen, könne sie beruhigen, sagt Lusine Khachikyan: „Ich stelle nie einen mitgebrachten Becher unter die Kaffeemaschine – ich benutze immer eine Tasse, stelle diese dann unter den Automaten und fülle den frischen Kaffee in den Thermobecher um.“ Man brauche das Rad in Bad Doberan gar nicht neu zu erfinden, sagt Birgit Mersjann (SPD), Mitglied im Hauptausschuss. „In Rostock läuft doch gerade ein ähnliches Projekt – wenn das erfolgreich ist, wird das sicher auch in allen anderen Filialen eingeführt.“

Auch das Umweltamt der Hansestadt will die Papp-Becher mittelfristig von der Straße verbannen. Der erste Schritt wurde vor drei Monaten gemacht: Acht Bäckereien führten gemeinsam einen wiederbefüllbaren Mehrweg-Becher ein – wer den nutzt, bekommt bei vielen Bäckern Rabatt auf sein Heißgetränk. Die Hansestadt hat dafür sogar einen eigenen Rostock-Kaffee-Becher herstellen lassen – in Grün und mit dem Logo des Stadtjubiläums 2018 drauf. Der Clou für die Kunden: Sie können sogar noch sparen. Viele Bäcker bieten Rabatt an.

Getränke-Rabatt

320 000 Papp-Becher werden nach

Schätzungen der

Deutschen Umwelthilfe allein in Deutschland pro Stunde verbraucht.

Der Großteil des Mülls in den öffentlichen

Mülleimern seien

Kaffeebecher, heißt es auch aus dem

Doberaner Bauhof.

In Rostock wurde vor Kurzem die Aktion „Nachfüllen statt

Wegwerfen“ gestartet – acht Bäckereien in der Hansestadt führten gemeinsam einen

wiederbefüllbaren Mehrwegbecher ein. Wer den nutzt,

bekommt bei vielen

Bäckern Rabatt auf sein Heißgetränk.

Lennart Plottke und Anne Löhle

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