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Bad Doberan Karpfenzucht nach Mönchs-Tradition
Mecklenburg Bad Doberan Karpfenzucht nach Mönchs-Tradition
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00:00 10.08.2018
Hütten

Wer Hütten, den südöstlich von Bad Doberan gelegenen Ortsteil von Parkentin, besucht, entdeckt ein kleines Naturparadies: den Hütter Wohld, das etwa 180 Hektar große Waldgebiet mit seinen Hütter Klosterteichen. Eine grüne Oase, die gerade in diesem heißen Sommer Erholung pur bietet: schattige, kühle Wanderwege, die Frische des Wassers der zahlreichen Teiche.

Wo im Mittelalter die Mönche Karpfen züchteten, hat Leif Detlefsen den Fischereihof als Familienbetrieb etabliert.

Die Serie

Jeden Freitag stellt die OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan ein Dorf aus der Region vor. Wir erzählen Geschichten über Menschen, die dort leben, über Veränderungen, über die Sorgen der Einwohner oder wie es zur Gründung kam. Heute: Hütten.

„Die Stauteiche wurden bereits Ende des 12. Jahrhunderts von den Mönchen des Klosters Doberan angelegt, um Karpfen zu züchten“, erzählt Leif Detlefsen (52), Besitzer des Fischereihofes in Hütten.

„Die Mönche wollten einfach nicht auf gutes Essen verzichten. Denn die Ordensregeln der Zisterzienser, die in ganz Europa Fischzucht betrieben, waren sehr streng. So war die Ernährung nahezu fett- und fleischlos, nur Geflügel und Fisch waren zeitweise erlaubt“, so der 52-Jährige. „Weiterhin betrieben die Mönche hier eine Glashütte. Auch heute noch sind Glas- und Tonscherben aus dieser Zeit zu finden, egal, wo man anfängt zu graben.“

Nach der Auflösung des Klosters 1552 sei die Fischzucht jedoch in Vergessenheit geraten, das Teichareal reiner Naturraum geworden. Erst mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts besann man sich wieder auf die frühere Fischzucht hier, und so wurde ab 1906 die Teichbewirtschaftung wieder aufgenommen. „Daneben wurde in Hütten Forst- und Landwirtschaft betrieben. Leider musste die letzte alte Scheune 1995 wegen Baufälligkeit abgerissen werden“, bedauert der Hüttener, für den sein kleiner Ort ein Paradies ist. Hier hat der Ingenieur für Fischereiwirtschaft und Binnenfischerei nach der Wende die Chance ergriffen, einen Fischereihof aufzubauen. 1993 gründete er den Fischereihof Detlefsen.

Heute sind Hütten und sein Familienbetrieb untrennbar miteinander verbunden. Sein Hof ist über die Region hinaus bekannt und beliebtes Ausflugsziel geworden. „Es ist einfach schön, hier diese alte Tradition der Karpfenfischerei weiterzuführen sowie eine Zucht von Karpfen und Schleien in geringer Anzahl zu betreiben. Die Bewirtschaftung der Teiche, die eine Fläche von über zehn Hektar umfassen, steht im Vordergrund“, sagt Leif Detlefsen. „Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen.“

Ein besonderer Höhepunkt ist das jährliche Abfischfest, zu dem der Fischereihof einlädt. In diesem Jahr findet das Fest, zu dem sich der Hofinhaber immer etwas Besonderes einfallen lässt, am 31.

Oktober statt. Der Karpfen, der hier in der Region eine besondere Tradition zum Jahreswechsel hat, wird an diesem Tag nach dem alten Brauch der Zisterzienser abgefischt und in einem Hochbehälter ausgewässert. „Das ist wichtig wegen des Geschmacks, denn ein Karpfen darf nicht moorig schmecken. Durch das klare Wasser bekommt er seinen nussigen Geschmack“, erklärt der Fischfachmann. Der 52-Jährige lebt nun seit mehr als 20 Jahren in Hütten. Neben seiner Arbeit interessiert er sich besonders für die Historie der Region, die für ihn Heimat geworden ist. So erinnert er an den Revierförster Willy Biemann, der Hütten nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt hat: „Er hat viel für den Erhalt der Natur getan, so beispielsweise an der Sanierung der Teiche gearbeitet. Denn er war Fischliebhaber, liebte das Angeln. Und er war Experte für Tierpräparation. Schade, dass ich ihn nicht mehr kennengelernt habe“, bedauert der Hofinhaber.

Traum in Hütten verwirklicht

„Die Landschaft hier hat uns sofort begeistert: der Wald, die Teiche, einmalig schön, Idylle pur“, erinnern sich heute lächelnd Dr. Werner Keller (75) und Ehefrau Beate (75) an ihre erste Begegnung mit dem Hütter Wohld vor mehr als 30 Jahren. Freunde hatten nämlich das Rostocker Ehepaar nach Hütten in ihren Garten in der heutigen privaten Gartenanlage eingeladen. Und sofort fingen Werner und Beate Keller Feuer und bewarben sich 1983 in dieser schönen Region um einen Garten.

Zu ihrer großen Freude hatten sie Glück mit ihrer Bewerbung. Nach der Wende sollte der kleine Ort ihr Lebensmittelpunkt werden. „Denn hier fühlten wir uns von Anfang an wohl. Also kauften wir im Ort ein Stück Land mit der Maßgabe des damaligen Kreises, eine gastronomische Einrichtung darauf zu bauen“, erzählt der promovierte Sportwissenschaftler. „Also richteten wir das kleine Restaurant ,Froschklause’ ein, das sich schnell etablierte durch eine gute Küche mit Steinbacköfen und mit vielen kulturellen Angeboten, sodass wir bald ein Stammpublikum hatten über die Region hinaus. Ja, das war eine schöne Zeit. Doch leider musste das Lokal aus Personalgründen schließen.“ Nun steht das Haus zum Verkauf.

Auf ihrem Land in Hütten machte das Ehepaar dann 1994 seinen Traum wahr und baute sich ein Wohnhaus nach seinen Vorstellungen. In kurzer Zeit war ihr Bio-Haus fertig zum Einzug. „Seitdem leben wir hier und haben es bisher keinen Tag bereut. Hütten ist ein ideales Rückzugsgebiet für Menschen, die mit und in der Natur leben wollen und auch gern mal in die Stadt fahren“, sagt Werner Keller. Das gepflegte und gemütliche Anwesen mit vielen blühenden Blumen und Sträuchern, zahlreichen Obstbäumen, einem kleinen Teich, über den ein Steg zum Haus führt, verrät die fleißige Hand der Besitzer.

„Aber wir sind nicht Sklaven unseres großen Grundstückes“, betont Beate Keller. „Vormittags wird gearbeitet und nachmittags ist frei für uns. Meistens fahren wir zum Bummeln in die Stadt oder widmen uns unseren Hobbys. Ich beschäftige mich mit digitaler Bildbearbeitung, fertige unter anderem auch verrückte Geburtstagskarten an, und mein Mann geht der Imkerei mit zwölf Bienenvölkern nach“, so die Ehefrau.

Die Liebe zur Natur verbindet das Ehepaar. So hat Werner Keller auch die Pflegearbeiten für drei Klosterteiche übernommen, die innerhalb des Teichareals als gesondert geschützt ausgewiesen sind und in Verbindung mit der von ihm betriebenen Imkerei stehen. Unterstützung erhält er dabei von der Naturschutzbehörde des Kreises sowie vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt.

Zur Familie gehören nun schon seit 24 Jahren ihre beiden Ponys Fanny und Trix, die liebevoll gepflegt werden. „Ja, sie sind hier mit uns alt geworden“, sagt die Hausherrin und streichelt ihrem Pony über den Rücken.

Zahlen, Daten, Lesestoff

60 Einwohner zählt in etwa Hütten in der Gemeinde Bartenshagen-Parkentin.

Ein Kegelgrab aus der Mittleren Bronzezeit (etwa 1600 vor Christus) unweit des Ortes sowie Hünengräber aus der Jungsteinzeit (etwa 3000 vor Christus) zeugen von einer frühen Besiedlung.

1268 wurde die erste Glashütte Nordeuropas in Hütten urkundlich erwähnt. Sie wurde von Mönchen des Doberaner Klosters aus Ziegelsteinen erbaut, die zuvor in der Ziegelei Althof hergestellt worden waren. Aus den damaligen Glashütten wurde wohl der heutige Ortsname Hütten abgeleitet. In diesem Jahr wird Hütten 750 Jahre alt.

Das Jagdschloss war ursprünglich ein Fachwerkbau, der Mitte des 19. Jahrhunderts klassizistisch überformt wurde. Das Schloss war auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg Wirtschaftshof, der verpachtet wurde. Nach 1945 diente es als Flüchtlingsheim, später wurde ein Altersheim daraus. Heute ist es eine private Wohnanlage.

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Aufgewachsen bei Opa Willy Biemann

Gern erinnert sich Dr. Gerd Holzhüter (66) an seine Kindheit und Jugend in Hütten. Hier wuchs er bei seinen Großeltern Biemann auf. „Ja, mein Großvater Willy Biemann, der 1953 die Forststelle in Hütten übernahm, war leidenschaftlicher Förster und ein liebevoller, verständnisvoller Opa“, erzählt der promovierte Physiker. „Schön und unbeschwert war hier meine Kinderzeit. Wir hatten alles zum Spielen und Entdecken: den Hütter Wohld, Wiesen, Teiche. Viele Kinder waren wir damals, vor allem durch die Flüchtlinge nach 1945, die im Jagdschloss untergebracht waren. Auch bei uns im Forsthaus waren einige von ihnen einquartiert, dadurch war es schon sehr eng.“

Dem Großvater sei es ein Bedürfnis gewesen, schon bei Kindern die Liebe zur Natur zu wecken und ihnen nahezubringen, behutsam mit ihr umzugehen. „Wie oft führten Wandertage der Schulkinder nach Hütten zu meinem Großvater. Er lehrte sie Bäume und Pflanzen des Waldes zu erkennen, erklärte ihnen die Lebensweise der Waldbewohner.“ Auch er habe viel von ihm gelernt, sagt der 66-Jährige mit einem Lächeln. Bei allem, was der Großvater tat, sei er von klein auf an seiner Seite gewesen, ob beim Versorgen der 20 Bienenvölker, beim Angeln, bei der Aufzucht von Karpfen oder bei der Jagd. „Ja, ich war schon sein kleiner Schatten“, sagt Holzhüter schmunzelnd. „Ich bin in alles hineingewachsen. Zwar bin ich kein Förster geworden, sondern Naturwissenschaftler, aber der Jägerei bin ich bis heute treu geblieben.“

Zahlreiche der von Willy Biemann präparierten Waldtiere und Wasservögel hat der Physiker bis heute bewahrt und ihnen einen gebührenden Platz an Wänden sowie auf Regalen in seinem Wohnhaus in Parkentin gegeben: Eichhörnchen, Eulen, Enten. Ebenso sind zahlreiche stattliche Geweihe im Flur zu bestaunen, Jagdtrophäen von Gerd Holzhüter, dessen Vater sowie von Großvater Willy Biemann. „Schöne Erinnerungen“, meint der 66-Jährige. „Und bis heute sind die Tierpräparate aus dem ehemaligen Forsthaus, das leider abgerissen werden musste, sehr gut erhalten. Das Stall- und Wirtschaftsgebäude übernahm Leif Detlefsen.“ww

Ww Wilma Welzel

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