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Keine Wohnung für behinderte Josy (5)? Wiro lehnt Familie ab

Rostock Keine Wohnung für behinderte Josy (5)? Wiro lehnt Familie ab

Barrierefreie Wohnungen sind Mangelware in Rostock. Seit mehr als einem Jahr versucht Josys Familie, etwas Passendes zufinden. Ein Problem: Die Eltern sind verschuldet.

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Josy ist auf Rollstuhl und Stiefpapa Thomas Wegner angewiesen, der sie t�glich 64 Stufen tr�gt. Beide hoffen wie Mama Nadine K�ster und Bruder Tim auf eine behindertengerechte Wohnung.

Quelle: OVE ARSCHOLL

Rostock. Jeden Tag trägt Thomas Wegner die fünfjährige Josy Cheyenne 64 Stufen hoch und runter. 20 Kilo auf dem Arm, vier Etagen. Das Mädchen hat schwere Epilepsie und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Einen Fahrstuhl gibt es in ihrem Mietshaus in der Willem-Barents-Straße in Schmarl nicht. Die Familie sucht daher seit mehr als einem Jahr eine behindertengerechte Wohnung. Ohne Erfolg.

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Josy ist auf Rollstuhl und Stiefpapa Thomas Wegner angewiesen, der sie t�glich 64 Stufen tr�gt. Beide hoffen wie Mama Nadine K�ster und Bruder Tim auf eine behindertengerechte Wohnung.

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„Wir hatten uns eine aus unserer Sicht perfekte Wohnung von der Wiro angesehen“, erzählt Nadine Köster, die Mutter des Mädchens, das seit ihrem zweiten Lebensjahr an der Krankheit leidet und auch geistig behindert ist. All ihre Hoffnungen hätten auf diesen größeren Zimmern im Erdgeschoss in der Lorentzstraße geruht, erzählt Köster. Doch dann kam die Absage der Rostocker Wohnungsgesellschaft.

„Sie haben uns abgelehnt, weil wir negative Schufaeinträge haben“, meint Köster, die sich auch noch um den zweieinhalbjährigen Tim kümmern muss und aufgrund von Rückenproblemen arbeitsunfähig ist.

Obwohl das Jobcenter bereit sei, die Mietkosten zu tragen, ergänzt die 24-Jährige verzweifelt. „Ja“, bestätigt Michael Ahrens, Sprecher des städtischen Wohnungsunternehmens, „die Bonität der Familie wäre ein grundlegendes Problem, aber das würde sich ja durch die Übernahme der Kosten durch das Amt mildern.“ Schwerer wiege bei der Absage ein ganz anderer Grund: Die Behinderung der Tochter ließe nur eine Wohnung mit ausreichendem Schallschutz zu. „Und der ist in der besagten Wohnung nicht gegeben“, erklärt Ahrens weiter. Ohne Schallschutz würden sich die Probleme nur verschieben.

Damit spricht er die Beschwerden von anderen Mietern an. Regelmäßig flattern Briefe des aktuellen Vermieters, der WG Union, in die Wohnung der Familie, in der sie zu mehr Ruhe aufgefordert wird. Der OSTSEE-ZEITUNG liegen die entsprechenden Schreiben vor. Darin heißt es etwa, dass sich die Kinder „in den Ruhezeiten auch ruhig verhalten“ sollen. Aber genau das sei bei einem Kind mit Behinderung nicht möglich, entgegnet Kösters Lebenspartner Thomas Wegner diesen Forderungen. „Josy fällt mal etwas runter oder sie trampelt auf dem Boden“, sagt der 32-Jährige, der nicht der leibliche Vater ist, sich aber sehr um Josy kümmert. Das gehe soweit, dass er letztes Jahr seine Arbeit in Warnemünde als Koch habe aufgeben müssen, sagt er traurig. „Mit der Wohnung im Erdgeschoss bräuchte ich nicht immer da sein, um sie zu tragen und könnte wieder arbeiten.“

Michael Ahrens bedauert die Lage der Familie, verweist aber auf den Schallschutz, damit in neuer Lage die ebenso neuen Nachbarn nicht ähnliche Beschwerden hätten. Die Lärmbelästigung im Plattenbau sei nunmal höher. Ein weiteres Problem vermutet der Rechtsberater des Mietervereins Rostock, Kai-Uwe Glause, in der Höhe der Miete, die durch Investitionen der Wiro in eine lärmgerechte Wohnung folgen könnte. „Da könnte das Jobcenter plötzlich sagen, dass sie das dann nicht mehr übernehmen“, erklärt der Experte für Mietrecht. Dann hätte die Wiro investiert, aber die Familie könnte aus finanziellen Gründen nicht einziehen.

Wie schwer es für behinderte Menschen in Rostock ist, eine passende Wohnung zu finden, weiß Ralf Grabow vom Verein „Ohne Barrieren“ nur zu gut. „Es gibt eine ellenlange Warteliste. Vor allem für bezahlbaren Mietraum“, sagt er und klagt auch die Firmen an. Diese bauten zwar, „aber kaum barrierefrei“, sagt Grabow.

Ein negativer Schufaeintrag steht in vielen Lebenslagen im Weg. Das weiß auch Andreas Lehmann, Pressesprecher der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa). „Es ist immer ein Indiz dafür, dass jemand einen Kredit nicht fristgerecht bezahlen konnte.“ Nur wenn Schulden eine gewisse Höhe nicht überschritten und die Forderungen nicht von einem Amtsgericht tituliert worden seien, könnten Betroffene auf eine Kulanzlöschung hoffen. Ein Fall, der für Josys Eltern nicht in Frage kommt: Sie müssen wahrscheinlich Privatinsolvenz anmelden. Die würde ihre Bonität jahrelang schlecht aussehen lassen — auch vor Wohnungsunternehmen.

Claudia Tupeit

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