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Bad Doberan Klein Siemener wollen Kastanien retten
Mecklenburg Bad Doberan Klein Siemener wollen Kastanien retten
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00:00 30.08.2018
Die Miniermotte setzt den Bäumen dieser Allee von Klein Siemen wieder kräftig zu. Die Meisenkästen konnten es nicht verhindern. Quelle: Fotos: Thomas Hoppe
Klein Siemen

Das Baumpaten-Schild am Abzweig der L 11 zur Kastanienallee nach Klein Siemen ist verschwunden. Im September vor vier Jahren war diese „Alleen-Patenschaft“ unter dem Dach des „Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (Bund) ins Leben gerufen worden. Zehn Dorfbewohner hatten damals die Patenschaftsurkunde unterschrieben.

Gemeinsam sind wir stärker, sagten sich die Dorfbewohner und gründeten den Verein „Klein Siemen“ – für den gibt es viel zu tun.

Ist dieser ehrenamtliche Einsatz jetzt Geschichte? „Nein, nein, die Patenschaft lebt durchaus“, erklärt dazu die Bund-Expertin für Baum- und Alleenschutz, Katharina Dujesiefken, in Schwerin. Das Schild sei von Klein Siemenern gerettet worden, nachdem die Pfähle, an denen es jahrelang befestigt war, offenbar gestohlen wurden.

„Das sind dort ganz aktive Baumschützer. Insbesondere die Alleenpatin Sylvia Uhlig hat da viele Leute im Dorf mitgerissen. Nun hat sich dort auch ein Verein gebildet, der sich um die Entwicklung des Ortes kümmern möchte. Dazu zählt auch die Alleenpatenschaft“, ergänzt die Bund-Referentin. Sie hatte bereits 2014 vorausgesagt, dass diese Alleenpatengemeinschaft nicht vom Schild abhängig sei, das irgendwann vergessen werde. „Diese Patenschaft lebt davon, dass die Leute für die Allee sensibilisiert sind, dass sie die Kastanien beobachten.“

Die Expertin bestätigt: „Es gab dort 2014, 2015 und 2016 gemeinsame Begehungen mit Vertretern der Stadt und der Unteren Naturschutzbehörde, wo einige Maßnahmen festgelegt wurden, die zum Teil auch abgearbeitet wurden. So wurden beispielsweise Stubben gefräst. Zwei Rosskastanien mussten gefällt werden, weil sie vom Bakterium Pseudomonas befallen waren. Eine grobe Pflege soll erfolgt sein und die Dorfbewohner brachten Blaumeisen-Nistkästen an“, zählt die Referentin auf. „Ja, die haben wir vor zwei Jahren bei einem Subbotnik, wie es hier heißt, angebracht. Das war ein Versuch, Vögel zu ermuntern, sich dort niederzulassen, weil die dann auf die Miniermotten gehen, die alle Bäume schwer im Griff haben. So ist die Theorie“, erklärt Dr. Johann-Günther König.

In der Praxis sei allerdings nicht viel passiert. „Wir werden also Ringe setzen müssen. Es gibt ein paar Möglichkeiten, die man nutzen kann. Wir haben ja auch im Verein, der jetzt für die Allee die Patenschaft übernommen hat, greifbares Wissen dazu – die Leiterin des Rostocker Grünamtes, Ute Fischer-Gäde, zum Beispiel“, ergänzt das Vorstandsmitglied des seit Februar geschäftsfähigen Zusammenschlusses „Klein Siemen“. „Wir müssen verhindern, dass Bäume gefällt werden, solange es geht. Wenn sie aber eine Gefahr für die Öffentlichkeit sind, geht es natürlich nicht mehr. Ob wir dann wieder Kastanien pflanzen, ist die nächste Frage“, erläutert Johann-Günther König weiter. Der Schriftsteller und Publizist, der seit 1975 Gedichte, Prosa, literarische Reiseführer und Sachbücher veröffentlicht, beschäftigt sich zurzeit auch mit der Dorfgeschichte. Dabei stieß er auf Hinweise, dass der einstige Gutsbesitzer Johann Gildemeister hier im 19. Jahrhundert 1000 Eichen und Ahornbäume gepflanzt haben soll: „Mit Kastanien hatte er gar nicht so viel am Hut“, erklärt Dr. König.

Dem Verein „Klein Siemen“ gehören mehr als 30 von den insgesamt 56 Dorfbewohnern an. „Es gibt hier sehr viele Veranstaltungen über das Jahr. Im Oktober kommt zum Beispiel die Obstpresse aus Satow hierher, dann gibt es das große Apfelfest mit einem Apfelkuchenwettbewerb. Im Dezember wird auf dem Gutshof gefeiert – mit Tanzlehrerin und Gesellschaftstänzen. Im Januar/Februar findet eine lustige Kohlfahrt statt. Da wird geboßelt und anschließend gibt es den von mir zubereiteten Kohl und Pinkel nach Bremer Richtlinie. So geht es immer weiter, Ostern, Sonnenwende...“, zählt der Vereinsschriftführer Johann-Günther König auf.

Der 66-Jährige gehört dem Vereinsvorstand – unter Leitung des 1. Vorsitzenden, dem Dramatiker und Unternehmer Bert Koß, der im März einen Grimme-Preis erhielt – an. Der zweite Vereinsvorsitzende ist Enrico Mathews. Als Kassenwärterin fungiert Claudia Lucht-Albath. Und die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet Maja Termann.

Der Verein hat noch viel zu tun. „Mit dem Bund hat Klein Siemen das erste Mal Ernst gemacht, unsere Kastanienallee zu schützen. Denn es gab Überlegungen, hier im Kreis Bäume zu fällen, da wurden schon die Punkte gemacht. Wir müssen jetzt die Anstrengungen vergrößern, die Miniermotte von den Bäumen wegzuhalten. Wir harken zusammen die Blätter weg. Wir prüfen, ob es auch Fördergelder für weitere Projekte gibt“, erklärt das Vorstandsmitglied Dr. König. Der Verein soll dabei helfen, diese Dinge – wie auch den derzeit völlig verlandeten Dorfteich – besser auf die Reihe zu bekommen.

Thomas Hoppe

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