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Bad Doberan Kröpeliner Koffer-Kaleidoskop
Mecklenburg Bad Doberan Kröpeliner Koffer-Kaleidoskop
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00:00 29.08.2018
Kröpelin

Wilfried Stern, dem vor ein paar Tagen druckfrische Exemplare seines sechsten Buches zugeschickt wurden, deutet an, dass er bereits an Nr. 7 und Nr. 8 arbeite. Lachend sagt er: „Mensch, ich gehe auf die 80 zu und muss sehen, dass das fertig wird!“

Wilfried Stern veröffentlicht in seinem sechsten Buch „Geschichten rund um ein Behältnis“

„Trude, nimm den Koffer!“ steht über seinen „Geschichten rund um ein Behältnis“, die auf etwas mehr als 200 Seiten erzählt werden und vom „verlag im Park“ aus Berlin in einen Paperback-Buchumschlag verpackt wurden, der vorn einen Haufen alter Koffer und hinten den Autoren mit einer hölzernen Kiste zeigt. Das ist der Soldatenkoffer seines Vaters Willy, der 1947 aus US-Gefangenschaft heimkehrte.

Dieses väterliche Erbe veranlasste Wilfried Stern, Ernstes und Unterhaltsames über Koffer im Allgemeinen und im Besonderen aufzuschreiben, heißt es vom Verlag.

Vorweg, das Buch ist keine leichte Kost, sondern es wird manchem sehr schwer im Magen liegen. Der Autor empfand jedenfalls „richtig Freude“, als er sein neuestes Werk in den Händen hielt: „Andere sitzen auf dem Markt und gucken so, wo die Autos fahren...“

Seinem Stil bleibt Stern treu, er schreibt alles frei weg von der Leber (siehe Kasten) und bringt immer wieder Lokalkolorit in seine Stories. So erfahren die Leser von einer Kröpeliner Familie, die Anfang der 60er Jahre aus der DDR abhauen wollte und statt im Westen im Gefängnis Bützow-Dreibergen landete. Vater und Sohn sollen über ihren Fluchtplan bei der Abschiedsfeier in der Gaststätte „Sonne“ geplaudert haben. Aus Neubukow erzählt der gebürtige Moldawier Jakob Bauer (Jg. 1931), dass seine Familie zum Ende des Zweiten Weltkriegs aus der damaligen Heimat vertrieben wurde. Es kommt auch ein Erich Hexel vor. Der „war ein anerkannter und von allen geschätzter Bürger Kröpelins“. Der spätere Russisch-Lehrer und Vize- Direktor der Thälmann-Oberschule stammte aus der Ukraine.

Hin und wieder streut der Autor eigene Erlebnisse, wie unter der Überschrift „Geldkoffer“, ein und berichtet dabei, wie er als Tischlermeister eine Gaststättenräumung im damaligen Kreis Bad Doberan verantwortete: „Der Wirt war die Bezahlung der Rechnungen schuldig geblieben.“

Über eine heute noch umjubelte Musikerin und Chorleiterin wird aus einer alten Zeitung zitiert, dass auf der damaligen Kühlungsborner Kreisbauernkonferenz „dem zehnjährigen Pionier Barbara Sitte, die als Solistin im Klavierkonzert von Joseph Haydn ihr geschultes Können zeigte“, ein „nicht enden wollender Beifall“ galt. Die von Anfang 1945 überlieferte Aufforderung an Barbaras Mutter „Trude, nimm den Koffer, die Russen kommen!“ gab dem Stern-Buch schließlich den Titel. Der Autor schildert darin auch die Integrationsbereitschaft der Breslauer Sittes in Mecklenburg.

„Die haben sich eingebracht, da hat sich keiner drum gekümmert. Die haben nur gesagt, ,du machst Hausmeister oder Wachmann und dann hast du eine Wohnung und dann ist gut’. Die Sittes haben sich integriert – ohne so ein Theater, was man heute alles macht: Du kriegst Geld, du kriegst Wohnung, du kriegst Sachen...“, erläutert dazu Wilfried Stern im kurzen Buchvorstellungsgespräch. Auf die aktuellen Beispiele gelungener Integration in der Region angesprochen, stimmt der Autor der Feststellung zu, dass man in so einer vielschichtigen Sache für alles Beispiele finden könne, letztlich gehe es um grundsätzliche Entscheidungen. Und mit dieser aktuellen Politik hat der Kröpeliner, wie auch sehr viele Zeitgenossen, seine Probleme. Dabei richtet sich sein Groll immer wieder auf „die da oben“. Von der ersten Buchseite bis zur letzten, von „Die großen Themen werden zentral von oben gesteuert und propagiert“ bis hin zu „Von offizieller Seite hüllt man sich in Deutschland in Schweigen“

(da geht’s um die Schlacht von Stalingrad, Anm. d. Red.).

Dazwischen geht es bunt und rabenschwarz immer wieder durcheinander – wie in einem Kaleidoskop. So geht es unter anderem um „die Koffer des Reichsmarschalls“, Piloten- und Diplomatenkoffer, Honeckers Koffer, Grill- und Werkzeugkoffer, einen Volvo mit Kofferaufbau, in dem 71 Menschen starben, den Atombombenkoffer und die angeblichen „Blitzerkoffer“, die auch derzeit wieder in der Region zu sehen sind. Wilfried Stern ordnet diese grauen Plasteteile als „Abzockinstrumente“ ein, weil sie „aus dem Hinterhalt“ auch die Fahrzeuggeschwindigkeit messen können. Doch mit so einer Blackbox des Amtes für Straßenbau und Verkehr wurde zum Beispiel in Neubukow Anwohnerprotesten nachgegangen, dass auf ihrer Straße zu schnell gefahren würde. Sie sollen auch der Erarbeitung von Verkehrs- und Lärmkonzepten dienen – aber man kann ja an allem zweifeln.

Eine größere Tragweite gewinnt allerdings die angedeutete Vermutung des Autoren, dass es unwahrscheinlich sei, dass in die USA einige hunderttausend Fremde unkontrolliert einreisen würden (quasi im Gegensatz zu Deutschland). Laut dem Center of Migration Studies (ein überparteilicher Think-Tank mit Sitz in New York) lebten im Jahr 2015 (als der Kröpeliner sein Buch schrieb) um die 11 Millionen illegale Einwanderer in den Staaten.

In dem Kapitel „Lass den ,Koffer’ stehen!“ rechnet der 79-Jährige vor, wie viele „Zeitbomben“ in der Republik leben würden, wenn „nur jeder Hundertste“ zu den Gefährdern gehöre: „zweimal Kröpelin“.

Und der Autor fragt sich, ob nur gesunde Menschen zu uns kommen würden.

Wie dazu die OZ von einer Ehrenamtlerin erfuhr, beschäftigt die Antwort schon längst auch die Ärzte in der Region. Es gibt noch eine Menge in diesem Bereich zu klären. Und wenn da „menschliche Integrität, Solidarität, Menschlichkeit, Nächstenliebe und Zivilcourage“ verstärkt Einzug „in unser tägliches Leben“ hielten, wie es Wilfried Stern zum Ende seines Buches hofft, dürfte das auch gelingen.

Frei weg von der Leber

Die Redensart „Frei weg von der Leber reden“ steht dafür, Konflikte offen anzusprechen und seinen Gefühlen Luft zu machen. Die Leber als vermeintlicher „Sitz der Lebenssäfte“ kann demnach durch freimütiges Reden von angehäuftem Groll (nach der antiken Viersäftelehre durch gelbe Galle repräsentiert) befreit werden. Die alten Griechen meinten, dass die Gesundheit einer harmonischen Verteilung der vier Säfte Blut (Luft), Schleim (Wasser), schwarze Galle (Erde) und gelbe Galle (Feuer) entspreche.

Thomas Hoppe

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