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Auf anonymer Urnenwiese keine Grab-Beigaben zulässig

Kühlungsborn Auf anonymer Urnenwiese keine Grab-Beigaben zulässig

Stadtverwaltung Kühlungsborn verbietet das Betreten der Bestattungsfläche

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Seit Kurzem ist die anonyme Urnenwiese auf dem Kühlungsborner Friedhof Ost sichtbar mit Schild und Kette versperrt. Die Ablage von Grabbeigaben hatte Überhand genommen.

Quelle: Foto: Rolf Barkhorn

Kühlungsborn. Dass Gräber von verstorbenen Angehörigen mit Blumen und anderem Grabschmuck versehen werden, gehört seit Jahrhunderten zur europäischen Bestattungs- und Grabkultur. Aber wenn die Verstorbenen – oft vorher im letzten Willen verfügt – so bestattet werden, dass die genaue Position ihrer letzten Ruhestätte unbekannt bleibt, ist jeglicher Grabschmuck fehl am Platz.

Dieser Standpunkt wird jetzt von der Stadtverwaltung Kühlungsborn vertreten und inzwischen mit Nachdruck auch umgesetzt.

Seit Kurzem ist der Zugang zur anonymen Urnenwiese auf dem städtischen Friedhof am Ortseingang in Kühlungsborn sichtbar mit einer Kette abgesperrt. Auf einem Schild, das an der Kette angebracht ist, steht: „Das Betreten des anonymen Urnenfeldes und das Ablegen von Grabschmuck sind nicht gestattet“. Zu diesem drastischen Schritt sah man sich in der Stadtverwaltung gezwungen, weil das Ablegen von Beigaben rund um den Gedenkstein inmitten der anonymen Grabanlage immer mehr zunahm.

„Anfangs wurden noch einzelne Blumen abgelegt, Dann wurden es größere Gebinde. Hinzu kamen Kerzen, Plüschtiere und andere Figuren bis hin zu kleinen Osterhasen“, informiert Bürgeramtsmitarbeiterin Annegreth Langguth.

Die Gegenstände wurden aber nicht wieder weggeholt, blieben dort liegen ebenso wie die verwelkten Blumengaben.

Schließlich gab es Beschwerden von Hinterbliebenen. „Einer schrieb uns, dass Grabschmuck auf einem anonymen Urnenfeld nichts zu suchen hat. Auch wurde beklagt, dass ständig Angehörige beim Ablegen von Blumen und Utensilien die Anlage betreten würden. Manche stellten ihre Blumen in Vasen an bestimmten Stellen, den vermeintlichen Grabstellen ihrer Angehörigen, ab. So etwas geht gar nicht. Der Verfasser dieser Beschwerde hatte Recht. Wir mussten handeln“, sagt Kühlungsborns Bürgermeister Rainer Karl. Von der Vertragsgärtnerei, die den Friedhof pflegt, wurde sämtlicher illegaler Grabschmuck von der Wiese entfernt. „Die Gärtnerei hat den Auftrag, künftig sofort alles abzuräumen, was dort abgelegt wird“, erläutert Karl und fordert alle Bürger dazu auf, die Anonymität des Urnenfeldes ohne Wenn und Aber zu respektieren.

Die anonyme Art der Bestattung habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, berichtet Karl. Nach eingefassten Urnengräbern sei die anonyme Wiese inzwischen die an zweiter Stelle gewählte Bestattungsvariante. Stark zurückgegangen sei dafür die früher dominierende Sargbestattung.

Welche Art Grabstätten in Kühlungsborn möglich sind, ist in der Friedhofsatzung aus dem Jahr 2000 geregelt, die auf der Internetseite der Stadtverwaltung als PDF-Dokument bereitsteht.

Allerdings ist darin die anonyme Bestattung unter Paragraf 16 nur kurz mit dem Hinweis darauf erwähnt, dass Grabstellen auf einer Wiese bereitgestellt werden und die Verwaltung ein Register über die Lage der Ruhestätten führt.

Es ist also gut möglich, dass sich die Stadtvertreter in ihren Fachgremien die Friedhofsordnung noch einmal vornehmen und die Definition der anonymen Bestattung ausführlicher darstellen und genaue Regeln festlegen.

Angeregt wurden inzwischen auch Überlegungen darüber, ob das Ostseebad an den vorhandenen zwei Friedhöfen auch zukünftig festhalten oder einen von beiden Plätzen langfristig aufgeben soll. Die Diskussion darüber steht erst ganz am Anfang. Aber es ist eben auch die veränderte Bestattungskultur, die inzwischen für eine geringere Auslastung der Flächen auf den Friedhöfen sorgt.

Sollte sich die Ortspolitik eines Tages darauf einigen, langfristig nur noch einen Friedhof im Ostseebad zu belassen, würde der andere aber erst frühestens 25 Jahre nach dem letzten dort stattgefundenen Begräbnis aufgelöst werden.

Da es jedoch unter Kommunalpolitikern und in der Bevölkerung große Vorbehalte gegen die Aufgabe, egal welchen Friedhofes, gibt, ist mit einer zügigen Entscheidung dazu nicht zu rechnen.

Im Internet: www.stadt-kuehlungsborn.de/ortsrecht-.html

Rolf Barkhorn

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