Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kühlungsborn Das einsame Liebesschloss von Kühlungsborn
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Das einsame Liebesschloss von Kühlungsborn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 19.04.2013
Liebesbeweise an Brücken gibt‘s nicht nur in Großstädten, sondern auch in unserer Region — wie am Alten Strom in Warnemünde. Quelle: Carolin Riemer
Kühlungsborn

Traurig und verlassen hängt es da, das kleine rote Schloss am Zaun vor der Kühlungsborner Seebrücke. Schon leicht angerostet, mit einem weißen Herzchen und den Initialen „W+W“ verziert. Vor einigen Tagen noch umgeben von dutzenden bunten und blinkenden Artgenossen, fristet es jetzt ein einsames Dasein.

„Wir haben uns erst vor drei Wochen hier verewigt“, sagt Katja Drews traurig. Auch die 32-jährige Potsdamerin, die sich derzeit in der Ostseeklinik von einer schweren Erkrankung erholt, sucht ihren Liebesbeweis vergebens. „Dabei sollte doch das Schlösschen meinem Freund Marco und mir wieder neue Kraft geben.“

Sind diese Symbole der Zuneigung etwa dem allgegenwärtigen Frühjahrsputz im Ostseebad zum Opfer gefallen? „Ich wusste gar nicht, dass es hier so was gibt“, sagt Angela Wehner, Leiterin des Bürgeramtes, und lacht. „Eine offizielle Maßnahme der Verwaltung war es jedenfalls nicht.“

In vielen Städten ist das Anbringen von Schlössern strikt verboten. Zum einen stört der optische Eindruck, andererseits kann es durch Korrosion zu Rostschäden an den Brücken kommen. Darüber hinaus werden Beschädigungen bei der Entfernung der Schlösser von einigen Kommunen als Problem gesehen.

„Wir haben damit nichts zu tun“, versichert auch Eberhard Wieck vom Kühlungsborner Ordnungsamt. „Ich gehe da zwar nicht jeden Tag vorbei — aber um ehrlich zu sein: Mir sind die kleinen Vorhängeschlösser noch gar nicht so aufgefallen.“

Für Anneliese Braun waren die Kühlungsborner Exemplare ohnehin nur „ein Klacks“. „Die paar Dinger“, sagt die 74-jährige Düsseldorferin und winkt ab. „Da bin ich aus Köln ganz andere Sachen gewohnt.“

Dort, an der gut 400 Meter langen Hohenzollernbrücke, blinken tausende Vorhängeschlösser in der Sonne — ein Wallfahrtsort für Verliebte.

Wem also waren letztlich die liebevollen „Verzierungen“ im Ostseebad ein Dorn im Auge? Etwa herzlosen Metalldieben? Oder vielleicht einem verschmähten Liebhaber? „Sollen sich die jungen Leute doch einen Spaß daraus machen“, sagt Eberhard Wieck. „Wir hätten jedenfalls nichts dagegen.“

Das übrig gebliebene, rote Schloss hat sich offenbar standhaft gegen seine Feinde gewehrt — „W+W“ wird‘s freuen . . .

Italienischer Brauch
Liebesschlösser sind Vorhängeschlösser, die nach einem Brauch von Jungverliebten an Brücken angebracht werden, um symbolisch die ewige Liebe zu besiegeln. Es wird vermutet, dass Absolventen der Sanitätsakademie San Giorgio in Florenz die Urheber dieses Brauches sind. Mit dem Ende ihrer Ausbildungszeit befestigten sie die Vorhängeschlösser ihrer Spinde an einem Gitter des Ponte Vecchio.


Beschriftungen oder Gravuren mit Vornamen oder Initialen der Verliebten finden sich oft auf den Schlössern — teilweise mit Datum. Nach dem Befestigen wird der Schlüssel in das darunter fließende Gewässer geworfen.

Ich wusste gar nicht, dass es in Kühlungsborn so was gibt.“Angela Wehner,

Leiterin Bürgeramt

Lennart Plottke

Anzeige