Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Die Hüterin des Geldes sagt „Tschüss“

Kühlungsborn Die Hüterin des Geldes sagt „Tschüss“

Jeane Wohlschlegel leitete 23 Jahre die Kämmerei im Kühlungsborner Rathaus. Seit Juni 1994 ist sie auch die erste stellvertretende Bürgermeisterin des Ostseebades. Heute wird sie in den Ruhestand verabschiedet.

Voriger Artikel
Warnemünde — Tor zur German Riviera
Nächster Artikel
Kunst aus der Region unter dem Hammer

Von Bauhof-Chef Andreas Wegener bekam Jeane Wohlschlegel eine von ihm geschnitzte Holz-Stele als Abschiedsgeschenk. Sie ruht auf einem Stein — ein Symbol für den Straßenbau.

Quelle: Fotos: Lutz Werner

Kühlungsborn. Stadträtin Jeane Wohlschlegel (61) hat heute ihren letzten Arbeitstag — nach 23 Jahren im Rathaus des Ostseebades Kühlungsborn. Die Kämmerin und erste stellvertretende Bürgermeisterin verabschiedet sich in den Ruhestand.

Bürgermeister Rainer Karl (parteilos) würdigt das Wirken seiner Stellvertreterin und Hüterin des Geldes so: „Jeane Wohlschlegel hat das kommunale Finanzwesen in Kühlungsborn nach der Wende aufgebaut.

00010bvu.jpg

Jeane Wohlschlegel hat das kommunale Finanzwesen in unserer Stadt nach der Wende aufgebaut.“Rainer Karl (parteilos), Bürgermeister von Kühlungsborn

Zur Bildergalerie

Sie war eine der führenden Persönlichkeiten der ersten Stunde nach der Wende im Rathaus. Sie ist eine engagierte, starke und selbstbewusste Frau.“ Und der Bürgermeister fügt hinzu: „Sie ist so, wie man sich eine Finanzerin vorstellt: Sie hielt das Geld zusammen. Mehrte es, weil sie ständig nach neuen Einnahmen suchte und gab es sinn- und maßvoll aus.“

Stadtvertreterin Iris Eichler (Linke), die Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses „ist einfach nur traurig, weil sie jetzt geht. Wir verlieren eine fachlich hoch kompetente Mitstreiterin, die immer ein sehr gutes Verhältnis zu den Stadtvertretern hatte. Hätten wir sie gerade in den ersten, sehr schwierigen Nachwendejahren nicht gehabt, würden wir heute nicht dort stehen, wo wir jetzt sind.“

Außenhandelskauffrau Jeane Wohlschlegel führte 1977 die Liebe von Leipzig an die Küste — ihr Mann Michael ist Kühlungsborner. Die letzten Jahre vor der Wende leitete sie die Zentrale Einweisung des FDGB-Feriendienstes. „Mein Arbeitsplatz war da, wo jetzt die Rezeption des Hotels ,Polar-Stern‘ in der Ostseeallee steht“, erinnert sie sich. Dann ging es ihr so, wie Hunderttausenden Menschen in der verschwindenden DDR. Den FDGB-Feriendienst gab es bald nach der Wende nicht mehr und „ich musste mir was Neues suchen — auch, um die Existenz zu sichern.“ Jochen Schaft, der Vorsitzende des Finanzausschusses der ersten frei und demokratisch gewählten Stadtvertretung nach der Wende, fragte bei ihr an, ob sie nicht Kämmerin im Rathaus werden wolle. „Ich habe nicht lange überlegt und zugesagt. Obwohl ich natürlich auch Angst hatte, ob ich das stemmen würde. Den wir hatten damals buchstäblich von nichts eine Ahnung, was die Verwaltungsarbeit anging.“

Berater aus Schleswig-Holstein und aufwendige Wochenendqualifizierungen, „bei denen ich als Mutter von zwei Töchtern oft bis an die Schmerzgrenze gehen musste“, machten aus Jeane Wohlschlegel schließlich recht schnell eine kompetente Fachfrau für kommunale Finanzen.

In den 23 Jahren an der Spitze der Kämmerei hat Jeane Wohlschlegel rund 60 Millionen Euro an öffentlichen Investitionen geplant, deren Verwendung begleitet und kontrolliert. Der „ganz normale“

Stadthaushalt, den sie in jedem Jahr mit ihrem Team zu erarbeiten hatte, hat ein Volumen von zehn Millionen Euro, dazu kommen der Haushalt des Kommunalservice Kühlungsborn mit fünf Millionen Euro.

Und die verantwortliche Teilhabe der stellvertretenden Bürgermeisterin an nahezu allen wichtigen Vorgängen im Rathaus.

Besonders stolz ist Jeane Wohlschlegel darauf, „dass es uns in den ersten 15 Jahren nach der Wende gelang, nahezu die gesamte öffentliche kommunale und touristische Infrastruktur neu zu bauen. Mit dem Ergebnis, dass sich dadurch auch die privaten Investoren die Klinke in die Hand gaben. Und dass wir danach einen Schulkomplex und öffentliche Sportstätten neu gebaut haben, die ihresgleichen im Land suchen. Dazu kommen die drei neu gebauten bzw. sanierten Kindergärten.“ — „Ärgerlich“ ist sie darüber, „dass noch immer am Projekt des Neubaus der Schwimmhalle am Baltic Platz festgehalten wird.

Dieses Grundstück in Top-Lage hätte einen Architektenwettbewerb verdient, in dessen Ergebnis wir ein Gebäude mit touristischer Infrastruktur hätten bauen können, die wir wirklich brauchen“, sagt sie.

„Hochfliegende Pläne“ für den Ruhestand hat Jeane Wohlschlegel nicht. „Ich habe 43 Jahre meines Lebens intensiv gearbeitet. Jetzt werde ich einfach loslassen und mit meiner Familie das Leben genießen“, sagt sie.

Dirk Lahser ist der Neue an der Spitze der Kämmerei
Dirk Lahser (37) wird ab kommenden Montag die Kämmerei im Rathaus leiten. Der Finanz-Experte, der eine Ausbildung als Steuerfachangestellter absolvierte und danach ein Studium als Diplom-Kaufmann (FH) abschloss, wechselt von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus Rostock in das Rathaus von Kühlungsborn.

Sieben Bewerber reichten ihre Unterlagen ein, nachdem die Führungsposition im Rathaus im vergangenen Frühjahr ausgeschrieben worden war. Drei Bewerber kamen schließlich in die engere Wahl — Lahser setzte sich durch.

Dirk Lahser ist in Büttelkow aufgewachsen und wohnt dort heute noch auf einem ehemaligen Bauerngrundstück. Er ist mit einer gebürtigen Kühlungsbornerin verheiratet. Das Ehepaar hat drei Kinder, darunter Zwillinge.

„Ich habe eine gesunde Portion Respekt vor der neuen Aufgabe“, sagt Lahser. Allerdings sei er fachlich gut vorbereitet für den neuen Job. „Das in den Kommunen neue Haushaltssystem Doppik — die doppelte Buchführung — habe ich von der Pike auf gelernt.“ Vorgängerin Jeane Wohlschlegel hinterlässt ihm eine Finanz-Abteilung, die schon mit Doppik arbeitet.

 

 

Lutz Werner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kühlungsborn
Verlagshaus Bad Doberan

Service-Center:
Am Markt 2
18209 Bad Doberan

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:
Alexandrinenplatz 1 a
18209 Bad Doberan

Leiterin Lokalredaktion: Anja Levien
Telefon: 0 38 203 / 55 300
E-Mail: bad-doberan@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.