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Kühlungsborn Dieser breite Strand hat genug Sand
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Dieser breite Strand hat genug Sand
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00:00 02.04.2014
Am westlichen Strand von Kühlungsborn wurden 22 Buhnen neu gebaut. Sie machen ihren Job — halten den Sand und landen neuen an. Quelle: Fotos: Lutz Werner

Viel zu teuer und auch viel zu spät im Jahr: Eine großflächige Aufspülung von Sand am Kühlungsborner Strand wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. „Wir haben die Ausschreibung zurückgezogen und werden im zeitigen Frühling 2015 einen neuen Anlauf nehmen“, informiert Bürgermeister Rainer Karl (parteilos).

Und lässt die Zahlen sprechen. 96 000 Kubikmeter Sand sollten entlang des Kühlungsborner Strandes aufgespült werden. „Das günstigste Angebot lag bei 2,1 Millionen Euro netto — ohne die Mehrwertsteuer, die auch noch eingerechnet werden muss. Das übersteigt das Limit, das wir uns gesetzt haben, bei weitem. Zudem auch kein Druck da ist. Wir haben einen guten, an vielen Abschnitten breiten Strand. Der Neubau von Buhnen und die Verlängerung der bestehenden in den vergangenen zwei Jahren zeigen positive Wirkung“, erklärt er.

Die Aufspülung sollte eigentlich das Sahnehäubchen auf die millionenschweren Baumaßnahmen zur Verbreiterung des Kühlungsborner Strandes werden. „Aber die Naturschutzverbände haben viele Auflagen im Genehmigungsverfahren durchgedrückt, sodass alles jetzt sehr kompliziert geworden ist und die Kosten in die Höhe getrieben hat“, erklärt der Bürgermeister.

Denn anstelle 200 000 Kubikmeter Sand flächendeckend verteilen zu können — auch schon in der Flachwasserzone — wurde die Menge auf die Hälfte reduziert. Und Sand dürfe nur punktuell vor den Dünen ausgebracht werden, um Biotope an Steinfeldern und die Kleinlebewesen in der Uferzone nicht zu gefährden. „Der Aufwand an Technik ist derselbe, die geförderte Menge beträgt nur die Hälfte. Dazu kämen aufwendige Vermessungs- und Markierungsarbeiten, um die Stellen kenntlich zu machen, auf denen aufgespült werden dürfte. Das macht jetzt keinen Sinn“, so der Bürgermeister. Und die Firmen, die sich an der Ausschreibung beteiligten, hätten erst im Mai mit der Aufspülung beginnen können, weil ihre Technik andernorts gebunden sei. „In dieser Zeit stehen schon längst die Körbe der Strandkorbvermieter“, erklärt Karl. Er setzt jetzt auf ein besseres Ausschreibungsergebnis im kommenden Jahr.

Auf der Strecke bleibt dabei allerdings der kurze Strandabschnitt mit dem kleinen Buk westlich der Seebrücke. Dort ist, wie in jedem Frühjahr, der Sand fast völlig verschwunden. Und das wird auch so bleiben, wenn Wind und Wellen keinen neuen anlanden. „Dort werden wir der Natur ihren Lauf lassen. Denn Aufwand und Nutzen durch technische Maßnahmen stehen in keinem Verhältnis und es handelt sich um nicht viel mehr als vielleicht 200 Meter“, sagt der Bürgermeister. Ulrich Langer, der Geschäftsführer der Touristik Service Kühlungsborn GmbH, die auch den Hafen betreibt, ist alles andere als begeistert davon, dass die Aufspülung abgeblasen wurde. Die Sandbank vor der Nordmole, die dabei abgesaugt werden sollte, wird immer breiter und schiebt sich auch Richtung Hafeneinfahrt vor. „Wir werden jetzt in der Einfahrt das Fahrwasser loten und hoffen, dass wir keine böse Überraschung erleben. Wenn es dort zu flach wird, müssen wir uns etwas einfallen lassen“, erklärt Langer.

Er hatte gehofft, sich beim Absaugen der Sandbank einklinken zu können und, wenn der Saugbagger einmal vor dem Hafen arbeitet, auch gleich die Einfahrt mit ausbaggern zu können. Doch daraus wird jetzt nichts.

Die Buhnen bringen es
2,1 Millionen Euro hätte die Aufspülung von gerade einmal 96 000 Kubikmeter Sand gekostet. Netto, die Mehrwertsteuer käme noch drauf. Zu teuer, entschied die Stadt Kühlungsborn. Denn am Strand sieht es gut aus.
1,3 Millionen Euro netto kostete der Neubau von 22 Buhnen zwischen der Ostseeklinik und dem Schloss am Meer sowie die Verlängerung der 42 bestehenden Buhnen bis kurz hinter die Seebrücke. Die Buhnenbaumaßnahme zeigt den gewünschten Effekt. An vielen Stellen wird der Kühlungsborner Strand breiter.



Lutz Werner

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