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Kühlungsborn Freier Blick aufs Meer – trotz Küstenwald
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Freier Blick aufs Meer – trotz Küstenwald
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00:05 19.10.2017
Die freie Fläche, die einen schönen Blick aufs Meer bietet, muss wieder aufgeforstet werden. Der freie Blick wird zuwachsen. Die Naturschützer Carsten Großmann (l.) und Claus-Dirk Petersen bringen eine Aussichtsplattform als Alternative ins Gespräch. Quelle: Fotos: Lutz Werner (2), Frank Söllner (1)
Wittenbeck

Eine Aussichtsplattform – nur ein paar Meter entfernt von der Wittenbecker Steilküste vor dem Strandparkplatz –, die einen weiten, freien Blick auf die Ostsee, die Küste und landeinwärts zu den sanften Hängen der Kühlung bietet. Noch ist es nur eine Vision. Der Wittenbecker Claus-Dirk Petersen und der Bad Doberaner Architekt Carsten Großmann stellten die Idee gestern dort vor, wo das Bauwerk stehen könnte – wenn es seine Befürworter findet. Beide sind Mitglieder der Ortsgruppe Bad Doberan und Umland des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Naturschützer bringen Aussichtsplattform an Wittenbecks Steilküste ins Gespräch

Mit dem Parkplatz – ein beliebter, wenn auch bisher ziemlich einfacher Wohnmobilstellplatz – hat die Gemeinde Großes vor. Ein Bebauungsplan wurde auf den Weg gebracht mit dem Ziel, dort einen Stellplatz mit moderner Infrastruktur zu bauen. Machen will das der Wittenbecker Hans-Magnus von Brandenstein, dem der größte Teil der Fläche – vom Molli-Bahnübergang bis zur Kliff-Kante – gehört.

Die Aussichtsplattform könnte an der Nordseite des Parkplatzes, dicht am Küstenrad- und Wanderweg zwischen Kühlungsborn und Heiligendamm gebaut werden, so die beiden Ideegeber vom BUND. „Dort wird wahrscheinlich eine vom Investor wirtschaftlich nicht nutzbare Wendeschleife für Rettungsfahrzeuge verlaufen. Die Fahrzeuge könnten problemlos unter der Plattform durchfahren“, meint Großmann. Der Architekt denkt an ein größeres Bauwerk – „schon mehr als 3 mal 3 Meter“ – das sich gut in die naturnahe Landschaft des Küstenwaldstreifens einfügen soll. 100000 bis 200000 Euro könnte das kosten, schätzt Großmann. Ohne Fördermittel werde es nicht gehen.

„Wir stellen die Idee heute erstmals der Öffentlichkeit vor, wollen eine Diskussion darüber auslösen. Der Investor des Wohnmobilstellplatzes sollte sich in aller Ruhe damit beschäftigen, denn ohne ihn geht hier natürlich nichts. Wenn er sich mit der Idee anfreunden könnte, sollte es einen Ideenwettbewerb geben“, schlägt Petersen vor. Dirk Stübs, der amtierende Bürgermeister der Gemeinde, der gestern Vormittag an der Steilküste dabei war, will die Idee im nächsten Bauausschuss auf die Tagesordnung setzen. „Ich könnte mir das schon vorstellen. Finanziell kann sich die Gemeinde allerdings nicht beteiligen“, stellt er klar.

„Wir haben hier die Chance, etwas wirklich touristisch Attraktives mit Alleinstellungsmerkmal in der Gemeinde Wittenbeck zu schaffen. Und machen damit ein Versöhnungsangebot an alle, die in den jahrelangen, unerträglich gewordenen Streit um diesen Platz verwickelt sind“, sagt Petersen.

Er meint damit die kleine, freie Fläche zwischen Rad- und Wanderweg und Kliffkante. Einst war sie dicht bewachsen, Bestandteil des Küstenwaldstreifens. Hans-Magnus von Brandenstein, dem auch diese Fläche gehört, holzte sie vor ein paar Jahren ab – ohne Genehmigung. Um für die vielen Touristen wenigstens an einer Stelle den freien Blick aufs Meer zu schaffen. Es kam, wie es kommen musste.

Naturschützer gingen auf die Barrikade, es gab eine Anzeige. Brandenstein musste eine Geldstrafe zahlen und bekam die Auflage, dort auf eigene Kosten wieder aufzuforsten. Das wird in diesen Tagen geschehen, so Stübs.

Aber, obgleich die Aktion illegal war: Vielen Wittenbeckern und Touristen gefiel der freie Blick aufs Meer an dieser Stelle. Es gibt in der Gemeinde eine Initiative für die Sichtschneise. Trotz des Wiederaufforstungsgebots der Umweltbehörde des Landkreises und eines gleichlautenden Beschlusses der Gemeindevertreter. Der Streit, der teilweise zwischen den Kontrahenten sehr persönlich wurde, spaltet die Gemeinde seit Jahren.

„Die freie Fläche könnte mit niedrig wachsenden Gehölzen bepflanzt werden, sodass es von der Plattform einen freien Blick gibt. Dann haben alle gewonnen: die Natur, die Menschen, die sie schützen wollen und die Interessenvertreter des Tourismus“, so Großmann. Etwas Ähnliches gibt es übrigens seit etwa zwei Jahren im nahen Naturschutzgebiet Riedensee, das zur Gemeinde Bastorf gehört. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Bastorfs Bürgermeister Detlef Kurreck.

Lutz Werner

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