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Kühlungsborn Grundwasser-Schutz wird Dauerthema
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Grundwasser-Schutz wird Dauerthema
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00:01 06.12.2017
Zum ersten Mal tagte gestern in erweiterter Runde die Arbeitsgruppe „Grundwasserschutz“ beim ZVK Kühlung. Quelle: Foto: Rolf Barkhorn
Bad Doberan/Kühlungsborn

Es ist so einfach! Wir drehen den Hahn auf und entnehmen je nach Bedarf kleine oder größere Mengen an Wasser – alles von guter trinkbarer Qualität. Doch wie lange können wir uns darauf verlassen, dass uns das Trinkwasser in täglicher Selbstverständlichkeit und in dieser Qualität frei Haus geliefert wird?

„„Es geht nicht darum, auf irgend jemand mit dem Finger zu zeigen. Denn mit Schuldzuwei- sungen erreichen wir gar nichts.“Frank Lehmann, Geschäftsführer ZVK
„„Ich finde es gut, dass man uns Landwirte mit an den Tisch holt. Mit unserem Wissen und Erfahrung können wir uns einbrigen.“Volker Bredenkamp, Präsident Bauernverband Doberan

Diese und andere Fragen beschäftigen schon lange die Experten. Für den regionalen Wasserversorger Zweckverband Kühlung (ZVK) in Bad Doberan ist das sensible Thema jetzt Anlass genug, um in größerem Kreis die aktuelle Situation zu analysieren und geeignete Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Gestern lud ZVK-Geschäftsführer Frank Lehmann erstmals die ständige Arbeitsgruppe „Trinkwasserschutz“ ein.

Ein Gremium dieser Zusammensetzung sei auf Landesebene bisher einmalig und habe deshalb den Charakter eines Pilotprojektes, informierte Lehmann. Denn mit ihm am Tisch saßen gestern neben den Vertretern verschiedener Behörden und Verbände auch Bürgermeister und Landwirte aus der Region.

„Es geht heute und auch in anderen Beratungen nicht darum, mit dem Finger auf irgend jemand zu zeigen. Mit Schuldzuweisungen würden wir nichts erreichen. Wir wollen gemeinsam beraten, wie wir in besonders sensiblen Bereichen das Grundwasser besser und dauerhaft schützen können. Das schaffen wir nur gemeinsam“, betonte Frank Lehmann.

Zunächst wurde den Mitgliedern der Arbeitsgruppe in einem Vortrag anhand von Karten am Beispiel des Wassererfassungsgebietes zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan erläutert, wo genau die Schutzgebiete der Kategorien I, II und III liegen, die so noch zu DDR-Zeiten festgelegt wurden und wie sich diese nach aktuellen Erkenntnissen verändern könnten.

Auf der Karte wurde deutlich, dass ein großer Teil der Schutzzone II dieses Bereiches, zu dem 23 Brunnen des ZVK gehören, im Gebiet der Gemeinde Wittenbeck liegt. Erklärt wurde, dass es sich um sogenanntes „junges“ Grundwasser aus oberflächennahen Schichten handelt. Tiefere Bohrungen seien nicht möglich, weil man dann auf Salzwasser stoßen würde. Die Fördermengen seien mit bis zu 30 Kubikmeter Wasser je Stunde eher gering. Deshalb werde für Kühlungsborn zusätzlich Wasser aus Kröpelin bereitgestellt.

Dr. Beate Schwertfeger vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie erklärte in ihrem Vortrag, wie Nitrat im Boden durch vorhandenes Pyrit zersetzt und Sulfat freigesetzt wird. Das Problem:

Pyrit (Eisensulfat, auch Schwefelkies genannt - d.Red.) steht nicht unbegrenzt zur Verfügung, irgendwann ist es aufgebraucht und Nitrat gelangt in höheren Mengen ins Grundwasser. Je flacher die Brunnen liege, desto schneller drohe eine Überschreitung der Grenzwerte. Auch im vorgestellten Einzugsbereich des ZVK wurden an einem Brunnen höhere Werte gemessen. Um welchen Brunnen es sich konkret handelt, sagte Frank Lehmann nicht, um Schuldzuweisungen zu vermeiden.

Um Details sollte es in der Auftaktveranstaltung auch noch nicht gehen, erklärte er. Vielmehr sei es das Anliegen gewesen, erst einmal alle für das Thema zu sensibilisieren. Dieses Ziel schien gelungen. „Ich finde das gut, dass man uns Landwirte mit an den Tisch holt. Denn viele von uns haben studiert. Ich glaube, dass wir uns mit unserem Wissen und unserer Erfahrung einbringen können“, sagte anschließend Volker Bredenkamp, Landwirt und Präsident des Bauernverbandes Bad Doberan.

Rolf Barkhorn

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