Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kühlungsborn Im Stadtwald wird „umgebaut“
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Im Stadtwald wird „umgebaut“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:03 10.03.2018
Wir denken auch in Richtung Kur- und Heilwald.Ulrich Langer Touristik-Chef von Kühlungsborn
Kühlungsborn

„Achtung!“ Der langgezogene, laute Warnruf von Waldarbeiter Enrico Kösling hallt weit durch den Forst. Dann setzt er die Motorsäge an und Sekunden später kracht die prächtige, hohe Fichte – um die 100 Jahre könnte sie alt sein – zu Boden. Exakt dorthin, wo Kösling, der vorher einen Keilschnitt für die Richtung gesetzt hatte, sie haben wollte.

Es geht bei diesen Arbeiten auch um Waldumbau.André Köppen Forstamt Bad Doberan

Minuten später das gleiche Geschehen. Dann befreit der Waldarbeiter die Stämme von den Ästen und sägt sie zu Stücken zurecht, die später gut zu transportieren sind.

„So soll es laufen. Und so läuft es auch fast immer. Aber manchmal hat der Stamm seinen eigenen Willen, fällt nicht genau in die gewünschte Richtung oder reißt kleinere Bäume beim Fallen mit. Dann kann es für Neugierige, die unsere Absperrungen ignorieren, lebensgefährlich werden“, sagt André Köppen, beim Forstamt Bad Doberan unter anderem zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Er appelliert: „Bitte unbedingt die Absperrungen respektieren!“.

Im Kühlungsborner Stadtwald werden in diesen Tagen von einer vom Forstamt beauftragten Firma auf drei kleinen Flächen – insgesamt knapp 1,7 Hektar – Fällarbeiten durchgeführt. In der Mitte des Waldes wird ein Fichtenbestand „geerntet“, wie die Forstleute sagen, weiter westlich zwei Pappelbestände. Das Holz wird an Hersteller von Zellulose sowie von Spanplatten und Laminat verkauft. Nach den Fällarbeiten wird wieder aufgeforstet. Dort, wo die Fichten fallen, werden 3000 kleine Buchen gepflanzt und im ehemaligen Pappelbestand 4000 Roterlen.

„In jedem forstwirtschaftlich genutzten Wald wird Holz geschlagen – aus ökonomischen Gründen und weil der Wald verjüngt werden muss, damit er nachwachsen kann. Dabei geht es aber auch – nicht nur hier im Stadtwald – um einen ökologisch vernünftigen Waldumbau“, so der 30-jährige Forstinspektor. Das Ziel bestehe darin, den Anteil der Nadelgehölze wie Fichte und Kiefer zu verringern, und den der Laubbäume, die typisch für einen Wald in Mecklenburg seien, zu erhöhen. Das gelte vor allem für Buche und Eiche, aber auch andere Laubbäume.

Vor allem Fichten – jedenfalls in größeren Beständen – passten nicht so recht in einen mecklenburgischen Wald. Sie seien in Mittelgebirgen zu Hause und als Flachwurzler sehr stark bei Stürmen gefährdet. Das Ziel des Umbaus sei ein gut durchmischter Wald mit mehreren Arten. Jede Form von Mono-Kultur sei schädlich, erklärt der Forstmann und erläutert: „Meistens wird jeweils nur eine Baumart zu einer bestimmten Zeit von Schädlingen oder Krankheiten befallen. Habe ich eine Mono-Kultur, ist der Schaden groß. In einem gut durchmischten Wald können das aber die anderen Baumarten – auch durch das aufwachsende Unterholz – wieder ausgleichen.“

Kühlungsborns Stadtwald ist knapp 112 Hektar groß. 94 Hektar gehören dem Land MV, 17 Hektar der Stadt, dazu kommen private Kleinstflächen. Er hat eine Besonderheit: Der innerörtliche Wald ist komplett von städtischer und touristischer Infrastruktur umschlossen und mit meistens gut gepflegten Wegen, Wegweisern und Rastplätzen ein Naherholungsgebiet unmittelbar hinterm Strand.

„Konflikte bei dieser doppelten Nutzung gibt es eigentlich kaum. Wir sind uns schon bewusst, dass dies hier eine besondere Situation ist und wir bemühen uns immer, bei notwendigen Arbeiten so behutsam wie möglich vorzugehen, beispielsweise auf den Zustand der Wege zu achten und laute Arbeiten am Wochenende zu vermeiden“, sagt Köppen. Touristik-Chef Ulrich Langer sieht „auch keine Konflikte zwischen touristischer und fortwirtschaftlicher Nutzung“, könnte sich aber mehr im Stadtwald vorstellen. „Wenn es uns – in Zusammenarbeit mit dem Forstamt – gelänge, einen Teil des Stadtwaldes zum Kur- und Heilwald zu entwickeln, wären wir ein Stück weiter im Gesundheitstourismus. Ein gutes Vorbild dafür gibt es in Heringsdorf“, sagt er.

Lutz Werner

Anzeige