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Kühlungsborn Mit dem Frühling kommen die Camper
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Mit dem Frühling kommen die Camper
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00:00 16.04.2013
Meschendorf

Zelte sind noch nicht zu sehen im Ostseecamp „Seeblick" in Meschendorf. Dafür viele Wohnmobile und Caravans. Davor sitzen — die Gesichter gen Himmel gestreckt — entspannte Camper. Sie genießen, was dem Deutschen so viele Monate gefehlt hat: die Sonne. „Wir sind gerade angekommen. Den Platz haben wir uns vorher im Internet angeschaut und gleich gebucht", sagt Ute Quermann aus Bielefeld. Sie möchte das Vordach für den fast fünf Meter langen Campinganhänger aufstellen. Doch zuvor lässt ihr Ehemann neben ihr — ganz lässig mit einem Finger auf der Fernbedienung — den Anhänger einparken. Die Technik macht es möglich: Wo früher bis zur Weißglut Getriebene erst nach vielem Vor- und Zurücksetzen mit dem Auto an Ort und Stelle waren, parkt sich heute der Anhänger selbst ein. Die beiden Bielefelder sind in der „Freizeitphase“, wie sie ihre Rente umschreiben, und bleiben 14 Tage. „Wir campen seit 30 Jahren. Früher waren wir mit den Kindern unterwegs."

Einige Wege weiter und mit Blick zum Wasser haben es sich die Ruheständler Monika und Wolfgang Busch mit ihrem Hund Paul bequem gemacht. Ein echter Frauenfreund, der gerne die Nähe zu weiblichen Zweibeinern sucht: „Da kann ich nichts machen", sagt sein Herrchen und lacht. „Die Nähe zur Ostsee ist fantastisch", lobt der 66-Jährige. „Wir wollten eigentlich schon Ostern hier sein, aber das Wetter . . .“

Ein paar Meter weiter genießt Lisa Bögemann (56), ebenfalls aus Bremen, ausgiebig die Sonne. Ihr Mann Rolf Scheeper liest die Ostsee-Zeitung. „Wir sind das zweite Mal auf diesem Platz. Uns gefällt's“, sagt der 57-Jährige. Die beiden Bremer haben sich bereits auf vielen Campingplätzen in MV umgeschaut: „Wir campen seit 15 Jahren“, sagt Lisa Bögemann. „Da ist man immer draußen an der Natur und unabhängig von Essenszeiten wie im Hotel. Es ist ein freies Leben. Außerdem herrscht eine gute Atmosphäre, denn Camper gehen in der Regel freundschaftlich miteinander um.“ Die beiden Erziehungshelfer möchten wandern, Rad fahren, Sonnenbaden. Die Zeit ist knapp. Nur eine Woche Urlaub haben sie.

Derweil harren die Chefs des Campingplatzes mit ihrer Rezeption in einem Container aus und bewältigen den ersten kleinen Gäste-Ansturm „Jetzt kommen viele Rentner oder Familien mit Kleinstkindern“, sagt Helmar Pönitz, einer der beiden Geschäftsführer. „Eigentlich wollten wir mit dem Neubau der Rezeption längst fertig sein“, entschuldigt er sich. „Aber der Winter . . .“ Der Neubau soll die Form eines Leuchtturms erhalten. „Das passt hierher“, sagt Pönitz. Aber auch an anderen Stellen werde gebaut. Das Wegesystem solle verbessert werden, die angrenzenden Stellflächen auch.

Immer mehr Camper buchen über das Internet. „Wir sind einer der ersten Plätze, bei dem alles online geht. Ohne Nachfragen, ob noch was frei ist", erzählt Pönitz nicht ohne Stolz. Einen Anstieg gebe es bei den Buchungen der Bungalows und Appartements.

Einen Einbruch der Buchungszahlen durch den langen Winter gab dagegen es nicht: „Ein paar haben abbestellt. Aber das ist nicht so dramatisch", sagt der 60-Jährige. Für die Vor- und Nachsaison bietet das Ostseecamp auch besondere Pakete an. Enthalten sind Rundflug, Wellness und Restaurantbesuch. „Das wird gern genutzt“, sagt Pönitz und schaut zur fast fertigen Rezeption. „Doch jetzt müssen wir erst einmal ganz schnell mit den Arbeiten fertig werden.“

Sabine Hügelland