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Kühlungsborn „Prado wird der Renner der Saison“
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn „Prado wird der Renner der Saison“
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02:25 03.04.2014
Margitta und Günter Debbert, Urlauber aus Peine, hatten viel Spaß beim Betrachten der Ausstellung — auch daran, wie Ivan Prado den Ex-Box-Champion und Politiker Vitali Klitschko sieht. Quelle: Lutz Werner (3), Kunsthalle (3)

Angie mit verklärtem Blick und „I love Helmut“-Tattoo am Oberarm. Karl Lagerfeld — so, wie wir ihn kennen: Immer schlecht drauf. Nicole Kidman mit langem Spitznäschen, das irgendwie an Pinocchio erinnert. Da hatte der Schönheits-Chirurg wohl einen schlechten Tag.

Die Besucher in der Kunsthalle Kühlungsborn lachen in diesen Tagen oft schallend beim Anschauen der Porträt-Karikaturen von Ivan Prado. Kunsthallen-Chef Franz N. Kröger brauchte keine prophetischen Gaben, als er voraussagte: „Diese Ausstellung wird der Renner der Saison.“

Der Rostocker Zeichner Ivan Prado zeigt bis zum 1. Juni 63 Arbeiten, „die in ihrer großen Mehrheit im vergangenen und in diesem Jahr entstanden sind — für diese Ausstellung in Kühlungsborn“. Vor allem Porträt-Karikaturen von Promis aus dem Show-Business, von einigen Politikern und einige wenige Entwürfe, aus denen später Zeichnungen wurden.

Ivan Prado (47) lebt seit 14 Jahren in Rostock. In seiner Heimat Peru hatte er als politischer Karikaturist für Tageszeitungen gearbeitet. „Damit hatte ich mir nicht nur Freunde gemacht. Zum Schluss gab es Anfeindungen und Drohungen. Die Liebe hatte mich dann schließlich nach Deutschland geführt. Das kam irgendwie zum richtigen Zeitpunkt“, sagt er.

Es folgten „harte Jahre auf der Straße“, in denen er Tausende Porträt-Karikaturen von Passanten zeichnete. In Rostock in der „Kröpi“, im Stadthafen, in Warnemünde, manchmal auch in Berlin. Dazu kamen immer mehr Aufträge als Event-Zeichner für Firmen, auf Messen und bei allen möglichen Feierlichkeiten. Die Ausstellung in der Kunsthalle Kühlungsborn ist die erste Personalausstellung des Wahl-Rostockers in einem etablierten Kunst-Tempel. „Für mich ist das irgendwie ein Meilenstein in meiner Entwicklung“, erklärt er nicht ohne Stolz.

Etwa seit 2010 arbeitet er viel im Stil der New Pop Art, wobei Sebastian Krüger grüßen lässt. Krüger erlangte in den 1990er Jahren unter anderem durch seine Porträt-Karikaturen der Rolling Stones Berühmtheit. „Sebastian Krüger ist mein großes Vorbild. Er hat mich inspiriert“, sagt Prado.

In der Ausstellung in Kühlungsborn zeigt er bewusst nicht eine Auswahl der Tausenden von Menschen, die er auf der Straße und für Firmen zeichnete. „Ich habe Prominente aufs Korn genommen, die einen hohen Wiedererkennungswert haben“, erklärt er. Sicher auch deshalb, weil sich die im Format nicht eben kleinen und plakativen Bilder gut verkaufen sollen. Die Preise liegen zwischen 150 und 1500 Euro, die meisten zwischen 500 und 900 Euro. Prado malt in vielen Techniken: Öl, Bleistift, Pastell, Aquarell und immer mehr digital am Rechner.

Kunsthallen-Chef Franz N. Kröger wurde auf Prado aufmerksam, als der Peruaner 2012 beim Cartoon-Festival in Porto/Portugal mit einer Zeichnung des Film-Regisseurs Manoel de Oliveira den Preis für die beste Porträt-Karikatur in der Kategorie „Weltweit“ gewann. Sozusagen den Cartoon-Oscar. „Die Chemie zwischen Franz und mir stimmte sofort. Wir haben uns schnell entschieden, diese Ausstellung zu machen“, sagt Prado.

Zur Prado-Ausstellung gibt es auch einen schönen Katalog
63 Porträt-Karikaturen — zumeist von Promis aus dem Show-Business und der Politik — zeigt der Rostocker Ivan Prado bis zum 1. Juni in der Kunsthalle Kühlungsborn. Es ist die erste Personal-Ausstellung des Wahl-Rostockers, der vor 14 Jahren aus Peru nach Deutschland kam. Die Kunsthalle in der Ostseeallee 48 hat Dienstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr geöffnet.
8 Ausstellungen werden in diesem Jahr im Kunst-Tempel am Meer gezeigt. Zur Prado-Ausstellung gibt es einen Katalog mit einer Auswahl seiner Promi-Zeichnungen und vielen Informationen über das Leben und Wirken des Künstlers. Die Kunsthalle wird auch wieder zum Ort von vielen Konzerten und Kleinkunst-Darbietungen. 65 Veranstaltungen sind geplant.
200 000 Euro umfasst der Jahres-Etat der Kunsthalle Kühlungsborn. Das Ausstellungs- und Veranstaltungshaus wird mit 120 000 Euro aus dem Haushalt der Stadt Ostseebad Kühlungsborn gefördert. Dazu kommen eigene Einnahmen in Höhe von rund 80 000 Euro — aus Eintrittsgeldern und dem Galerie-Betrieb. Der Kunst-Tempel ist finanziell gut aufgestellt.



Lutz Werner

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