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Kühlungsborn Rerik feiert die Ankunft der neuen Glocken
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Rerik feiert die Ankunft der neuen Glocken
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00:00 01.03.2013
Die Kirche in Rerik entstand schon Mitte des 13. Jahrhunderts. Am 10. M�rz erh�lt sie neue Glocken. Fotos (2): Sabine H�gelland
Rerik

t. Erwartungsvoll schaut sie auf den 10. März, wenn die neuen beiden Kirchenglocken in einer feierlichen Prozession durch die Stadt zur Kirche gefahren werden. „An diesem Tag ist der benannte 4. Fastensonntag ,Laetare‘. Das heißt ,freue Dich‘. Ich fand, das passt.“

Noch steht die Prozessions-Strecke nicht fest, aber: „Ich würde sie sehr gerne am Altenheim vorbeiführen. Denn viele Senioren können aus Gesundheitsgründen nicht mehr in den Gottesdienst kommen und so erleben sie wenigstens ein Stück des Festumzuges mit“, meint die Pastorin. Am jenem Sonntag um 9.15 Uhr wird der Festumzug vom Kirchweg 23 mit den geschmückten Glocken, den Posaunenbläsern und hoffentlich vielen Menschen zur Kirche aufbrechen. Um 10 Uhr findet vor der Kirche eine Andacht zur Ankunft der Glocken statt. „Anschließend sind alle zu Kaffee und Laugenbrezeln eingeladen“, sagt die Pastorin und erklärt: „Laugenbrezeln gab es auch zum Guss in Karlsruhe und das wollte ich als Symbol wieder aufgreifen.“

In den darauf folgenden Wochen kommen die Glocken in den Turm, damit sie zu Ostern geweiht und geläutet werden können. Küster Thomas Köhler sagt: „Dann wird nach 70 Jahren wieder volles Geläut vom Reriker Kirchturm ertönen.“ Allerdings: „Mit den neuen Glocken geht auch die Ära und Ehre des Läutens von Hand zu Ende.“ Damit das Geläut optimal genutzt werden kann, zum Beispiel als Wochengeläut oder bei Hochzeiten, Trauerfeiern und Ähnlichem, kann nun eine Person per Knopfdruck die Glockenanlage steuern.

Die neue große Johannesglocke für den F-Ton hat ein Gewicht von 1200 Kilogramm. Sie ist verziert mit segnenden Händen und Wassertropfen, die an die Taufe erinnern. Die kleinere Gebets- und Totenglocke mit einem Gewicht von 770 Kilogramm für den Ton „as“, trägt als Inschrift das Psalmwort „Höre meine Stimme“ und ein Nagel-Relief, das an die Dornenkrone erinnert. Noch arbeitet Zimmerer-Meister Thomas Stüwe aus Zaschendorf im Glockenturm. Seit Juni 2012 hatte er im Turm gut zu tun. Damit die Glocken auch problemlos in den Turm gelangen können, mussten Luken eingebaut oder vergrößert werden.

„Jetzt muss ich im Glockenstuhl eine zusätzliche Querversteifung einsetzen, um ihn noch mehr zu stabilisieren.“ Das sogenannte Andreaskreuz steift die Querrichtung aus, sodass die Vibration der Glocken Gebälk und Mauerwerk nichts anhaben können. Die Luken am Fenster sind bereits fertig und das Podest davor verhilft auch Kindern zu einem Blick auf Rerik.

Bald kann die Caterinenglocke von 1519, die sich seit 1942 allein im Turm befindet, zusammen mit den Neuen geläutet werden. Sie lässt das „cis“ erklingen, hat einen Durchmesser von 68 Zentimetern und wiegt 250 Kilo. Die Glocke wurde im Dreißigjährigen Krieg vor dem Kirchturm vergraben, um sie vor Plünderern zu schützen. Jedoch die Menschen, die sie versteckten, wurden Opfer des Krieges. Erst 100 Jahre später, am 2. August 1740, fand ein Maurerhandlanger die Glocke wieder. Wenn die Glocken vereint sind, soll eine von ihnen jeden Tag um 18 Uhr läuten: „Als Zeichen, sich eine Zeit für Besinnung zu gönnen“, so Karen Siegert.

Kirche mit Bischofsmütze
Die St. Johanneskirche zu Rerik, gebaut zwischen 1250 und 1270, hatte über Jahrhunderte eine besondere Funktion: Mit ihrem quadratischen Turm, der achtseitigen „Bischofsmütze“ stellte sie für Schiffer auf See eine überlebenswichtige Landmarke dar.

Nach alter Überlieferung soll eine dänische Königin die Kirche aus Dankbarkeit gestiftet haben.

Sabine Hügelland

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