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Kühlungsborn Ruine in der Kühlung vor dem Verkauf
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Ruine in der Kühlung vor dem Verkauf
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00:00 09.03.2013
Die Ruine ist nicht mehr zu retten, und der Wald dahinter ist bis dicht an das Haus herangerückt. Ein Neubau des „Hauses zur Kühlung“ wäre aber ein paar Meter weiter nördlich vom jetzigen Gebäude möglich, sagt das Forstamt. Quelle: Lutz Werner
Kühlungsborn

Genau 23 Jahre lang ruhte das „Haus zur Kühlung“ im Dornröschen-Schlaf. Nun aber kommt offenbar Bewegung in die Sache: Der Eigentümer des ehemaligen Betriebsferienheimes, Peter Lohse, will das Areal noch in diesem Monat an einen Investor verkaufen. „Der Kaufvertrag für das Grundstück ist unterschriftsreif vorbereitet. Ich denke, dass der Verkauf in zwei Wochen über die Bühne gehen wird“, so der Mann aus dem Sauerland, dem die Ruine und das gut zwei Hektar große Gelände an der L 11 seit 2003 gehören.

Direkt neben dem Atelierhaus Rösler-Kröhnke und dem Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik hatte Lohse schon einmal viel vor: Im Bauamt der Stadt Kühlungsborn gibt es ein Konzept aus dem Jahr 2005 — für ein 200-Betten-Hotel mit Wellness, Sport- und Service-Bereichen. Doch daraus, wie auch aus weiteren Ideen, wurde nichts. Mal sprangen die Investoren ab, mal sagte das Forstamt schon im ganz frühen Projektstadium entschieden „Nein“. „Das bisher krasseste Beispiel einer völlig unrealistischen Bauvoranfrage liegt wohl gut eineinhalb Jahre zurück: zwei Hotel-Türme mit einer Brücken-Querung der Landesstraße Richtung Golfanlage. „Wir haben unsere Ablehnung in wenigen Zeilen zusammenfassen können“, erinnert sich Felix Weisbrich, Leiter des Bad Doberaner Forstamtes.

Was schnell zu der Frage führt, was dort oben, am Hang der Kühlung, baulich überhaupt noch möglich ist. „Schon 2003, als Peter Lohse das Grundstück kaufte, war es seit 1990 ungenutzt, die Gebäudesubstanz verfiel und die Natur eroberte sich das Terrain zurück. Inzwischen hat sich die Waldgrenze deutlich nach Norden verschoben, und für den neu gewachsenen Wald gilt der Schutz des Bundeswaldgesetzes“, stellt der Forstmann klar.

„Die vorhandenen Gebäude sind ohnehin nicht mehr zu retten. Es sollte möglich sein, ein paar Meter weiter nördlich des jetzigen Standortes des alten ,Hauses zur Kühlung‘ ein Baufeld außerhalb der 30-Meter-Abstandsgrenze zu finden, auf dem man ein neues Ausflugsrestaurant im historischen Design des Vorgängerbaus hinstellen kann. Das sollte unproblematisch sein“, so Weisbrich und hängt dann die Latte richtig hoch: „Für alles, was darüber hinausgeht — wie Bungalows oder ein ganzer Hotel-Komplex —, muss ein Bebauungsplan erarbeitet und ins Verfahren gebracht werden. Und dabei werden wir als Forstamt sehr genau hinschauen, um den Wald zu schützen.“ Für umfangreiche Baumaßnahmen auf dem Grundstück, das sich die Natur zurückgeholt hat, müsse ein „allgemeines Interesse“ nachgewiesen werden.

„Das kann ich beispielsweise bei Gästebetten in dieser Lage nicht erkennen“, zieht Weisbrich eine Grenze.

Nach der OZ vorliegenden Informationen will der künftige Eigentümer an die Tradition des Ausflugsrestaurants anknüpfen. Allerdings weiß man in Kühlungsborn auch: Gastronomie brummt nur dort wirklich, wo sie in der Nähe des Wassers oder auf dem Laufweg dorthin betrieben wird. Das Grundstück in der Kühlung liegt mehrere Kilometer weit ab vom Kühlungsborner Stadtzentrum. Der Investor wird kreativ sein müssen, um sein Ausflugsrestaurant interessant zu machen.

1902 wurde das „Haus zur Kühlung“ vom Landwirt Carl Risch erbaut. Er betrieb auf dem Areal seiner Hufe XII auch eine Ziegelei. Das „Hotel zur Kühlung“, das mit einer beliebten Ausflugsgaststätte verbunden war, entwickelte sich schnell zu einer gesuchten Adresse im damaligen Ostseebad Brunshaupten (ab 1938 Kühlungsborn Ost). 1957 übernahm der DDR-Kreis Bad Doberan Haus und Grundstück. Vorher hatte es zahlreiche Wechsel von Privatbesitzern gegeben. Risch hatte bereits 1906 verkauft. Das Haus wurde nach 1957 zunächst von der LPG als Schulungsheim genutzt, später war es Betriebsferienheim des Dieselmotorenwerks Rostock. Seit 1990 ist das Grundstück ungenutzt.

Lutz Werner

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