Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kühlungsborn Schonfrist für Strandkorbvermieter
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Schonfrist für Strandkorbvermieter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 25.10.2017
„„Wir haben im Vertrauen auf Baugenehmigungund Verträge unsere Hütten gebaut. Gegen den Abriss werden wir uns wehren.“Jürgen Wieck Strandkorbvermieter
Kühlungsborn

Für die Hütten der Strandkorbvermieter gibt es noch einmal eine Schonfrist für ein weiteres Jahr. Sie werden auch in der Saison 2018 ihren Dienst tun können, informierte Bürgermeister Rainer Karl (parteilos) in der zurückliegenden Sitzung der Stadtvertretung. Eine überraschende Entwicklung, denn eigentlich sollten sie bis zum Jahresende abgerissen werden. Schon die zurückliegende Saison mit den Hütten beruhte auf einer Fristverlängerung.

Die unsichere Situation der Strandkorbvermietungen in Kühlungsborn macht mittlerweile sogar Betriebsübernahmen schwierig. Der Vermieter am Zugang 11 hörte nach dieser Saison auf, eine Vereinbarung mit einem potenziellen Nachfolger platzte. Quelle: Fotos: Lutz Werner
„„Vom Ministerium wird uns zugesichert, dass die Hütten der Strandkorbver- mieter auch 2018 noch stehen dürfen.“Rainer Karl Bürgermeister

Es habe Anfang dieses Monats im Rathaus eine Zusammenkunft in dieser Sache gegeben, an der Vertreter vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Rostock (Stalum) sowie vom Forstamt Bad Doberan teilgenommen hätten. Dabei habe der Vertreter des Ministeriums von einer „politischen Lösung des Problems“ für 2018 gesprochen, um dem Ostseebad Kühlungsborn die notwendige Zeit für die Erarbeitung einer neuen Nutzungskonzeption für den Strand zu geben, so der Bürgermeister. Eine zeitnahe schriftliche Bestätigung der Schonfrist-Regelung sei in Aussicht gestellt worden. „Darauf warten wir jetzt dringend, um in dieser Sache – wenn auch nur vorübergehend – auf der sicheren Seite zu sein.“

Der ministerielle Brief, in dem die Genehmigung für die Verlängerung der Pachtverträge über die aktuell bestehende Strandnutzung – also auch der Hütten – bis zum 31. Dezember 2018 bestätigt wird, sei auf dem Weg, lässt Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) über seine Pressesprecherin Martina Plothe ausrichten. Dort enthalten seien auch Empfehlungen für die künftige Strandkorbvermietung und die Standortgestaltung der Vermieter-Hütten, die in Kühlungsborns neue Strandkonzeption einfließen könnten.

Hintergrund: Weil die meisten Hütten der Strandkorbvermieter in den geschützten Dünen-Bereich hineingebaut wurden, hatte das Stalum – die Behörde ist zuständig für Strand und Dünenbereich – ihren Abriss angeordnet. Als Alternative zu den jetzigen Standorten der Hütten schlägt das Amt vor, sie saisonal – mit Aufbau im Frühjahr und Abbau im Herbst – auf die Strandfläche zu stellen. Wie das im Detail geregelt werden könnte – darüber soll die neue Strandnutzungskonzeption Aufschluss geben. Sie wird im Auftrag der Stadt unter Federführung eines Beratungsunternehmens und eines Planungsbüros erarbeitet. Das Ganze steckt noch in den Anfängen, abschließende Ergebnisse wird es etwa in einem Jahr geben. Dabei wird es auch um solche Vorhaben gehen wie Strand-Lounges, einen Event- Strandabschnitt und Hochzeiten direkt am Meer. Wären die Hütten schon jetzt abgerissen worden, „hätten die Strandkorbvermieter mit Blick auf die kommende Saison völlig in der Luft gehangen“, so der Bürgermeister. Dieses Gefühl haben sie allerdings auch nach der Nachricht von der Fristverlängerung für ihre Hütten, in denen sie auch Getränke, Eis und Snacks verkaufen. „Das löst nicht unser wirkliches Problem. Ich habe – im Vertrauen auf die Baugenehmigung und nach dem Erfüllen etlicher Auflagen – in meine Hütte viel Geld gesteckt. Wie andere Kollegen auch. Wir werden uns dem Abriss widersetzen und alle Rechtsmittel ausschöpfen“, erklärt Strandkorbvermieter Jürgen Wieck. Die Gemeinschaft der Strandkorbvermieter hätte einen Rechtsanwalt mit der Vorbereitung einer Klage gegen die Abrissverfügung des Stalum beauftragt.

Auch sein Kollege Siegfried Köber ist sauer. „Die Unsicherheit, wie es weitergehen wird, nervt ohne Ende. Manchmal kann ich nachts nicht schlafen. Denn hier geht es schließlich um unsere Existenzen.“

Denn weitere Unsicherheitsfaktoren seien eine geplante Neuausschreibung der Strandflächen nach dem Beschluss der Stadtvertretung über die Strandkonzeption – möglicherweise mit einem künftigen Rotieren der Strandkorbvermieter von Standort zu Standort. „Diese Unsicherheiten machen es sogar schwer, einen Nachfolger für den Betrieb zu finden“, sagt Strandkorbvermieter Kalle Müller, der sich nach der Saison 2017 – „aus Altersgründen, aber auch wegen der Gesamtsituation“, zurückgezogen hat.

Das Problem am Strand hat schon eine größere Dimension: 14 Strandkorbvermieterbetriebe gibt es in Kühlungsborn, die ihre Strandmöbel aus insgesamt 28 Hütten heraus – fast an jedem Strandabgang steht eine – vermieten. Rund 2000 Strandkörbe stehen im Sommer am Strand.

Lutz Werner

Anzeige