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Kühlungsborn Sonntags-Shopping: Händler wollen mehr davon
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Sonntags-Shopping: Händler wollen mehr davon
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07:16 19.03.2013
Wolfgang Leidig Quelle: Lutz Werner
Kühlungsborn

Die enger gefasste Bäderregelung in Mecklenburg-Vorpommern — sie regelt die Sonntagsöffnungszeiten der Geschäfte in den Urlaubsorten — ist ein Wettbewerbsnachteil gegenüber der großzügigeren Verordnung im Nachbarland Schleswig-Holstein, betont Wolfgang Leidig. Der 48-Jährige ist Vorsitzender des Handelsverbandes Ostseeküste und betreibt fünf Mode-Boutiquen: je zwei in Kühlungsborn und Zingst und eine in Scharbeutz.

OSTSEE-ZEITUNG: Kühlungsborns Einzelhändler haben an den vier März-Sonntagen vor Ostern ihre Geschäfte geöffnet. „Aus besonderem Anlass“, wie es im Antrag heißt, und um eine Brücke zur regulären Sonntagsöffnung ab April zu schlagen. War das wirklich nötig?

Wolfgang Leidig: Die Sonntage bringen durchschnittlich 20 Prozent des Wochenumsatzes, sind ganz wichtige Einkaufstage in Urlaubsorten. Und im März beginnen sich Ostseebäder wie Kühlungsborn an den Wochenenden mit Tagesbesuchern zu füllen. Sie erwarten ganz selbstverständlich geöffnete Geschäfte am Sonntag. Wir erleben das doch gerade wieder mit dem Erfolg unserer vier verkaufsoffenen Sonntage vor dem Greifen der Bäderregelung. Mehr als 70 Geschäfte machen mit und am vergangenen Sonntag war der Ort voll — trotz des wirklich nicht einladenden Wetters.

OZ: Auf den ersten Blick erscheint die Bäderregelung in MV doch recht großzügig zu sein. Sie und andere Kollegen kritisieren aber immer wieder, dass sie nicht ausreicht, gegenüber dem Nachbarland Schleswig-Holstein ein Wettbewerbsnachteil ist.

Leidig: Die Schleswig-Holsteiner haben eine Bäderregelung, die schon am 15. März beginnt, und zusätzlich die Möglichkeit, an den Sonntagen von 17. Dezember bis 8. Januar zu öffnen. Sie nehmen damit auch den großen Gästeansturm um den Jahreswechsel mit und haben am Sonntag zudem flexiblere Öffnungszeiten als wir hier in MV.

OZ: Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Leidig: In Schleswig-Holstein haben die Einzelhändler in den Ostseebädern in der Politik und bei den Kurdirektoren eine Lobby, die erkannt hat, dass es hier um ein wichtiges Dienstleistungssegment im Tourismus geht. In unserem Land Mecklenburg-Vorpommern habe ich immer mehr das Gefühl, dass diese Problematik von der Politik schlicht ignoriert wird.

OZ: Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

Leidig: An einem ganz aktuellen. Unser Verband hat sich immer wieder an die Staatskanzlei und das Wirtschaftsministerium in Schwerin mit der Bitte gewandt, mit uns Gespräche über eine Nachbesserung der 2010 beschlossenen Bäderregelung zu führen, die weit hinter ihrem Vorgängerpapier zurückbleibt. Vor ein paar Tagen, am 12. März, wurde uns aus Schwerin mitgeteilt, dass man in dieser Sache keinen Gesprächsbedarf sieht und im übrigen die von uns kritisierte Bäderregelung noch bis zum 31. Dezember 2015 gelte. Das ist enttäuschend.

OZ: Wie werden Sie reagieren?

Leidig: Dem im Jahr 2010 als Reaktion auf die damalige Verschlechterung der Bäderregelung gegründeten Handelsverband Ostsee- küste gehören mittlerweile gut 200 Einzelhändler und Gewerbevereine zwischen Boltenhagen und Usedom an. Das ist schon eine politische Kraft. Wir planen einige Aktionen, die weder zu überhören noch zu übersehen sein werden. Ich habe da schon einige Plakat- Motive vor Augen, die provozieren werden.

Nachbarland ist liberaler
96 Orte und Ortsteile fallen in Mecklenburg-Vorpommern unter die Bäderregelung. Dort dürfen Geschäfte zwischen dem letzten Sonntag im März und Ende Oktober mit Ausnahme der Feiertage öffnen. Die Öffnungszeiten sind auf 13 bis 18 Uhr festgesetzt.95 Orte und einige weitere Ortsteile werden in der Bäderregelung von Schleswig-Holstein aufgelistet. Die Bäderregelung von SH gilt vom 15. März bis 31. Oktober und zusätzlich vom 17. Dezember bis 8. Januar. Auch die Öffnungszeiten sind großzügiger: Die Geschäfte dürfen flexibel sechs Stunden am Sonntag im Zeitfenster von 11 bis 19 Uhr geöffnet sein.

Interview: Lutz Werner

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