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Stadt wird ihre Wohnungen behalten

Kühlungsborn Stadt wird ihre Wohnungen behalten

Bürgermeister Rainer Karl: Der mögliche Verkauf der stadteigenen Wohnungsgesellschaft Noveg ist vom Tisch. Das hoch verschuldete Unternehmen sei wieder auf einem guten Weg und schreibt schwarze Zahlen.

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Den s�dlichen Teil des Noveg-Wohngebiets August-Bebel-Platz zeigt B�rgermeister Rainer Karl gern. Dort gab es in den Blocks einige Sanierungen und Modernisierungen, frische Farbe leuchtet. Ein paar Blocks weiter sieht es dagegen trist aus.

Quelle: Lutz Werner

Kühlungsborn. Noch immer herrschen unter den rund 1300 Mietern in den eigenen Wohnungen der Nordbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH (Noveg) Angst und Verunsicherung. Denn am Jahresbeginn 2013 verdichteten sich die Hinweise darauf, dass die stadteigene Wohnungsgesellschaft — der einzige Anbieter von einigermaßen preisgünstigem Wohnraum im teuren Ostseebad — zerschlagen werden und die Wohnungen verkauft werden sollten. Eine Wohnungsgenossenschaft aus Rostock und zwei private Interessenten, die groß im Immobiliengeschäft unterwegs sind, hatten ihre Begehrlichkeiten angemeldet. Und es gab im Rathaus und Teilen der Stadtvertretung durchaus Bestrebungen, sich vom hoch verschuldeten Sorgenkind Noveg zu trennen.

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Mit einem Sitz im Aufsichtsrat können wir nun die Noveg mitgestalten.“Lars Zacher, CDU-Ortschef

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„Alle Überlegungen, die Noveg zu verkaufen, sind vom Tisch. Darüber sind sich die politisch Verantwortlichen in der Stadtvertretung und im Rathaus völlig einig“, betont Bürgermeister Rainer Karl

(parteilos). Den Ausschlag für das einmütige Bekenntnis der Politik zur stadteigenen Wohnungsgesellschaft hatte ein Auftritt von Noveg-Geschäftsführer Klaus Hannke vor dem Hauptausschuss der Stadtvertretung gegeben. „Herr Hannke hatte in einem sehr gut vorbereiteten Vortrag, den er mit einer aussagefähigen schriftlichen Präsentation untersetzte, dargelegt, dass die Noveg auf dem Weg aus ihrer Schuldenkrise ist und ihre Handlungsfähigkeit zunehmend zurückgewinnt“, erklärt Noveg-Aufsichtsrat Christian Mothes, der Fraktionschef der Kühlungsborner Liste (KL). Er fügt hinzu: „Für uns und die SPD war ein Verkauf der Noveg immer völlig ausgeschlossen. Wir haben dagegen gekämpft, seitdem solche Überlegungen aufkamen.“

Der Bürgermeister verhehlt nicht, „dass es eine Zeit gab, in der ich wegen eines möglichen Verkaufs der Noveg hin- und hergerissen war“. Kräfte, die seit 2007/08, als die Krise der Noveg auf dem Höhepunkt war, auf einen Verkauf drängten, gibt es vor allem in der CDU. Doch auch die Christdemokraten bekennen sich inzwischen zur stadteigenen Wohnungsgesellschaft. „Wir haben diesen Beschluss nicht einhellig, aber mit einer deutlichen Mehrheit der Stimmen gefasst — nach intensiver, kontroverser Diskussion. Für unser Bekenntnis zur Noveg war auch wichtig, dass wir jetzt dort einen Sitz im Aufsichtsrat haben und somit Einfluss auf die Entwicklung des Unternehmens ausüben können“, so Lars Zacher, der Vorsitzende der Orts-CDU.

Die politischen Kräfte in Kühlungsborn betonen inzwischen in seltener Einmütigkeit, wie sehr ihnen die Noveg am Herzen liegt — wegen der sozialen Verantwortung gegenüber den Bürgern, die auf preiswerten Wohnraum angewiesen sind, den es auch in einem hochpreisigen Ostseebad geben müsse. Und weil die Noveg wirtschaftlich wieder auf einem guten Weg ist. Und wegen der Zukunft: „Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen und können nicht alles zu Geld machen. Die Stadt hat kaum noch eigene Grundstücke“, sagt der Bürgermeister. Noveg — auch weil im Sommer 2014 Kommunalwahl ist? Nein, deshalb natürlich nicht, beteuern die Parteien.

Der Bürgermeister weist allerdings auch darauf hin, dass angesichts des nach wie vor begrenzten finanziellen Spielraums der Noveg an sich notwendige, durchgreifende Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen nicht möglich sein werden. „Die Noveg-Häuser und -Wohngebiete sind keine Slums. Aber wer dort lebt, wohnt im Vergleich zu anderen Quartieren doch auf einem relativ niedrigen Niveau. Für ein Ostseebad wie unseres könnte ich mir Schöneres vorstellen“, meint der Bürgermeister. Ein paar Reparaturen hier, frische Farbe dort: „Die Noveg muss kleine Brötchen backen — viele Jahre lang.“

Dem widerspricht Peter Hausmann, der SPD-Ortschef und Vorsitzende des Noveg-Aufsichtsrats. „Das Unternehmen baut die Schulden ab und wird zunächst jährlich eine halbe Million Euro in Instandhaltung und Modernisierungen investieren. Tendenz aber steigend. Das ist eine Größenordnung.“

Moderate Mieten
1269 Einheiten bewirtschaftet die Noveg. Darunter sind 418 eigene Wohnungen — vornehmlich in Kühlungsborn. Weitere 800 Wohnungen und 51 Gewerbeeinheiten werden verwaltet. Die Kaltmiete in den Noveg-Wohnungen liegt zwischen 5,60 und 6,50 Euro; der Durchschnitt in Kühlungsborn bei 7,50 Euro mit vielen Ausreißern nach oben.

12,5 Millionen Euro Schulden hat die Wohnungsgesellschaft. Aber auch ein Grundvermögen von 18, 2 Millionen Euro.

4 Millionen Euro im Minus — das war die Jahresbilanz 2007 auf dem Höhepunkt der Krise. Dazu kam ein Minus von 200 000 Euro aus der Bewirtschaftung des Parkdecks. Dann wurde Klaus Hannke Geschäftsführer. Die Noveg erholte sich unter seiner Führung und schreibt jetzt — seit 2012 — schwarze Zahlen im sechsstelligen Bereich.

Lutz Werner

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Kühlungsborn
Der Kühlungsborner Bürgermeister Rainer Karl vor einem der Wohnhäuser, die verkauft werden sollten.

(Landkreis Rostock) wird seine stadteigene Wohnungsgesellschaft Noveg nicht verkaufen. 1300 Mieter atmen aus.

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