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Kühlungsborn Städte-Partnerschaft wird Selbstläufer
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Städte-Partnerschaft wird Selbstläufer
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00:00 17.10.2017
Ein Spaziergang auf der Seebrücke gehört zu jedem Kühlungsborn-Besuch. Dabei hatten auch die Kicker aus Selenogradsk und ihre deutschen Begleiter viel Spaß. Quelle: Fotos: Fsv Kühlungsborn/karsten Pflieger-Leutert
Kühlungsborn

Die Revanche ging gründlich daneben. Nach der Hinspiel-Klatsche im Juli in Selenogradsk kassierte der FSV Kühlungsborn am vergangenen Freitagabend im Rückspiel gegen den FC Briz Selenogradsk erneut eine Niederlage. 2:4 hieß es diesmal für die Ostseekicker im „Länderspiel“ gegen das Team aus der russischen Exklave Kaliningrad.

Kicker aus Kühlungsborn und Selenogradsk wurden Freunde / Nächstes Treffen: WM in Russland

„Das sportliche Ergebnis ist schon ärgerlich. Aber wir sind erneut mit einer gemischten Auswahl aus mehreren Mannschaften und ehemaligen Aktiven angetreten und die Russen haben ihre Erste geschickt, die in ihrer Liga auf Platz 2 steht. Aber eigentlich ist das Ergebnis auch eher Nebensache. Das, was für unsere Partnerschaft herausgekommen ist, zählt“, erklärt Rathaus-Mitarbeiter Philipp Reimer, der Koordinator der Partnerschaft. Beim FSV Kühlungsborn arbeitet der 25-Jährige im Vorstand mit und ist Torwart der ersten Männermannschaft.

Höhepunkt des Besuches der Fußballer aus Selenogradsk von Donnerstag bis Sonntag vergangener Woche war die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung beider Fußball-Vereine und der Stadt Kühlungsborn als drittem Vertragspartner über die weitere Entwicklung der partnerschaftlichen Beziehungen mit dem künftigem Schwerpunkt des gegenseitigen Austausches von Teams aus dem Jugendbereich.

„Neben dem Spiel und diesem offiziellen Akt haben wir natürlich viel zusammen gemacht. Freitag haben wir unseren russischen Freunden ausgiebig Kühlungsborn gezeigt, Sonnabend waren wir mit ihnen in Rostock – auch zum Shoppen. Und abends wurde gut gegessen und gefeiert natürlich auch“, so Philipp Reimer.

Das Besondere an dieser Geschichte: „Die Partnerschaft zwischen den beiden Fußball-Vereinen im Rahmen unserer seit 2003 bestehenden Städtepartnerschaft ist zum Selbstläufer geworden. Sie machen ihr Ding völlig selbstständig – unabhängig von der offiziellen Ebene von Bürgermeistern, Stadtparlamenten und Verwaltungen. Das ist genau das, was wir eigentlich wollen: Dass ganz normale Menschen aus unseren beiden Kommunen sich treffen, etwas gemeinsam machen und Freunde werden. Das klappt auf der Ebene der Fußballer hervorragend“, so Kühlungsborns Bürgermeister Rainer Karl (parteilos).

Diese Entwicklung hatte sich schon im Juli angedeutet, als die Kühlungsborner Fußballer nach Selenogradsk fuhren „und wir beiden Offiziellen, Bürgervorsteher Uwe Ziesig und ich, faktisch nur Begleiter waren. Die Fußballer auf beiden Seiten hatten die ganze Geschichte selbst in die Hand genommen“.

Über die nächsten Schritte gibt es ganz klare Vorstellungen. „Im Sommer 2018 werden so um die 10 bis 15 Leute von uns nach Kaliningrad zu einem Spiel der Fußball-WM fahren. Wir werden in Familien unserer russischen Freunde wohnen. Sie werden sich auch um die Tickets kümmern“, blickt Reimer voraus. 2019 soll dann ein Jugendteam aus Kühlungsborn nach Selenogradsk fahren – oder umgekehrt.

„Solche Reisen sind, vor allem für unsere russischen Freunde, sehr aufwendig in der Organisation und auch teuer. Wir denken an einen Zwei-Jahres-Rhythmus für die Austausch-Aktivitäten“, so Reimer.

Vitaly Borisyuk, Chef-Trainer und Präsident des FSV, denkt schon weiter und schlug während des Kühlungsborn-Besuches vor, die Schachspieler im Ostseebad und das Schulzentrum in den Austausch mit einzubeziehen.

Wie sich das alles entwickelte, brachte sein Stellvertreter Ilia Below auf den Punkt: „Bei der ersten Begegnung waren wir Besucher, die freundlich aufgenommen wurden. Im vergangenen Juli schon gute, vertraute Bekannte und jetzt wurden daraus echte Freunde.“

Schwerpunkt: Jugendarbeit

Seit Dezember 2003 verbindet die Ostseebäder Kühlungsborn und Selenogradsk in der russischen Exklave Kaliningrad eine Städtepartnerschaft. Selenogradsk – gelegen im früheren Ostpreußen – hieß bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Crantz.

2013 reiste ein Fußballer-Team aus Kühlungsborn zum ersten Mal zu einem Freundschaftsspiel nach Selenogradsk, die zweite Reise gab es im Juli dieses Jahres. Jetzt kamen die russischen Kicker zum ersten Mal nach Kühlungsborn. Die Kooperationsvereinbarung zwischen beiden Vereinen legt den Schwerpunkt auf die Jugendarbeit.

Lutz Werner

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