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Kühlungsborn Streit um Kita-Gebühren bei „Bummi“
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Streit um Kita-Gebühren bei „Bummi“
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00:05 28.10.2017
Die Stadtvertretung und der Träger, der Regionalverband Bad Doberan der Arbeiterwohlfahrt, streiten um eine Gebührenerhöhung für die Kita „Bummi“. Stadtverwaltung und Awo halten sie für angemessen, die Stadtvertreter wollen darüber erneut in den Ausschüssen beraten. FOTOS (5): LUTZ WERNER
Kühlungsborn

Hallte da noch ein wenig der Bürgermeisterwahlkampf der vergangenen Wochen nach, in dem sich alle Wahlkämpfer gegenseitig darin überboten, die Kita-Kosten für die Eltern zu senken oder gar abzuschaffen? Sehr eindeutig – mit elf Ja-Stimmen und einer Enthaltung – verwiesen die Stadtvertreter in ihrer zurückliegenden Sitzung eine Anpassung – sprich: Erhöhung – des kommunalen Kosten-Anteils für die Kita „Bummi“ in die Ausschüsse zurück. Sie wäre – in gleicher Höhe – auch für die Eltern wirksam geworden.

Kühlungsborns Stadtvertretung weist eine Erhöhung der Gebühren für die Kita „Bummi“ zurück. Völlig unbegründet, sagt der Träger, die Arbeiterwohlfahrt.

Der Träger der Kita – der Regionalverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bad Doberan – „hatte die moderate Erhöhung der Beiträge von Kommune und Eltern zuvor sehr sorgfältig mit dem Landkreis unter Beteiligung der Kommune ausgehandelt und fest mit einem Wirksamwerden zum 1. November gerechnet“, so Geschäftsführerin Kathrin Polz. Daraus wird jetzt nichts.

Um diese Summen geht es: Eltern- und Stadtanteil würden sich – wenn die Stadtvertretung zugestimmt hätte – bei einem Vollzeit-Krippenplatz um 20,79 Euro pro Monat erhöhen, der Kindergartenplatz um 3,43 Euro. Auf dann 253 Euro, die von der Stadt für einen Krippenplatz zu zahlen wären und 153 Euro für die Eltern, weil sie einen Landeszuschuss von 100 Euro erhalten. Die Kosten für einen Kindergartenplatz wären für Stadt und Eltern auf je 129,98 Euro gestiegen.

Bürgeramtsleiterin Stefanie Zielinski appellierte an die Stadtvertreter – unterstützt durch Kämmerer Dirk Lahser – geradezu eindringlich, die Gebührenanhebung zu akzeptieren. „Hier geht es um gestiegene Betriebskosten in der Kita. Strom, Wasser, Abwasser, Preise der Lieferanten, Tariferhöhungen – alles kostet inzwischen mehr. Die Forderungen sind angemessen. Wenn wir das nicht akzeptieren, müssen wir mit dem Kreis und dem Träger alles neu verhandeln, und dann kann es für uns teurer werden“, so die Bürgeramtsleiterin. Sie verwies darauf, dass es vor einigen Wochen eine ähnliche Einigung in gleicher Sache bereits mit der evangelischen Kita in Kühlungsborn gegeben habe und eine Verhandlungsrunde mit der Kita, die vom Deutschen Roten Kreuz betrieben wird, zu erwarten sei.

Das bestätigt Susann Wieland vom DRK-Kreisverband Bad Doberan. Damit sei Anfang kommenden Jahres zu rechnen, und die finanzielle Ausgangssituation sei ähnlich wie beim Mitbewerber Awo. Die Stadtvertreter begründeten ihre de-facto-Ablehnung der Gebührenerhöhung so: „Im Wahlkampf haben alle davon gesprochen, die Kita-Gebühren senken zu wollen. Wir haben diese Erhöhung daher im Sozialausschuss abgelehnt – um ein Zeichen zu setzen“, sagte Christiane Fink (UWG), die Vorsitzende des Ausschusses. Eine Erhöhung um fast 21 Euro pro Monat in der Krippe sei den Eltern nicht zuzumuten, zumal, wenn sie mehrere Kinder in Krippe und Kindergarten hätten, stellte Lars Zacher von der CDU-Fraktion fest. Andere Stadtvertreter argumentierten ähnlich.

Kathrin Polz von der Awo und Susann Wieland vom DRK stellen übereinstimmend fest: Eine solche Diskussion mit einer Stadt- oder Gemeindevertretung hätte es bei einer Gebührenerhöhung für Kindertagesstätten bisher noch nicht gegeben.

Die Awo betreibt im Altkreis Bad Doberan sieben Kitas, beim DRK sind es acht. Kathrin Polz, die Geschäftsführerin des Awo-Regionalverbandes, hat jetzt im Rathaus beim Bürgermeister einen Brief abgegeben – mit der Bitte um Weiterleitung an alle Stadtvertreter. Darin hebt sie hervor, dass die letzte Erhöhung der Bummi-Kita-Gebühren vier Jahre zurückliegt und die Stadtvertreter im August einer Erhöhung der Gebühren für die Kita der evangelischen Stadtmission Rostock – die im Vergleich zur Awo-Kita deutlich teurer sei – zugestimmt haben.

„Wir haben wirklich ganz knapp kalkuliert, sodass es nun wieder für die Krippe auskömmlich ist. Im Kindergarten bewegen wir uns unterhalb der Wirtschaftlichkeit“, so Kathrin Polz an die Adresse der Stadtvertreter. Am 7. Dezember, in der letzten Sitzung der Stadtvertretung in diesem Jahr, dürfte das Thema erneut auf der Tagesordnung stehen.

Lutz Werner

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