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TSK-Chef: „Jetzt ist die Politik am Zuge“

Kühlungsborn TSK-Chef: „Jetzt ist die Politik am Zuge“

Kühlungsborn wird zum Zentrum des Widerstands gegen Offshore-Pläne. Die Nachbarn haben lange gezögert.

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Daumen runter für gigantische Windparks vor den Stränden. Das Küstenmeer ist tabu! Gastronomen und Gäste von Restaurants im Kühlungsborner Hafen zeigten gestern, was sie von den Offshore-Plänen der Landesregierung halten.

Quelle: Jens Wagner

Kühlungsborn. „Wir haben den Widerstand gegen die irrwitzigen Offshore-Windpark-Pläne der Landesregierung ins Rollen gebracht und die ersten Aktionen organisiert. Jetzt ist die Kommunalpolitik am Zuge. Denn das, was jetzt noch notwendig ist, können wir Touristiker nicht mehr allein stemmen“, erklärt Kühlungsborns Touristik-Chef Ulrich Langer.

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Wir haben jetzt Banner und Protest- Flyer geordert. Der Wider- stand kommt auch bei uns in Rollen.“Uwe Kahl (CDU), Bürgermeister des Ostseebades Nienhagen

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Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember, startete unter Federführung der Kühlungsborner eine Protest-Aktion gegen die Offshore-Pläne, die bis in den März hinein reichen wird und eigentlich von Beginn an alle mecklenburgischen Ostseebäder von Boltenhagen bis Graal-Müritz erfassen sollte. Weil zum Jahreswechsel noch einmal Zehntausende Touristen in die Ostseebäder strömten, „die wir in den Protest einbeziehen wollten“, so Langer.

Es wurden zwei Typen von großen Protest-Bannern hergestellt, 20000 Protest-Flyer gedruckt und Unterschriftenlisten gegen die „gigantischen Windparks unmittelbar vor unseren Stränden“ verteilt.

„Das hat in Kühlungsborn sehr gut funktioniert. Insgesamt hängen an zentral gelegenen Plätzen und Gebäuden 25 Banner, und die Unterschriften-Aktion läuft mit großer Resonanz“, schätzt Langer ein. Er kann sich in Mecklenburgs größtem Ostseebad bei der Organisation des Widerstands auf den professionellen Apparat des von ihm geleiteten zentralen Dienstleisters, der Touristik Service Kühlungsborn GmbH (TSK), stützen.

In den anderen Orten im Bereich des Verbandes Mecklenburgischer Ostseebäder (VMO) sind die Kurverwaltungen mit viel weniger Personal ausgestattet, hatten genug damit zu tun, den Ansturm der Gäste zum Jahreswechsel zu managen. „Dort kommt die Aktion erst jetzt richtig ins Laufen, aber es ist noch viel Luft nach oben. Es ist natürlich noch nicht zu spät, aber die Chance, auch dort mit unserem Protest Zehntausende Gäste während der letzten großen Reisewelle von 2014 zu erreichen, konnte leider nicht genutzt werden“, zieht Langer eine erste Zwischenbilanz. Er appelliert an die Kommunalpolitik: „Es ist jetzt an der Zeit, dass sich die Bürgermeister und Gemeindevertretungen in den Ostseebädern an die Spitze des Widerstands stellen und auch Geld dafür bereitstellen. Denn den Bau dieser Offshore-Parks zu kippen — das ist eine politische Aufgabe, die nicht von Touristikern allein bewältigt werden kann.“ Und auch nicht durch den Einsatz einzelner besonders engagierter Aktivisten wie Rüdiger Kozian. Der Chef des Kühlungsborner Yacht-Clubs verteilte allein zwischen den Feiertagen rund 2500 Unterschriftenlisten in Hotels, Ferienwohnanlagen, Restaurants, Geschäften und Praxen.

Beim genauen Hinschauen fallen einige Besonderheiten auf. „Wir müssen noch viel mehr die Einheimischen erreichen. Ihnen muss klar werden, was da auf uns zukommt“, sagt Annett Bierholz, die Geschäftsführerin des Verbandes Mecklenburgischer Ostseebäder. Langer fordert die Politik auf, „dazu Informationsveranstaltungen auf kommunaler Ebene zu organisieren. Die Stellungnahmen allein, die alle Kommunen zum Landesentwicklungsprogramm abgegeben haben, reichen nicht aus“.

Auf der von der TSK gepflegten Website freie-ostsee.de finde man alles, was man über die Offshore-Pläne und den Widerstand dagegen wissen sollte. Überrascht sind Langer und seine Mitstreiter, dass die Online-Petition gegen die Offshore-Pläne nicht so recht vom Fleck kommt. Sie wurde von einer Bürgerinitiative bereits am 7. November gestartet und hat jetzt wenig mehr als 1000 Unterstützer. Bei den konventionellen Unterschriftenlisten auf Papier läuft es ganz anders. „Wir werden allein in Kühlungsborn bis März mehr als 30000 Unterstützer haben“, prognostiziert Langer.

• Internet:

www.freie-ostsee.de

Gefahr für den Tourismus
8 große Offshore-Windparks sollen nach dem Willen der Landesregierung vor den Küsten von MV gebaut werden. Drei davon zwischen Kühlungsborn und Graal-Müritz: nur sechs Kilometer vom Strand entfernt, mit 80 oder mehr Anlagen pro Baufeld, 150 Meter oder noch höher. Kritiker sprechen von „gewaltigen Industrieanlagen im Meer, von Kraftwerken, auf deren Köpfen Helikopter landen werden“.
30 Prozent Umsatzeinbußen — wenigstens: Windparks vor der Küste, die den freien Blick zum Horizont verstellen, werden vor allem die Gäste vertreiben, die gerade deshalb kommen, sagen Kritiker. Das werde den Hauptwirtschaftszweig Tourismus, der in mehr als 100 Jahren aufgebaut wurde, innerhalb weniger Jahre vernichten.

 



Lutz Werner

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