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Kühlungsborn Technik, die auch Mädchen begeistert
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Technik, die auch Mädchen begeistert
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00:00 23.04.2013
Das Leibniz-Institut f�r Atmosph�renphysik in K�hlungsborn: Hier k�nnen die M�dchen am Donnerstag hinter die Kulissen schauen. Quelle: Lennart Plottke
Kühlungsborn

„Wir wollen junge Mädchen dazu motivieren, technische Berufe kennenzulernen“, sagt Christina Lemke von der Landeskoordinierung „Girls‘ Day MV“.

„Dabei haben wir uns gedacht: Atmosphärenpysik hört sich spannend an — aber was macht man da eigentlich?“

„Im Mittelpunkt steht das physikalische Verständnis dafür, was da oben passiert“, bringt es Franz-Josef Lübken, Direktor des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) in Kühlungsborn, auf einen einfachen Nenner. „Das Wissen über unsere Atmosphäre ist schon ein hohes Gut. Man kann die Zirkulationssysteme besser verstehen — und das ist dann zum Beispiel hilfreich beim Wetterbericht.“

Zum ersten Mal ist die Einrichtung am Donnerstag beim „Girls‘ Day“ mit dabei — Deutschlands größter Berufsorientierungsinitiative für Mädchen. „Für uns ist dieser Tag eine gute Möglichkeit, um mit jungen Leuten in Kontakt zu kommen — sie müssen nur ermutigt werden“, erklärt Lübken. „Denn eins ist klar: Es gibt hierzulande viel zu wenig Naturwissenschaftler.“ Auch deshalb stehe der Aktionstag in diesem Jahr unter dem Motto „Frauen in Wissenschaft und Forschung“, sagt Lemke: „Die Mädchen sollen sich dabei mit eher untypischen Berufsfeldern auseinandersetzen — allein in MV haben wir mehr als 300 Veranstaltungen mit über 3000 Plätzen.“

So gebe es beispielsweise die Möglichkeit, Geschick in handwerklichen Berufen wie Feinmechanikerin oder Kfz-Mechatronikerin zu beweisen. Neben Forstbetrieben stelle auch die Bundeswehr viele Plätze für junge Frauen bereit.

In Kühlungsborn erhalten die Teilnehmerinnen Einblicke in die Arbeit als Naturwissenschaftlerin oder können den Gebrauch modernster Messmethoden zur Erforschung der mittleren Atmosphäre miterleben.

„Wir stellen das Institut vor und gucken ein bisschen hinter die Labor-Kulissen“, sagt IAP-Mitarbeiter Michael Gerding. „Um es plastischer zu machen, lassen wir einen Ballon 35 Kilometer in die Luft steigen und können dann während des Fluges gucken, welche Messwerte er uns liefert.“ Wissenschaftliches Arbeiten könne man nicht an einem Vormittag darstellen — „und nur auf einen Computer zu starren ist ja auch langweilig“.

Und nicht nur in Kühlungsborn wird am „Girls‘ Day“ um weiblichen Nachwuchs geworben: Beim „Unternehmerinnen-Talk im Erzähl-Café“ treffen in Doberan etwa 20 Schülerinnen vier Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen. „Die Firma Baupunkt Flügel (Baumaschinenverleih) hat ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, damit in lockerer Atmosphäre Acht- bis Zehntklässlerinnen anhand von ,Vorbildern‘ angeregt werden, ein erweitertes Berufsverständnis zu bekommen“, erklärt Annette Fink, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Doberan. „Mädchen sollen in Gesprächen erfahren, wie Frauen ihren beruflichen Weg gehen, persönliche und berufliche Ziele vereinbaren.“

Es gehe auch darum, Öffentlichkeit und Wirtschaft auf die Stärken der Mädchen aufmerksam zu machen, um einer gut ausgebildeten Generation junger Frauen weit reichende Zukunftsperspektiven zu eröffnen, macht Christina Lemke deutlich. „Es sind viel mehr Ausbildungsplätze als Schulabgänger vorhanden — der Kampf um die klügsten Köpfe und Lehrstellen ist längst entbrannt.“

Damit alle Teilnehmerinnen stressfrei zu den jeweiligen Unternehmen kommen, kann der Regionalverkehr kostenfrei genutzt werden, sagt Alexander Knipper von der Projektleitung „Regionales Übergangsmanagement Schule-Beruf“. „Voraussetzung ist aber einer entsprechender ,Girls‘ Day‘-Aufkleber.“

Bei aller Konzentration auf das weibliche Geschlecht wird übrigens auch die Männerwelt nicht außer Acht gelassen: Am 2. Oktober kann sie beim „JungsTag“ im sozialen, Bildungs-, Gesundheits-, Pflege- und Dienstleistungsbereich ihre Stärken unter Beweis stellen.

• Internet:

www.girls-day.de

Frauen in die Forschung
Der „Girls‘ Day“ ist das größte Berufsorientierungsprojekt für den weiblichen Nachwuchs. Hier öffnen vor allem technische Unternehmen, Betriebe mit technischen Abteilungen und Ausbildungen, Hochschulen und Forschungszentren ihre Türen für Schülerinnen ab Klassenstufe 5. Die Mädchen lernen Ausbildungsberufe und Studiengänge in Technik, IT, Handwerk und Naturwissenschaften kennen, in denen Frauen bisher eher selten vertreten sind.


In diesem Jahr steht der bundesweite Aktionstag am 25. April unter dem Motto „Frauen in Wissenschaft und Forschung“.

Lennart Plottke