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Kühlungsborn Traditionen bewahren und an Kinder weitergeben
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Traditionen bewahren und an Kinder weitergeben
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00:01 16.05.2017
Tanzleiterin Christa Rachow (M.) bringt Pädagogen mecklenburgische Tänze bei. Quelle: Foto: Sabine Hügelland

Sie ist klein und zart, doch wenn Christa Rachow ihre Kurse gibt, wächst sie über sich hinaus. Die 87-jährige, seit 1991 Senioren-Tanzleiterin in Kühlungsborn, brachte jetzt 16 Pädagoginnen zwei mecklenburgische Tänze bei. Die Lehrerinnen wollen dieses Wissen an ihre Schüler weitergeben.

87-jährige Tanzleiterin bringt Lehrerinnen meckenburgische Tänze bei

Christa Rachow wurde von Mariechen Waghals aus Kröpelin unterstützt, die in mecklenburgischer Tracht mittanzte. Zu Beginn erläuterte Christa Rachow die regionale Entstehung des Tanzes „Mecklenburger Kegel“, mit dem bereits um 1900 Erntefeste auf den Gutshöfen eingetanzt wurden. Ein wenig Verwirrung herrschte während der ersten Tanzschritte in der Aula des Schulzentrums Kühlungsborn, denn nicht alle Teilnehmerinnen kamen mit den vielen verschiedenen Figuren des „Mecklenburger Kegels“ mit. Nach einer Stunde hatten sie den Dreh raus und waren in ausgelassene Tanzstimmung geraten.

„Wer Spaß bei der Arbeit hat, wird das sicher auch positiv an die Schüler bringen“, ist sich Kerstin Lorenz sicher, die in Güstrow unterrichtet. Die Regionalberaterin für Niederdeutsch im staatlichen Schulamt Rostock organisierte diesen Kurs, der ein Projekt vom Institut für Qualitätsentwicklung MV ist. Dort werden zu verschiedenen Fachgebieten Fort- und Weiterbildungen für Lehrer vorbereitet.

„Die wenigen Traditionen die wir noch haben, müssen erhalten werden, sonst gehen sie verloren“, sagt Kertin Lorenz. Das bestätigt auch die Projektleiterin der Schweriner „Heimatschatzkiste“, Antonia Stefer: „Es ist so wichtig, die alten Tänze und die niederdeutsche Sprache Kindern in Hort und Schule zu vermitteln.“

Susanne Schlettwein-Kämpfer aus Güstrow gehört dem Regionalen Beruflichen Bildungszentrum des Landkreises in Güstrow an und arbeitet eng mit der „Heimatschatzkiste“ zusammen. „Wir bilden Erzieher aus, die die plattdeutsche Sprache fördern“, erzählt sie. „Es ist wichtig, dass die Erzieher den Schülern neben der Sprache auch die Region näher bringen, damit sie sich mit Mecklenburg-Vorpommern identifizieren können.“ Sie bedauert, dass in den letzten Jahren so viele Traditionen verloren gegangen sind.

Auch Bärbel Niemann vom Sonderpädagogische Förderzentrum will ihren Schülern alte Traditionen vermitteln: „Auch wenn unseren Kindern nicht alles leicht fällt, ihnen bereitet Plattdeutsch viel Freude.

Ich finde es toll, dass endlich die mecklenburgische Tradition wiederbelebt wird.“

Die Schulleiterin von Reriks Goethe-Grundschule, Karin Ruwolt, lernte ebenfalls fleißig mit: „Ich bin sehr traurig darüber, dass wir zu wenig Unterrichtstunden haben. So fiel an unserer Schule Niederdeutsch jetzt weg. Wir können das nicht mehr schaffen, weil keine Stunden frei sind.“ Dabei lernten dort gut die Hälfte der Dritt- und Viertklässler Plattdeutsch und nahmen an niederdeutschen Veranstaltungen im Ostseebad teil. Petra Schröder kommt von derselben Reriker Schule. Sie möchte nun im Rahmen des Sportunterrichts die mecklenburger Tänze anbieten.

Zwei Pädagoginnen reisten aus Wismar an. Sie arbeiteten in der evangelischen Schule „Robert Lansemann“, wo viele niederdeutsche Projekte verwirklicht werden. „Wir möchten Tradition weitergeben. Das kann man gut im Deutsch- und im Musikunterricht einbinden“, findet Katrin Cipra. Und ihre Kollegin Birgit Degner-Beilke meint: „Letztlich kommen wir doch aus einer Hansestadt, das verpflichtet zur Traditionspflege.“ Simone Laue aus Schlagsdorf hat ihren Schülern schon viele plattdeutsche Lieder beigebracht. „Die Tänze passen wunderbar dazu“, sagte sie.

„Bohnenpott“ hieß der zweite Tanz. Schnell hatten die inzwischen zur Hochform aufgelaufenen Pädagoginnen diesen Tanz erlernt. Christa Rachow lobte ihre Schülerinnen: „Sie waren alle mit Feuereifer dabei, das freut mich.“ Vereinbart hat sie mit ihren Schülerinnen, dass es voraussichtlich im Oktober wieder einen Kurs geben wird. Dann werde sie schon fast ein Jahr älter sein. Doch „Tanzen hält Körper und Geist jung“, sagt die Seniorin.

Sabine Hügelland

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